Die Hochzeitsglocken läuten noch nicht – aber die Verlobung ist gefeiert. Die beiden größten Südtiroler Milchgenossenschaften, Bergmilch Südtirol (Mila) und Milchhof Brixen (Brimi), stehen vor einer historischen Weichenstellung. Ihre Vorstände empfehlen den Mitgliedern, die Kräfte zu bündeln und künftig als gemeinsame Genossenschaft aufzutreten. Das letzte Wort haben jedoch die Bauern selbst.<BR /><BR />Die Ausgangslage für die Südtiroler Milchwirtschaft ist anspruchsvoll. Internationaler Preisdruck, die Marktmacht großer Handelsketten und steigende Kosten auf den Höfen zwingen die Genossenschaften zum Umdenken. Vor diesem Hintergrund haben Mila und Brimi in den vergangenen Monaten intensiv geprüft, ob ein gemeinsamer Weg tragfähiger ist als der bisherige Alleingang.<h3> Studie zeigt klare Vorteile</h3>Begleitet von externen Beratern hat eine Machbarkeitsstudie ein deutliches Ergebnis geliefert. „Die Zahlen zeigen eindeutig, dass wir gemeinsam mehr für unsere Bauern herausholen können“, erklären die beiden Geschäftsführer Matthias Baumgartner (Mila) und Martin Mair (Brimi) auf Nachfrage. Synergien in Logistik, Einkauf und Verwaltung sowie eine stärkere Marktposition sollen für mehr Effizienz sorgen, Kosten senken und die Wettbewerbsfähigkeit insbesondere überregional erhöhen. Für die Bauern bedeutet das vor allem eines: höhere Stabilität und langfristig bessere Auszahlungspreise. „Auch wenn wir als einzelne Genossenschaft so weiter machen können wie bisher, ergeben sich deutlich bessere Zukunftschancen, wenn wir unsere Kräfte bündeln“, betont Baumgartner.<h3> Keine Übernahme, sondern „Fusion auf Augenhöhe“</h3>Beide Genossenschaften betonen, dass es sich beim geplanten Vorhaben um eine „Fusion auf Augenhöhe“ handelt, „bei welcher die Zukunft unserer Genossenschaften und der Milchbauern im Mittelpunkt steht“, so Martin Mair. Es gehe nicht um eine Übernahme, sondern um das Zusammenlegen von Stärken: Mila bringt ihr breites Sortiment (Joghurt, Milch, Schnittkäse) und ihre Stärke am italienischen Markt ein, Brimi ihre internationale Kompetenz als Spezialist für Mozzarella und Frischkäse. „Wir wollen das Beste aus beiden Welten vereinen. Die drei Produktionsstandorte bleiben erhalten, und die regionale Identität unserer Täler wird durch eine faire Vertretung im künftigen Vorstand gesichert“, heißt es aus den Führungsgremien. Die drei Produktionsstandorte sollen erhalten bleiben, ebenso die regionale Identität der Täler, die durch eine faire Vertretung im künftigen Vorstand abgesichert werden soll.<h3> Dialog mit den Mitgliedern</h3>Mit der Empfehlung der Vorstände beginnt nun die letzte und entscheidende Phase: der Dialog mit den Eigentümern der Genossenschaften, den Bauern. In den kommenden Wochen sind flächendeckende Informationsveranstaltungen in allen Bezirken geplant. „Wir legen die Karten offen auf den Tisch. Wir wollen nicht über die Köpfe unserer Mitglieder hinweg entscheiden, sondern sie mit Argumenten überzeugen und in diesem Dialog mit einbeziehen“, betonen die Geschäftsführer. Noch gehe es nicht um eine Entscheidung, sondern um Transparenz und Verständnis.<h3> Entscheidung im April</h3>Der Zeitplan ist klar: Nach der Informationsphase sollen die Mitgliedsbauern Ende April abstimmen. Nur wenn beide Genossenschaften zustimmen, wird der Zusammenschluss Realität. „Die Chance liegt auf dem Tisch: Wir können gemeinsam die Zukunft unserer beiden Genossenschaften aktiv sichern, statt nur auf den Markt zu reagieren. Jetzt liegt es an unseren Mitgliedern, diesen Weg zu prüfen und darüber zu entscheiden“, lautet das gemeinsame Fazit der Geschäftsführer.<h3> Lokaler Milchriese</h3>Ein Blick auf die Zahlen verdeutlicht die Dimension des möglichen Zusammenschlusses: Mila vereint rund 2.100 Mitglieder und verarbeitet etwa die Hälfte der Südtiroler Milchmenge bei einem Umsatz von 308 Millionen Euro, Brimi zählt rund 1.000 Mitglieder und steht für weitere 25 Prozent mit 130,5 Millionen Euro Umsatz. Gemeinsam käme die neue Genossenschaft auf rund 3.100 Mitgliedsbauern, einen Marktanteil von 70 bis 75 Prozent, einen Gesamtumsatz von rund 438,5 Millionen Euro und eine verarbeitete Milchmenge von etwa 270 bis 280 Millionen Kilogramm pro Jahr.