<b>Wirtschaftsverbände und auch der Landeshauptmann laufen gegen die angekündigte Blockade Sturm. Verstehen Sie den Unmut?</b><BR />Karl Mühlsteiger: Zum Teil. Dass die Wirtschaft jetzt mit den paar Stunden, in denen wir die Autobahn blockieren, keine Freude hat, ist mir bewusst. Aber bitte auch unsere Seite verstehen: Wir sind täglich dem massiven Transit mit Lärm und Abgasen ausgesetzt und jetzt zusätzlich noch Megabaustellen (Anm. d. Redaktion: Baustelle Luegbrücke) mit Lärm und Staub. Bei uns ist das Limit schon weit überschritten. Das kann so einfach nicht mehr weitergehen.<BR /><BR /><b>Der Unmut über die Verkehrsbelastung ist ja nicht neu. Warum hat man sich jetzt genau für diese Aktion entschieden?</b><BR />Mühlsteiger: Wir wollen ein deutliches Zeichen auf Bundes- und Brüsseler Ebene setzen. Wir hatten leider in der Vergangenheit schon zweimal so eine Kundgebung geplant, die uns untersagt wurde. Schließlich haben wir das über den Gerichtsweg durchjudiziert und nun in der ersten Instanz beim Landesverwaltungsgericht Recht bekommen. In der Planung haben wir uns auch sehr zurückgehalten.<BR /><BR /><b>In welcher Weise?</b><BR />Mühlsteiger: Zum Beispiel beim Zeitpunkt. Wir haben bewusst den Mai genommen, sodass wir nicht in die Osterferien oder in den Juni fallen, weil das laut ASFINAG der verkehrsreichste Monat ist. Früher geht es wiederum aus witterungstechnischer Sicht nicht. Wir halten uns auch bei der Dauer zurück. Denn eigentlich gäbe es keine Zeitdauer, wie lange man eine Blockade machen darf. Bei der letzten Blockade in den 1990er-Jahren beim Transitforum hat man eine 72-Stunden-Dauersperre gemacht. Unsere dauert ein paar Stunden am Nachmittag, sodass am Vormittag noch alles ganz normal durchreisen kann.<BR /><BR /><b> Was genau ist am 30. Mai geplant?</b><BR />Mühlsteiger: Wir starten um 12 Uhr bei der Autobahneinfahrt Matrei am Brenner die Versammlung. Dort werden wir Informationen teilen, den Teilnehmern Rede und Antwort stehen und ein Forderungspapier überreichen.<BR /><BR /><b>Was sind denn die konkreten Forderungen? Immerhin ist das Transitproblem ein strukturelles Problem. Den Verkehr kann man nicht einfach wegzaubern.</b><BR />Mühlsteiger: Das kann man sicher nicht. Der Warentransport ist wichtig. Aber man hätte die Möglichkeit, zumindest den Schwerverkehr zu halbieren, wenn man endlich die Mauttarife an das Schweizer Niveau angepasst hätte. So fahren viele Lkw extra Umwege, weil die Brennerroute im Vergleich zu billig ist. Wir fordern, den sinnlosen Ausbau der Brennerautobahn auf der Nordtiroler Seite zu beenden. Die neue Lueg-Brücke wird elf Meter breiter, das hätte es nicht gebraucht. Wir können nicht noch mehr Verkehr durch das Wipptal schleusen, weil wir an der Brennergrenze den nächsten Flaschenhals haben. Außerdem fordern wir einen zeitgemäßen Lärmschutz aufgrund von Einhausungen und Lärmschutzwänden der neuesten Technik, so wie es die Gemeinde Zederhaus in Salzburg hat.<BR /><BR /><b> Haben Sie Lärmschutzwände in der Vergangenheit angefordert?</b><BR />Mühlsteiger: Das haben wir bei vielen persönlichen Gesprächen mit der ASFINAG betont. Das hat sie aber leider niemals interessiert. Im Gegenteil, es sind immer Aussagen gekommen, dass es zu teuer oder nicht möglich sei. Uns wurde gesagt: Wenn wir einen Lärmschutz haben wollen, sollen wir ihn selbst zahlen. Absurd.<BR /><BR /><b> Was sagen Ihre Wipptaler Kollegen?</b><BR />Mühlsteiger: Die sind ja mit dabei. Wir haben seit Wochen Arbeitsgruppen eingerichtet, damit wir die Vorbereitungen treffen können.<BR /><BR /><b>Und gibt es auch Reaktionen von Südtiroler Kollegen?</b><BR />Mühlsteiger: Wir haben sehr viel Kontakt in Südtirol, auch mit unseren Bürgermeisterkollegen. Die verstehen auch unsere Haltung und unser Vorgehen. Die sind teils noch extremer vom Verkehr betroffen.