Die Anlage erstreckt sich über 73 Hektar, also gut 100 Fußballfelder. Sie verfügt über rund 3.000 Stellplätze sowie zusätzliche Wohneinheiten wie Mobile Homes, Bungalows und Chalets. Gleichzeitig können sich bis zu 12.000 Urlauber dort aufhalten; zwischen April und Oktober kommt Marina di Venezia auf rund 1,4 Millionen Nächtigungen. Zum Vergleich: Schenna und Dorf Tirol erreichen zusammen rund 1,6 Millionen; also nicht wesentlich mehr. Längst ist der Ferienriese auch Fernsehkulisse: Die „RTLZWEI“-Doku-Soap „Bella Italia – Camping auf Deutsch“ spielt hauptsächlich dort.<h3> Wie alles begann</h3>Zeit also für eine Spurensuche. Gegründet wurde Marina di Venezia 1958 von Cornelio Bertolini und Romolo Canale. Bertolini wurde 1916 in Fucine di Ossana im Val di Sole geboren, kam aber bereits mit 20 Jahren nach Bozen. Canale stammte aus Padua. Begonnen hat alles mit wenigen Zeltplätzen. Danach wurde Jahr für Jahr investiert; aus dem einfachen Campingplatz wurde Schritt für Schritt ein eigener Ferienort.<BR /><BR />1991 übernahmen Paolo Bertolini – Neffe des Firmengründers Cornelio Bertolini – und Elisabetta Canale die Leitung der Anlage. Heute hält der Bozner gemeinsam mit Canale (der Tochter von Romolo Canale und heutigem CEO) 75 Prozent der Anteile und fungiert als Präsident. Damit ist Marina di Venezia bis heute fest in der Hand der beiden Gründerfamilien. Seit gut 15 Jahren ist das Feriendorf zudem mit fünf Sternen ausgezeichnet.<BR /><BR /><embed id="dtext86-75358504_quote" /><BR /><BR />Obwohl sich das Geschäft im Wesentlichen auf die warme Jahreszeit konzentriert, ist Bertolini ganzjährig in „seinem“ Marina präsent. „Drei- bis viermal pro Woche bin ich hier. Es gibt immer was zu tun auf einer so großen Anlage“, erzählt er im Gespräch mit diesem Medium. Bertolini ist mittlerweile 67, also eigentlich im Pensionsalter, von Ruhestand aber weit entfernt. Er ist nicht nur Tourismusunternehmer, sondern auch zu 95 Prozent am Kunststoff-Spezialisten Eurochrome und zu 30 Prozent an Erika Eis beteiligt – beides bekannte Trentiner Unternehmen.<BR /><BR />Doch zurück zum Marina: Von klein auf habe er den Betrieb wachsen sehen, seit 45 Jahren gestalte er ihn aktiv mit. „Campingbegeistert war ich immer schon, mir gefällt diese Art des Urlaubs einfach am besten. Und es ist schön zu sehen, dass immer mehr jüngere Familien das genauso sehen. Sich an keine Abläufe halten zu müssen, den ganzen Tag in Badehose herumzugehen, das ist ein Gefühl von Freiheit.“<h3> Erweiterung geplant</h3>Die Nachfrage werde von Jahr zu Jahr größer, sodass Marina di Venezia wieder an seine Grenzen stoße. „In den nächsten zwei bis drei Jahren sollen 150 Stellplätze für bis zu 500 Urlauber dazukommen. Genehmigt ist das Projekt schon.“ Dabei betont Bertolini, dass ihm quantitatives Wachstum nicht am wichtigsten sei. Es gehe vielmehr darum, eine „sehr hohe Qualität zu bieten“.<BR /><BR />Der letzte große Umbau liegt acht Jahre zurück. Anlässlich des 60-jährigen Bestehens wurde die zentrale Einkaufs- und Flaniermeile, der sogenannte „Listón“, neu geschaffen – nach Plänen des Bozner Architekten Matteo Thun und Luca Colombo. In diesem Zuge kamen auch zwei bekannte Südtiroler Marken nach Cavallino-Treporti: Lemayr und Sportler.<BR /><BR />„Ich habe sie persönlich gefragt, ob sie Lust hätten, mitzuwirken. Und eigentlich haben beide gleich Ja gesagt“, sagt Bertolini. Mit ihrem Einzug sei im Marina di Venezia „noch etwas mehr Südtirol“ angekommen.<h3> „Eindeutig ein Freudenkind“</h3>Für Lemayr hat sich der Standort bewährt. „Es gibt innerhalb einer Firmengruppe immer Sorgenkinder und Freudenkinder. Die Marina-Filiale ist sicher ein Freudenkind“, unterstreicht Sandro Pellegrini, der das Unternehmen gemeinsam mit seinem Bruder Andreas führt. Mehr Auskunftsfreude zu den verkauften Mengen gibt es nicht: „Da wären mögliche Mitbewerber vielleicht zu schnell auf falsche Gedanken gebracht“, sagt er schmunzelnd. Ganz klein dürften die Mengen aber nicht sein – bei der Gästezahl und dem hohen Bedarf an täglich frischem Brot im Urlaub.<BR /><BR />Dazu kommt, dass ein Campingplatz ein Stück weit wie ein geschlossener Markt funktioniert. Wer einmal drin ist, kauft auch dort. Wegen eines Brötchens verlässt wohl kaum jemand das Gelände.<BR /><BR />Der Aufwand ist für Lemayr allerdings beträchtlich. „In Spitzenzeiten arbeiten sechs Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Filiale: vier im Verkauf, zwei in der Bäckerei. Das ist kein Standort, den man einfach nebenbei mitlaufen lässt“, sagt Pellegrini. „Vieles wird vor Ort von Grund auf hergestellt. Nur ein kleinerer Teil wird aufgebacken.“<BR /><BR />Das Sortiment unterscheidet sich im Großen und Ganzen nicht stark von jenem anderer Lemayr-Filialen. „Wir reden da eher von Nuancen. Überwiegen deutsche Gäste, verkaufen wir mehr Semmeln. Sind mehr Niederländer da, gehen mehr Ciabatta-Brote über die Ladentheke. Insgesamt ist es heute nicht mehr so, dass Urlauber nur das essen wollen, was sie von daheim kennen. Die Gäste sind offener und probieren gern Brotspezialitäten aus dem Urlaubsland.“<BR /><BR /><embed id="dtext86-75358508_quote" /><BR /><BR />Die Filiale in Cavallino-Treporti ist nicht Lemayrs erster Versuch auf einem Campingplatz. „Wir waren vor rund zehn Jahren schon einmal in der Toskana vertreten“, sagt Pellegrini. „Diese Bäckerei haben wir aber recht schnell wieder geschlossen.“<BR /><BR />Die Marina-Filiale ist eine von 25 Lemayr-Verkaufsstellen in Südtirol und Norditalien. Mit den Bäckereien erwirtschaftet Lemayr – auch Tiefkühl-Backware unter der Marke Ebnerbrot zählt dazu – einen Jahresumsatz von rund zwölf Millionen Euro. Nimmt man die Partner S.r.l. mit ihrer Hauptmarke Italsandwich sowie die Baufirma Lemayr Costruzioni dazu, liegt der Gruppenumsatz etwa doppelt so hoch.<BR /><BR />Auch Sportler ist seit der Neugestaltung des Listón im Marina di Venezia vertreten. Der Sporthändler der Familie Oberrauch verkauft dort vor allem Strand- und Freizeitartikel, Bademode, Schwimmzubehör, Sport- und Freizeitbekleidung sowie Schuhe – also ein Sortiment, das auf Urlauber, Familien und den Campingalltag zugeschnitten ist.<h3> Gehobenes Segment</h3>Bleibt noch die Frage nach den Kosten. Denn wer bei Camping automatisch an günstigen Urlaub denkt, liegt hier nur teilweise richtig. Ein Stellplatz kostet im Marina di Venezia in der Hochsaison laut Bertolini um die 70 bis 80 Euro pro Tag für bis zu drei Personen. Das ist für Familien mit Wohnwagen oder Wohnmobil noch immer eine andere Rechnung als ein klassischer Hotelurlaub. Billig ist es aber nicht. Noch offensichtlicher wird der Premium-Anspruch bei den Wohneinheiten: Je nach Kategorie liegen die Preise bei rund 250 bis 450 Euro pro Nacht zu Spitzenzeiten. Damit steht Marina di Venezia auch für eine Entwicklung, die im Campingurlaub seit Jahren zu beobachten ist: Aus der einfachen Ferienform ist vielerorts ein Komfortprodukt geworden.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1328490_image" /></div> <BR />Deutsche Urlauber machen laut Bertolini bis heute fast zwei Drittel der Gäste aus. Der Rest verteilt sich vor allem auf die Niederlande, Dänemark und Österreich. Italiener sind klar in der Minderheit, auch wenn sie in den vergangenen Jahren etwas stärker geworden sind. „Wir sind mit dem deutschen Markt groß geworden“, sagt Bertolini. „Er ist bis heute unser wichtigster Markt. Aber auch aus Südtirol kommen immer wieder Gäste zu uns – und viele von ihnen staunen, wie viel Südtirol hier eigentlich steckt.“