Wir haben uns die Neuerungen angesehen und mit einer Lohnexpertin im Detail durchgerechnet, wie viel Geld tatsächlich herausschaut. <BR /><BR />Zur Erklärung vorweg: Der Steuerkeil („cuneo fiscale“) ist die Differenz zwischen den Arbeitskosten, die dem Unternehmen entstehen, und dem Nettolohn des Arbeitnehmers. <BR /><BR /><b>Was ist seit dem 1. Jänner neu in Sachen „cuneo fiscale“?</b><BR />Letztes Jahr hatten Arbeitnehmer mit einem monatlichen Bruttolohn (Beitragsgrundlage) von höchstens 2692 Euro eine Beitragsreduzierung von zuerst 0,8 Prozent und ab Juli 2022 von 2 Prozent. Neu ist: „Mit einem monatlichen Bruttolohn von maximal 1923 Euro bekommen Arbeitnehmer nun eine Beitragsreduzierung von 3 Prozent“, so Manuela Berger, Bereichsverantwortliche Lohnservice und Arbeitsrechtsberatung beim Meraner Lohnbüro Elas. „Liegt die Beitragsgrundlage zwischen 1924 und 2692 Euro, beträgt die Reduzierung auch heuer 2 Prozent.“ Die Regelung gilt vorerst nur für das Jahr 2023.<BR /><BR /><b>Wer sind also die Nutznießer der Neuregelung?</b><BR />Ganz pauschal kann man sagen, dass es Arbeitnehmer betrifft, die eine jährliche Bruttoentlohnung von 20.000 Euro haben (3 Prozent Reduzierung) bzw. jene mit maximal 35.000 Euro im Jahr (2 Prozent). „Jedoch zählt für die Berechnung der Beitragsreduzierung jeweils die monatliche Beitragsgrundlage. Das heißt, die effektive Anwendung der Reduzierung kann auch monatlich schwanken. Beispiel: Hat jemand einen monatlichen Bruttolohn von 2500 Euro, kommt er theoretisch in den Genuss der 2-prozentigen Reduzierung. Werden in einem Monat aber zum Beispiel Überstunden oder eine Prämie ausbezahlt und die effektive Beitragsgrundlage liegt dann über 2692 Euro, dann bekommt der Mitarbeiter in diesem Monat die Reduzierung nicht“, so Berger.<BR /><BR /><embed id="dtext86-57642790_quote" /><BR /><BR /><BR /><b>Rechnen wir ein praktisches Beispiel durch: Wie wirken sich die Änderungen auf einen Arbeitnehmer aus, der monatlich 1800 Euro brutto verdient?</b><BR />Üblicherweise werden Arbeitnehmern auf dem Lohnstreifen 9,19 Prozent vom Bruttolohn als Rentenbeiträge abgezogen. Bei 1800 Euro sind das 165,42 Euro. „Mit der neuen Regelung seit Jänner 2023 bezahlt dieser Mitarbeiter 3 Prozent weniger und somit nur mehr 111,42 Euro. Er spart sich also 54 Euro an Beiträgen“, rechnet sie vor. Aber: „Durch die reduzierten Abzüge für Beiträge erhöht sich gleichzeitig die Steuergrundlage und somit der Steuerabzug. Das heißt, der Mitarbeiter bezahlt weniger Beiträge, aber mehr Steuern. Unterm Strich hat der Mitarbeiter durch die Beitragsreduzierung monatlich rund 28 Euro mehr an Nettolohn auf dem Lohnstreifen.“ Vergleichen wir dies mit Ende 2022, wo er mit demselben Bruttogehalt bereits eine Reduzierung von 2 Prozent hatte, dann sind es lediglich 12 Euro mehr im Monat.<BR /><BR /><BR /><b>Wie viel hat dieser Arbeitnehmer auf Jahressicht mehr in der Lohntüte im Vergleich zum Vorjahr?</b><BR />„2022 hatte er mit diesem Bruttolohn zuerst eine Reduzierung der Beiträge von 0,8 Prozent und dann ab Juli von 2 Prozent. 2023 sind es 3 Prozent. Unter Berücksichtigung der geringeren Abzüge für Beiträge, aber auch der Auswirkung auf die Steuerberechnung, beläuft sich die Differenz auf rund 250 Euro, die er 2023 mehr bekommt als 2022“, so die Elas-Beraterin. Immerhin – besser als gar nix, könnte man an dieser Stelle sagen. <BR /><BR /><BR /><b>Bekommt ein Arbeitnehmer die Reduzierung des Steuerkeils bereits mit dem Jänner-Gehalt zu spüren?</b><BR />Ganz so schnell dürfte es nicht gehen. „Für die effektive Anwendung der Reduzierung, benötigt es noch die operativen Anweisungen des Fürsorgeinstituts NISF/INPS. Es ist fraglich, ob diese bis zur Abrechnung des Januar-Gehaltes schon veröffentlicht sind. Wenn nicht, bekommen die Arbeitnehmer die Reduzierung erst in den Folgemonaten, wo dann auch eine Nachberechnung ab Januar erfolgt“, so die Einschätzung der Expertin.