Mittwoch, 29. April 2015

Mailand im Expo-Rausch: Weltausstellung beginnt

Es ist soweit: Am Freitag um 12.00 Uhr eröffnet Regierungschef Matteo Renzi die Weltausstellung in Mailand, die bis Ende Oktober Millionen Besucher aus aller Welt anlocken wird.

Am Freitag startet die Expo in Mailand - Archivbild
Am Freitag startet die Expo in Mailand - Archivbild - Foto: © LaPresse

Bis zuletzt wurde auf dem Gelände in Rho im Nordwesten von Mailand emsig gearbeitet, um einen erfolgreichen Start der Expo zum Thema Ernährung zu gewährleisten.

Italien verbindet mit dieser Leistungsschau riesige Hoffnungen. Die bis 31. Oktober laufende Expo ist für das Land ein gigantisches Ereignis: 20 Millionen Besucher werden erwartet, zehn Millionen Eintrittskarten wurden bereits verkauft.

145 Staaten werden dem Publikum neue Technologien und Denkansätze zum Thema nachhaltige Lebensmittelproduktion präsentieren. Mehr als 70 Staats- und Regierungschefs, darunter Angela Merkel, Francois Hollande, David Cameron und Wladimir Putin wollen die Weltausstellung besuchen.

Expo soll Italien weiter aus der Krise holen

Italien erhofft sich durch die Expo und die damit verbundenen hohen Touristenzahlen ein kräftiges Wirtschaftswachstum. Nach sieben Jahren Dauerkrise soll die Weltausstellung mit ihrem erwarteten Massenansturm eine lebenswichtige Konjunkturankurbelung bescheren.

1,3 Milliarden Euro lässt sich der Staat das Ereignis kosten, 350 Millionen Euro steuern private Investoren bei, die Teilnehmerländer eine Milliarde Euro. Alles in allem wird mit einem Wachstumsimpuls von zehn Milliarden Euro gerechnet, das sind rund 0,6 Prozent des Bruttoinlandprodukts.

Allein der Fremdenverkehr soll mit fünf Milliarden Euro von der Expo profitieren.

1,1 Millionen Quadratmeter ist das Ausstellungsgelände groß. Das Areal in Form eines Fisches wurde von fünf berühmten Architekten entworfen und liegt sieben Kilometer oder 25 Minuten U-Bahn-Fahrt vom Mailänder Domplatz entfernt.

Alle Pavillons grenzen an den 1,5 Kilometer langen Hauptboulevard „Decumanus“, benannt nach dem alten römischen Begriff für eine Ost-West-Achse, die sich mit dem „Cardo“ kreuzt, der Nord-Süd-Achse.

Um auch armen Entwicklungsländern die Teilnahme zu ermöglichen, gibt es erstmals neben den 53 Länder-Pavillons neun sogenannte Cluster zu einzelnen Themen wie Kaffee, Kakao oder Reis. Hundert Millionen Euro hat die Expo dafür investiert.

Thema der Expo: "Den Planeten ernähren, Energie für das Leben"

„Den Planeten ernähren, Energie für das Leben“ ist der offizielle Titel der Expo, die sich nicht nur als reine Leistungsschau, sondern auch als Diskussionsforum zum Thema Ernährung versteht.

Dabei soll das Recht aller Menschen auf gesunde und ausreichende Ernährung im Mittelpunkt stehen. Neun Jahre sind vergangen, seitdem Italien seine Bewerbung für die Expo vorgeschlagen hat. Dazwischen liegen schwierige Krisenjahre. „Damals wussten wir noch nicht, wie wichtig und vielfältig dieses Thema eigentlich ist“, sagte Expo-Direktor Matteo Gatto.

Rund zwei Milliarden Menschen auf der Welt leiden an Hunger, etwa gleich viele Menschen an Übergewicht. In Mailand geht es also nicht nur um Ernährung, sondern auch um Nachhaltigkeit und Nahrungssicherheit, um erneuerbare Energien und um Umweltschutz.

Die Länder, die sich beteiligen, haben diese Woche eine „Charta von Mailand“ präsentiert. Darin verpflichten sie sich, den Menschen das Recht auf gesunde Ernährung zu garantieren.

Die Endversion des Papiers wird am 16. Oktober UN-Generalsekretär Ban Ki-moon überreicht. Mit der Charta legen die Expo-Teilnehmer das Versprechen ab, den Zugang zu gesunder und nährstoffreicher Lebensmittel zu erleichtern. Zugleich sollen Maßnahmen zum Schutz des Bodens und der Biodiversität garantiert werden.

Schwarzarbeit in der Landwirtschaft soll aktiv bekämpft, das Einkommen von Bauern und Fischern durch verschiedene Initiativen gestützt werden.

Mailand für Expo herausgeputzt

Neben den zahlreichen Events auf dem Expo-Gelände lockt die Stadt Mailand selbst mit mehr als tausend Veranstaltungen und Ausstellungen.

So zeigt der Kunstpalast Triennale eine Ausstellung über Kunst und Essen, in der Mailänder Scala wird täglich ein Konzert, oder eine Opernaufführung stattfinden.

Auch die Stadt hat sich für die Weltausstellung herausgeputzt. So wurde die 1867 eröffnete Galleria Vittorio Emanuele II aufwendig restauriert.

apa

stol