Sonntag, 29. Mai 2016

Milchpreis – Bauern sollen weniger produzieren

Österreichs Landwirtschaftskammer-Präsident Hermann Schultes appelliert an die Milchbauern angesichts des dramatischen Preisverfalls weniger zu produzieren. „Es wird nur funktionieren, wenn wir weniger anbieten“, sagte Schultes am Sonntag in der „ORF“-Pressestunde. Vor allem produktionsstarke Länder wie Dänemark, Niederlande und Irland in Europa müssten deutlich weniger Milch produzieren.

Foto: © APA

Bauern, die nicht Bio- oder Heumilch produzieren, hätten in Österreich aktuell „sehr schlechte Preise“, so Schultes.

Wenn der Milchpreis für die Bauern um 1 Cent sinke, dann würden in der heimischen Landwirtschaft rund 30 Mio. Euro fehlen.

Der Preis für konventionelle Milch ist in den vergangenen eineinhalb Jahren um 15 Cent abgestürzt.

Die Milchpreise haben in den vergangenen Jahren eine Berg- und Talfahrt erlebt. Das aktuelle Tief rührt einerseits vom Überangebot an Milch im Gefolge der Liberalisierung des EU-Milchmarkts – im März 2015 wurden die Milchproduktionsquoten abgeschafft.

Andererseits machen den heimischen Molkereien das Russland-Embargo und der schwächelnde Absatz in China zu schaffen. Seit März bekommen die heimischen Milchbauern von den großen Molkereien nur mehr 27 bis 29 Cent für ein Kilo konventionelle Milch, für Biomilch rund 48 Cent. In einigen Ländern, etwa Deutschland und Spanien, liegt der Bauern-Milchpreis bereits teilweise unter 20 Cent.

„Österreich hat bei der Menge nicht gesündigt“

Schultes nahm die österreichischen Milchbauern in Schutz, dass sie viel zu viel Milch produzieren würden. „Österreich hat bei der Menge nicht gesündigt“, betonte der Landwirtschaftskammer-Präsident.

Die Bauern würden die Aufrufe der Molkerei-Genossenschaften verstehen, kein Kraftfutter zu verwenden und weniger Milch zu produzieren. Die EU-Kommission hat angesichts der Milchkrise erlaubt, dass Molkereien die Mengenproduktion miteinander koordinieren und senken.

An den Lebensmitteleinzelhandel appellierte Schultes mit der „Aktionitis“ und „Verramschung“ bei Milchprodukten aufzuhören. Molkereien und Händler müssten „miteinander vernünftig“ reden.

Im Hinblick auf die Russland-Sanktionen meinte Schultes, dass „irgendwann eine Phase der Beruhigung“ kommen müsse und beide Seiten wieder aufeinander zugehen müssten.

Zum geplanten Freihandelsabkommen zwischen der EU und USA wiederholte der Landwirtschaftskammer-Präsident die bekannten Standpunkte der Bauernvertreter.

Es dürfe durch das Abkommen nicht zu einer Lockerung der „hohen Standards“ in Europa kommen. Sollte das TTIP-Abkommen nicht im Interesse der österreichischen Landwirte sein, dann würden die bäuerlichen Abgeordneten im Parlament „sicher nicht zustimmen“. Als positiv bewertete Schultes die Agrar-Sonderregelungen im EU-Kanada-Freihandelsabkommen CETA.

„Bei CETA hat man verstanden, worauf es ankommt“.

apa

stol