<b>Herr Demetz, wie sollte sich der Tourismus in Gröden und darüber hinaus ihrer Meinung nach künftig entwickeln?</b><BR />Nils Demetz: Wachstum muss in erste Linie über die Qualität und über den Preis gehen, denn nicht nur unser Tal, sondern unser ganzes Land stößt bei der Quantität zu Spitzenzeiten bereits an seine Grenzen. Natürlich besteht in der Vor- und Nachsaison noch Luft nach oben und hier sollten wir alles daran setzen, das Potential im Frühling und Herbst besser auszuschöpfen. Aber Skifahren kann man halt nur im Winter und Gewinne werden oft nur in der Hochsaison erwirtschaftet.<BR /><BR /><b>Also sollten die Preise nach oben geschraubt werden?</b><BR />Demetz: Unser Wachstum kann also unweigerlich nur über die Qualität und letztlich den Preis gehen. Denn der Preis ist die wichtigste und effizienteste Stellschraube, um Umsatz und schlussendlich den Gewinn zu halten und zu steigern. Ich glaube, dass wir gar keine andere Wahl haben, als mehr Mut zum Preis zu zeigen, wollen wir Fit für die Zukunft bleiben. Denn Steigerung in Masse führt in Zukunft unweigerlich zu Verminderung in Qualität.<BR /><BR /><b>Gesteigerte Qualität und höhere Preise klingt gut, aber lässt sich das auch bewerkstelligen?</b><BR />Demetz: Vor allem in der Hotellerie sollten alle mehr Mut zu einer selbstbewussteren Preispolitik haben: Der Umsatz zählt, nicht nur die Nächtigungen.<BR />Oft reicht es dabei schon, den Preis zu halten; Rabatte zu minimieren oder ganz zu eliminieren. Man bedenke z.B., dass ein 3+1 Angebot einem Preisnachlass von 25 Prozent gleichkommt. Und das manchmal über Wochen hinweg. Auch die Zusammenarbeit mit Reiseveranstaltern, die 20 Prozent und mehr Provision verlangen, ist zu hinterfragen; ebenso können die Aufschläge für Reiseportale neu definiert werden; die Zuschläge für Kurzaufenthalte, Hunde, usw. Viele kleine Maßnahmen können hier schnell einen großen Unterschied machen.<BR /><b><BR />Hotels, Bars und Restaurants in Gröden haben ihre Qualität in den letzten Jahren bereits ungemein gesteigert: wo sehen Sie da noch Luft nach oben?</b><BR />Demetz: Qualität fängt in unseren Betrieben an, macht dort aber nicht Halt. Der Preis rechtfertigt sich nur, wenn auch das drumherum passt: Lifte, Geschäfte, öffentliche Infrastruktur und vor allem auch die Events und sportlichen Großveranstaltungen, die einer Urlaubsdestination wie unserer Exklusivität verleihen. Deswegen ist es wichtig, dass hier alle an einem Strang ziehen, einschließlich der Gemeinde- und Landesverwaltung, die wir als Partner einer Qualitätsoffensive unweigerlich brauchen. Dies betrifft neben einem ganzheitlichen und überfälligen Mobilitätskonzept für unsere Passstraßen und das Tal, auch die Kandidatur für die Skiweltmeisterschaft 2029. <BR /><BR /><b>Also ein klares Ja zur Kandidatur für die Ski-WM 2029?</b><BR />Demetz: Was krönt einen Wintersportort mehr, als eine Weltmeisterschaft? Das Prestige des Wettbewerbs würde die Qualität der Destination Gröden nochmals um einiges steigern. Nicht Masse, sondern eine gesteigerte Exklusivität und Begehrlichkeit wären deren Erbe.<BR />Daher stehen wir als HGV Gröden auch mit aller Kraft hinter der Kandidatur für dieses sportliche Großereignis.<BR /><BR /><b>Wie schaut die Mitarbeitersituation im Gastgewerbe aus? Und wie wird sie sich künftig entwickeln?</b><BR />Mit dem Fachkräftemangel werden derzeit nicht nur der Tourismus, sondern branchenübergreifend alle konfrontiert: Tourismus, Handel, Öffentliche Verwaltung usw. und dies in ganz Europa. Es gibt einfach nicht mehr genügend Menschen, um alle Positionen zu besetzen.<BR />Was für die Qualität des touristischen Angebots gilt, gilt daher ebenso für unsere Qualität als Arbeitgeber. Wollen wir den Mitarbeitermangel in den Griff bekommen, dann müssen wir alles daransetzen, als Gröden nicht nur die attraktivste Urlaubsdestination, sondern auch der attraktivste Arbeitgeber der Alpen zu werden. <BR /><BR /><b>Was gehört zu einem für einen Arbeitnehmer attraktiven Arbeitgeber?</b><BR />Demetz: Unser Ruf, unsere Marke als Arbeitgeber muss uns zum begehrtesten Arbeitgeber in unserem Sektor machen. Angemessene Entlohnung und faire Arbeitsbedingungen sind dabei das mindeste. Wir müssen den Mitarbeitern auf Augenhöhe begegnen, ihnen Entwicklungsmöglichkeiten bieten. Angemessenen Wohnraum. Angemessene Kinderbetreuung. Ein attraktives Umfeld und tolle Freizeitaktivitäten.<BR /><BR /><b>Bei großen Betrieben sind derartige Maßnahmen sicher leichter umzusetzen als bei kleineren...</b><BR />Demetz: Mir ist natürlich bewusst, dass es vor allem für kleinere Betriebe enorm schwierig sein wird, beim Thema Gehalt und Arbeitszeiten großzügiger bzw. flexibler zu sein, bin aber überzeugt, dass wir alles geben müssen, hier eine Vorreiterrolle einzunehmen. Wir brauchen die besten Leute, wenn wir die beste Qualität und somit den besten Preis erzielen wollen. Die Spirale zeigt nach oben, wir brauchen nur den Mut, ihr zu folgen.<BR />