Freitag, 18. Oktober 2019

Milchwirtschaft sieht Aufschwung bedroht

Seit der Milchpreiskrise 2015 und 2016 hat sich die wirtschaftliche Lage für die europäischen Milchbauern und Molkereien in den vergangen Jahren wieder verbessert. Unsicherheiten wie der USA/EU-Handelsstreit, der Brexit, und der noch fehlende mehrjährige EU-Finanzrahmen 2021-2027 machen der Branche nun Sorgen, hieß es am Freitag bei einer internationalen Milchwirtschaftstagung in Wien.

Die Milchwirtschaft steht vor großen Herausforderungen.
Die Milchwirtschaft steht vor großen Herausforderungen. - Foto: © dpa-tmn / Roland Weihrauch

Die Milchwirtschaft stehe vor großen Herausforderungen, sagte der Präsident des Europäischen Milchindustrieverbandes (EDA), Michel Nalet, in seiner Eröffnungsrede bei der Konferenz. Dazu würden vor allem die ökologische Transformation und CO2-Reduktion, die Weiterentwicklung des EU-Binnenmarktes, die internationalen Handelskonflikte und die Reform der Gemeinsamen EU-Agrarpolitik zählen, sagte der Branchenvertreter.

Die österreichische Landwirtschaftsministerin Maria Patek verwies auf die kleinstrukturierte Landwirtschaft in Österreich. Ein heimischer Milchbauer hat im Schnitt 20 Kühe. Zum Vergleich: Die Anzahl der Milchkühe je Betrieb in Deutschland lag zuletzt bei 67 Milchkühen. Patek sprach sich erneut gegen die von der EU-Kommission vorgeschlagenen Kürzungen bei den EU-Agrarförderungen aus. Die landwirtschaftliche Produktion in der EU müsse „nachhaltig im Sinne der ökologischen Marktwirtschaft“ sein.

Milchwirtschaft am Wendepunkt

Für den Präsidenten der Vereinigung Österreichischer Milchverarbeiter (VÖM) und Chef der Kärntnermilch, Helmut Petschar, steht die Milchwirtschaft „an einem Wendepunkt“. Die neue EU-Kommission und das neu gewählte EU-Parlament würden über die Gemeinsame EU-Agrarpolitik (GAP) nach 2020 entscheiden.

„Die künftige EU Agrar- und Milchpolitik muss für die österreichische Milchwirtschaft mit ihren strukturellen und naturbedingen Erschwernissen passende Rahmenbedingungen für eine weiterhin positive Entwicklung bieten“, forderte Petschar. Der Molkerei-Branchenvertreter kritisierte erneut die Marktmacht der Supermarktketten. Es gebe weiterhin „eine schiefe Ebene entlang der Wertschöpfungskette“. „Die Bemühungen der Politik haben leider bis dato nicht gefruchtet.“

Harte Verhandlungen erwartet

Der Vorsitzende des Ausschusses für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung im Europäischen Parlament, Norbert Lins, erwartet in den kommenden Monaten harte Verhandlungen rund um das mehrjährige EU-Budget und die EU-Agrarpolitik. Das Agrarbudget müsse auf dem derzeitigen Niveau bleiben. „Das wird eine Riesenaufgabe werden.“ Die Landwirtschaft müsse weitere umweltfreundliche Lösungen anbieten, um die Akzeptanz der Landwirtschaft in der Bevölkerung zu erhöhen, so der Politiker.

In Österreich haben viele Bauern mit der Milchproduktion in den vergangenen Jahren aufgehört. Die Anzahl der Milchbauern ist von rund 44.000 im Jahr 2008 um 40 Prozent auf 27.000 im Jahr 2018 gesunken. Der Erzeugermilchpreis hat sich nach der Liberalisierung des europäischen Milchmarktes – dem Ende der Milchproduktionsquoten – und der Milchpreiskrise 2015/16 wieder erholt.

Für Milch aller Qualitäten exklusive Umsatzsteuer erhielten die österreichischen Bauern im Jahresschnitt 2018 rund 37 Cent, 2016 waren es nur 31 Cent. Für Bio-Heumilch erhielten die Landwirte zuletzt einen Zuschlag von 15 Cent.

apa