Im Interview zieht er Bilanz und zeigt auf, wo der weitere Weg der Messe hingehen könnte.<BR /><BR /><b>Herr Hilpold, Sie sind 2015 erstmals zum Präsidenten der Messe Bozen gewählt worden. Gemeinsam mit Direktor Thomas Mur haben Sie Vieles neu gemacht und ausprobiert – von neuen Messen bis zu digitalen Konzepten. Was ist aus Ihrer Sicht richtig gut gelungen? </b><BR />Armin Hilpold: Ich glaube, was uns recht gut gelungen ist, ist die Messe Bozen von einem reinen Messeveranstalter, also einem Subjekt, das Standflächen verkauft, zu einem Eventquartier weiterzuentwickeln. Heute können wir sagen: Bei uns können Veranstaltungen jeglicher Art für 2 bis 20.000 Personen organisiert werden. <BR /><BR /><BR /><b>Wie kam es zu dieser Entwicklung? Wollte sich die Messe ein zweites Standbein schaffen?</b><BR />Hilpold: Da standen vor allem 2 Überlegungen dahinter: Erstens, die Erwartungen der Aussteller und der Besucher an eine Messe haben sich in Vergangenheit verändert. Infotainment ist immer wichtiger geworden. Kein Besucher kommt heute auf eine Messe, schaut sich 3 Stände an und ist wieder weg, sondern er erwartet sich auch ein ansprechendes Kongressprogramm, gute Netzwerk-Möglichkeiten und ein gutes gastronomische Angebot. Deshalb haben wir 2016 zuerst das Kongresszentrum MEC erweitert und neu gestaltet und dann 2017 mit der „Brasserie 1857“ und dem „Forst Season“ einen komplett neuen Restaurant- und Barbereich geschaffen. Die zweite Überlegung war die, dass wir wollten, dass die Messe nicht nur zu den Messe-Zeiten lebt, sondern an 365 Tagen im Jahr. <BR /><BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1021038_image" /></div> <BR /><BR /><BR /><b>Weshalb im Innenhof der Messe der „Eventspace H1“ geschaffen wurde…</b><BR />Hilpold: Genau. In der Messe kann man heute daher auch Firmenfeiern, Bälle, Public Viewings, DJ-Konzerte usw. veranstalten. Und mittlerweile hat unsere Tätigkeit als Vermieter von Eventlocations mit den dazugehörigen Services auch einen wirtschaftlichen Effekt: Wir erzielen damit etwa 10 Prozent unseres Umsatzes von insgesamt rund 10 Millionen Euro. <BR /><BR /><embed id="dtext86-64428830_quote" /><BR /><BR /><BR /><b>Was lief hingegen nicht so wie erhofft?</b><BR />Hilpold: Das eine oder andere Projekt konnten wir pandemiebedingt leider nicht umsetzen. Unser Plan wäre es gewesen, Formate aufzubauen, die in Richtung Businessfestivals gehen, um auch ein jüngeres Publikum anzusprechen, so wie „Beam“, das Businessfestival für die Hospitalitybranche, das nun im Juni stattfinden wird. Denn die Menschen wollen interessante Speaker sehen, spannende Persönlichkeiten kennenlernen und ein tolles Gesamterlebnis mit nach Hause nehmen. Doch andere ähnliche Formate hat die Pandemie verhindert. In der Zeit haben zwar unsere Mitarbeiter immer gearbeitet, doch wir lebten quasi 3 Jahre wie in einem Vakuum, weil wir oft noch ein paar Tage zuvor nicht wussten, wie die Messe nun stattfindet.<BR /><BR /><BR /><b>Das bedeutete, immer für 3 Varianten gerüstet zu sein: für eine reine Onlinemesse, für hybride Veranstaltungen und eine Messe in Präsenz…</b><BR />Hilpold: Genau. Und wir haben uns darauf konzentriert, vorbereitet zu sein für die Zeit danach, unsere starken Rennpferde zum Laufen zu bringen, wenn es wieder losgeht. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1021041_image" /></div> <BR /><BR /><BR /><b>Stichwort: Coronajahre. Wie gut hat sich das Messegeschäft von der Krise erholt?</b><BR />Hilpold: Die Messe Bozen hat sich gut erholt, auch die diesjährige Ausgabe der „Klimahouse“-Messe ist gut gelaufen. Wir stehen auch finanziell solide da, wobei uns natürlich die Gelder aus dem staatlichen Hilfsfonds für Messen geholfen haben. Aber natürlich muss man sich immer mehr Gedanken machen, wie man ein Produkt attraktiv gestaltet. Unsere Mission ist es, Leute an einem physischen Ort zusammenzubringen, das war vor 75 Jahren so und ist es heute auch noch. In einer schnelllebigen Zeit ist das jedoch nicht einfacher. <BR /><BR /><b>Die Messe Bozen und ihre Veranstaltungen galten in Vergangenheit immer als das Schaufenster der Wirtschaft schlechthin, gilt das immer noch?</b><BR />Hilpold: Absolut. Unser Ziel ist es, immer eine starke Kerngruppe an einheimischen Ausstellern zu haben. Unsere Messen konzentrieren sich auf jene Bereiche, in denen Südtirol eine besondere Kompetenz hat. Daher ist es nur logisch, dass die Messe auch Plattform für die heimischen Unternehmen in diesen Bereichen ist. Das ist schließlich auch unser institutioneller Auftrag. <BR /><BR /><b>Was war Ihr aufregendster Moment in den vergangenen 9 Jahren?</b><BR />Hilpold: Die herausfordernste Phase war sicher die Zeit der Pandemie. Gleichzeitig war es ein tolles Gefühl, dass wir immer versucht haben, nach vorne zu schauen, zu investieren, mutig zu sein und mit Zuversicht voranzugehen. Für mich persönlich war es aber auch immer wieder spannend, mit so vielen verschiedenen Themen der Südtiroler Wirtschaft in Kontakt zu kommen und zu sehen, welch tolle Unternehmen Südtirol hat. Man denke nur an die „Interpoma“, bei der Besucher aus über 70 Ländern der Welt nach Bozen kommen, um sich über unsere Kompetenzen in der Apfelbranche zu informieren. Auch wenn Minister Messen besucht haben und man gesehen hat, dass die Veranstaltungen eine gewisse nationale und internationale Relevanz haben, war das schon etwas Besonderes. <BR /><BR /><BR /><embed id="dtext86-64428834_quote" /><BR /><BR /><BR /><b>Sie sagen, die Messe muss Zukunftsthemen ansprechen, mit Mut vorangehen und inspirieren. Was wäre so ein Zukunftsthema, das aktuell wichtig ist? </b><BR />Hilpold: Die Messe muss immer mehr zu einer Community werden. Das heißt, sie muss versuchen, das ganze Jahr über mit Inhalten, Webinaren, Side-Events usw. präsent zu sein. Das wird extrem wichtig werden. Und es wird auch darum gehen, Messen noch spitzer zuzuschneiden, relevante Themen noch tiefer und breiter behandeln und daraus auch eigene, kleinere Formate in Ergänzung zur klassischen Messe schaffen. Zudem wird es wichtig werden, Innovationen mehr Raum zu geben. Junge Unternehmen sollten sich inspiriert fühlen, auf der Messe präsent zu sein. Denn ich glaube, dass im Dialog zwischen Start-ups und etablierten Unternehmen noch sehr viel Spannendes entstehen kann. <BR /><BR /><b>Was wünschen Sie Ihrem Nachfolger?</b><BR />Hilpold: Mut. Weil man als Messe immer auch ein „Leuchtturm“ sein muss für Aussteller und Besucher. Und Kreativität. Sobald eine Messe fertig ist, geht es schon darum sich zu überlegen, wie man die nächste Ausgabe gestalten kann. Denn man sollte sich immer vor Augen halten, dass die Messe als wichtige Wirtschaftsplattform die Aufgabe hat, die Südtiroler Wirtschaft in all ihren Facetten weiterzubringen.<BR />