Wir haben die SVP-Kammerabgeordneten Renate Gebhard, Steuerexperte Hubert Berger und ASGB-Chef Tony Tschenett um ihre Einschätzung gebeten. <BR /><BR />Die Einkommensteuer IRPEF („Imposta sul reddito delle persone fisiche“) ist eine progressive Steuer, mit dem Einkommen (damit ist nicht nur der Lohn gemeint) steigt auch der Steuersatz an. Aktuell erfolgt dies nach einem 5-stufigen Modell: Bis zu einem Einkommen von 15.000 Euro liegt der Steuersatz bei 23 Prozent, zwischen 15.000 und 28.000 Euro sind es 27 Prozent, zwischen 28.000 und 55.000 Euro 38 Prozent, zwischen 55.000 und 75.000 Euro 41 Prozent und für den Einkommensanteil über 75.000 Euro wird der Höchststeuersatz von 43 Prozent berechnet.<BR /><BR /><b>Künftig 4 statt 5 Stufen</b><BR /><BR />Aus diesen 5 Stufen sollen ab dem kommenden Jahr 4 werden, die Steuersätze sollen bei 23 Prozent (bis 15.000 Euro), 25 Prozent (bis 28.000 Euro), 35 Prozent (bis 50.000 Euro) und 43 Prozent (über 50.000 Euro) liegen. Wie man sieht, sollen vor allem die mittleren Einkommen zwischen 20.000 und 50.000 Euro entlastet werden. „Das ist auch das erklärte Ziel des Steuerermächtigungsgesetzes, das die Grundlage für die IRPEF-Reform bildet“, so die SVP-Kammerabgeordnete Gebhard. <BR /><BR /><BR />„Laut den ersten Berechnungen kann man davon ausgehen, dass von der Reform tatsächlich vor allem die Steuersubjekte mit einem mittleren Jahreseinkommen profitieren werden, man spricht je nach Situation von möglichen Steuerersparnissen bis zu 700 Euro jährlich“, so Gebhard. Die grundsätzliche Einigung zwischen den Wirtschaftsverantwortlichen der Mehrheitsparteien und Wirtschaftsminister Daniele Franco beim Thema IRPEF gebe es bereits, die Abstimmung im Ministerrat dazu stehe noch aus. „Ich gehe davon aus, dass es in den nächsten Tagen zwar noch zu verschiedenen Anpassungen und kleineren Abänderungen kommen kann, aber im Grunde bei der vereinbarten Regelung mit den 4 Stufen bleiben wird“, so Gebhard. Wie hoch die Einsparungen für den einzelnen Bürger tatsächlich ausfallen könnten, hänge nun vor allem von der Neuregelung der Steuerfrei- und Steuerabsetzbeträge ab. <BR /><BR /><b>„Es kommt auf die Absetz- und Freibeträge an“</b><BR /><BR />„In Italien gibt es aktuell an die 200 Regelungen in diesem Bereich, vieles davon spielt sich auf der Ebene von Mikrobeiträgen ab“, weiß Hubert Berger, Wirtschaftsprüfer und Steuerberater aus Meran und „WIKU“-Steuerexperte. „Dass es da dringend einer Reform bedarf, steht für mich außer Frage. Nun kommt es darauf an, ob die Vereinfachung des Systems auch zu einer signifikanten Kürzung bei den Steuerabsetzbeträgen führt und Steuerfreibeträge heruntergesetzt werden. Beides würde dazu führen, dass trotz eines geringeren IRPEF-Steuersatzes die Einsparungen für den einzelnen Bürger geringer ausfallen könnten als gedacht“, so Berger. Die vorsichtig optimistische Prognose des Experten: „Ich gehe im Moment trotz dieser beiden offenen Punkte aber schon eher davon aus, dass man das Ansinnen ernsthaft verfolgt, den Mittelstand zu entlasten.“<BR /><BR /><BR />Auch Tony Tschenett, Vorsitzender des Autonomen Südtiroler Gewerkschaftsbundes (ASGB) bewertet die geplante IRPEF-Reform als „wichtigen, ersten Schritt hin zu einer effektiven Entlastung mittlerer Einkommen“. Was Tschenett aber noch Kopfzerbrechen bereitet, sind vor allem die niederen Einkommen: „Der Steuersatz bei den Einkommen bis 15.000 Euro soll unverändert bei 23 Prozent bleiben. Ich finde, da sollte noch nachgebessert werden – entweder, indem man den Steuersatz noch absenkt oder aber die Steuerfreibeträge erhöht, sprich den Wert bis zu welchem die Einnahmen steuerfrei bleiben.“<BR /><BR /><b>7 Milliarden für die IRPEF</b><BR /><BR />Die geplante IRPEF-Reduzierung soll Italien ab 2022 an die 7 Milliarden Euro kosten, eine weitere Milliarde ist für die Neuregelung der IRAP vorgesehen. Insgesamt sollen also 8 Milliarden Euro für die Senkung des Steuerdrucks im Haushalt 2022 eingeplant werden.<BR />