Dienstag, 20. November 2018

Mitsubishi stellt Bündnis mit Renault infrage

Der japanische Autokonzern Mitsubishi hat das geplante Bündnis mit den Wettbewerbern Nissan und Renault infrage gestellt. Die Allianz werde ohne den derzeit inhaftierten Renault-Chef Carlos Ghosn schwer zu managen sein, sagte Mitsubishi-Chef Osamu Masuko am Dienstag. Der Verwaltungsrat werde sich wohl in der kommenden Woche mit der Angelegenheit befassen.

Carlos Ghosn wurde wegen Verstößen gegen Börseauflagen festgenommen. - Foto: APA (AFP)
Carlos Ghosn wurde wegen Verstößen gegen Börseauflagen festgenommen. - Foto: APA (AFP)

Ghosn droht wegen des Verdachts der Veruntreuung von Firmengeldern ein jähes Karriereaus: Der bisher hoch angesehene Manager und Architekt des französisch-japanischen Firmenbündnisses von Renault, Nissan und Mitsubishi wurde am Montag in Japan verhaftet.

Ghosn sei nicht in der Lage, das Unternehmen zu führen 

Unterdessen bestätigte eine Sprecherin des Unternehmens, dass der Verwaltungsrat von Renault am Dienstagabend zusammenkommen wird, um über das weitere Vorgehen zu beraten. Der französische Wirtschafts- und Finanzminister Bruno Le Maire hatte den Verwaltungsrat unmissverständlich aufgefordert, rasch zusammenzutreten und eine kommissarische Führung für Renault einzusetzen.

Ghosn sei derzeit nicht in der Lage, das Unternehmen zu führen. Der französische Staat hält 15 Prozent der Anteile bei Renault und ist damit ein zentraler Akteur in der Krise.

Die französische Regierung betreibe nicht die förmliche Ablösung des Topmanagers, sagte Le Maire. „Wir haben keine Beweise.” Der Renault-Verwaltungsrat sollte sich nach Auffassung Le Maires „in den kommenden Stunden” zusammenfinden, um eine kommissarische Führung für das Unternehmen zu bestimmen.

Ghosn gab 40 Millionen Euro an Einkommen zu wenig an 

Ghosn war am Montag wegen mutmaßlicher Verstöße gegen Börsenauflagen verhaftet worden. Internen Ermittlungen zufolge sollen Ghosn und ein weiterer Manager ihre Geldbezüge in offiziellen Berichten an die japanische Börse falsch dargestellt und in Ghosns Fall zu niedrig beziffert haben. Medien hatten berichtet, Ghosn habe seit 2011 über einen Zeitraum von 5 Jahren insgesamt 5 Milliarden Yen (rund 40 Millionen Euro) Einkommen zu wenig angegeben.

Der gebürtige Brasilianer Ghosn, der auch über die libanesische und französische Staatsbürgerschaft verfügt, ist bei Nissan derzeit Verwaltungsratschef und bei Renault in Frankreich Vorstandschef. Außerdem führt er die gemeinsame weitreichende Allianz der beiden Autobauer, die überkreuz aneinander beteiligt sind. Nissan zufolge soll Ghosn ferner Firmeneigentum privat genutzt haben. Zu viel Machtkonzentration habe zu dem Fehlverhalten beigetragen, sagte Vorstandschef Hiroto Saikawa am Montag auf einer Pressekonferenz in Tokio.

Mitsubishi verlor fast 7 Prozent

Der Nissan-Titel verlor an Japans Börse am Dienstag 5,45 Prozent und lag zum Börsenschluss in Tokio bei 950,7 Yen (7,39 Euro), nachdem er am Morgen zeitweise um 6 Prozent gefallen war. Der Autobauer Mitsubishi Motors, dessen Präsident Ghosn ist, verlor 6,85 Prozent und fiel auf 680 Yen.

Die Renault-Aktie war wegen der Zeitdifferenz bereits am Montag nach Bekanntwerden von Ghosns Festnahme an der Pariser Börse zeitweise um 15 Prozent und damit auf den tiefsten Stand seit mehr als 4 Jahren abgestürzt. Am Dienstag gab sie bis zum Mittag 2,5 Prozent nach.

apa/dpa/ag.

stol