Donnerstag, 28. März 2019

Morandini: „Von Gleichstellung noch weit entfernt“

Am Donnerstag wurde der Bericht zur Situation von Frauen in Südtiroler Mittel- und Großbetrieben im Zeitraum der Jahre 2016 und 2017 vorgestellt. Das Fazit von Gleichstellungsrätin Michela Morandini: „In 10 Jahren gab es keine wesentlichen Schritte hin zur Gleichstellung.“

Von einer Gleichstellung im Beruf sind Südtirols Männer und Frauen noch weit entfernt.
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Von einer Gleichstellung im Beruf sind Südtirols Männer und Frauen noch weit entfernt. - Foto: © shutterstock

Alle 2 Jahre veröffentlicht die Gleichstellungsrätin Daten zur Beschäftigungssituation von Frauen und Männern in Südtiroler Unternehmen mit mehr als 100 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen.

Insgesamt haben 136 Südtiroler Unternehmen teilgenommen und ihre Daten für die Jahre 2016 und 2017 abgegeben. Gemeinsam mit dem Arbeitsförderungsinstitut AFI wurde so bereits zum 5. Mal der Stand der weiblichen Beschäftigung in den großen privaten Südtiroler Unternehmen untersucht.

Hauptthemen waren dabei die Zusammensetzung der Belegschaft, Zu- und Abgänge, Berufsbilder, Vertragsformen, Entlohnung und Ausbildung.

„Südtirol Heute“ hat ebenfalls davon berichtet.

„Geschlechterrollen wirken sich noch immer negativ auf Berufsbiografien von Frauen aus“

„Gleiche Chancen und gleiche Rechte – ein primäres Ziel der Politik in einer demokratischen Gesellschaft“, eröffnete Präsidialsekretärin Maria Elisabeth Rieder die Pressekonferenz am Donnerstag.

„Seit nunmehr 10 Jahren wird die Situation von Frauen in Südtirols Großbetrieben erhoben. Fakt ist, dass, trotz zahlreicher Interventionen, keine wesentlichen Schritte in Richtung Gleichstellung am Arbeitsplatz gemacht wurden“, fasste Gleichstellungsrätin Morandini das Ergebnis des Berichts zusammen. „Auch aus dieser Untersuchung wird ersichtlich, dass sich die vorherrschenden gesellschaftlichen Geschlechterrollen vorwiegend negativ auf Berufsbiografien von Frauen auswirken.“

„Bei einem Vergleich nach Arbeitsbedingungen und Vertragstypen ergibt sich ein Bild, das sich nicht wesentlich von denen der vorherigen Biennien unterscheidet“, urteilte auch AFI-Präsidentin Christine Pichler.

Frauen stoßen weiterhin auf „gläserne Decke“ - Beförderungen vorwiegend an Männer

Es bestehe weiterhin eine starke horizontale Segregation, denn in vielen Branchen, vor allem in „typisch männlichen“, sei die Frauenquote weiterhin niedrig. Auf dem Weg zur Führungsverantwortung stoßen Frauen nach wie vor an eine „gläserne Decke“, denn die Vereinbarkeit von Familie und Beruf Frauen lastet weiterhin und fast ausschließlich auf den Frauen und bremst deren Beförderung – nur 7,9 Prozent der Führungskräfte sind Frauen.

„Beförderungen gehen überwiegend an Männer und nur zu 32 Prozent an Frauen, während befristete Arbeit vor allem weiblich ist: 26,8 Prozent der Frauen haben eine befristete Anstellung, aber nur 13,9 Prozent der Männer“, bestätigte auch AFI-Vizedirektorin Silvia Vogliotti.

Die Stabilisierung des Arbeitsverhältnisses betreffe ebenfalls mehr Männer (53,4 Prozent) als Frauen (46,6 Prozent), während letztere den Großteil der Teilzeitstellen innehaben (83,2 Prozent).

„Wenig geändert hat sich auch beim fakultativen Wartestand, der zu 80,3 Prozent von Frauen und zu 19,7 Prozent von Männern beansprucht wird“, berichtete AFI-Forscherin Elisa Ganzer. „Elternurlaub wird sogar zu 92,7 Prozent von Frauen in Anspruch genommen.“

Männer verdienen noch immer mehr - in allen Karrierestufen

Der Bericht zeigt auch auf, dass Ausbildungskurse zu 71,6 Prozent von Männern besucht werden.

Schließlich zeigt sich auch der Gender Pay Gap wieder zu Ungunsten der Frauen, deren durchschnittliches Jahreseinkommen bei 20.888 Euro liegt, während die Männer im Schnitt 38.125 Euro verdienen. Auf allen Karrierestufen ist die Entlohnung von Frauen erheblich geringer als die von männlichen Beschäftigten, so die Experten.

„Wir werden diese Daten nutzen, um von der Politik und bei allen zuständigen Stellen geeignete Maßnahmen einzufordern“, kündigte Michela Morandini an und zeigte sich gleichzeitig auch optimistisch: „Ich glaube, dass es durch ein Beharren auf diese Ziele möglich sein wird, neue Arbeitsmodelle zu entwickeln. Wir werden immer wieder lästig sein.“

stol

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