Das Unternehmen will 555 Millionen Aktien zu einem Ausgabepreis von 135 Dollar verkaufen und damit rund 75 Milliarden Dollar einnehmen. Die angepeilte Bewertung liegt bei rund 1,75 Billionen Dollar (1,52 Billionen Euro). Damit wäre SpaceX auf einen Schlag eines der wertvollsten Unternehmen der Welt – und der Börsengang der größte der Geschichte. Der bisherige Spitzenreiter Saudi Aramco sammelte 2019 rund 29 Milliarden Dollar ein. Und noch ein Vergleich: Die angepeilte SpaceX-Bewertung von rund 1,52 Billionen Euro entspricht etwa zwei Dritteln der italienischen Jahreswirtschaftsleistung – und mehr als dem 50-Fachen des Südtiroler BIP.<BR /><BR /><embed id="dtext86-75123557_quote" /><BR /><BR />Armin Weissenegger, Leiter des Bereichs Finanzen & Treasury bei der Südtiroler Sparkasse, erwartet jedenfalls großes Interesse. „SpaceX wird den Reigen der Mega-Börsengänge in diesem Jahr anführen“, sagt er. Weitere mögliche Aspiranten sind die KI-Schwergewichte Anthropic und OpenAI. Die Fantasie komme bei SpaceX aber nicht nur aus dem Bereich Künstliche Intelligenz, sondern auch aus dem Raketengeschäft und der Satellitenkommunikation. „Alles große Themen an der Börse.“ Auf Privatanleger dürfte die Aktie sehr anziehend wirken, glaubt Weissenegger. „Viele möchten bei dieser Story mit dabei sein.“<BR /><BR />Die Nachfrage dürfte aber nicht nur von Kleinanlegern kommen. Auch große institutionelle Investoren werden sich den Börsengang genau ansehen: Fonds, Vermögensverwalter und andere professionelle Anleger. Dazu kommt ein möglicher technischer Effekt nach dem Börsenstart. Sollte SpaceX rasch in große Indizes wie den Nasdaq 100 oder globale MSCI-Indizes aufgenommen werden, müssten passive Fonds und ETFs die Aktie kaufen. „Wer den Index abbildet, kommt daran dann nicht vorbei“, erklärt Weissenegger.<BR /><BR />Damit könnten drei Nachfragequellen zusammenkommen: die Begeisterung vieler Privatanleger, das Interesse professioneller Investoren und mögliche Käufe passiver Indexfonds. Das wäre ordentlich Rückenwind.<h3> Ist die Bewertung fair?</h3>Es beantwortet aber noch nicht die wichtigste Frage: Ist die Aktie zu diesem Preis auch attraktiv? Laut den vorliegenden Zahlen erzielte das Unternehmen 2025 einen Umsatz von 18,67 Milliarden Dollar, schrieb aber zugleich einen Verlust von 4,94 Milliarden Dollar. Bei einer Bewertung von 1,75 Billionen Dollar entspräche das fast dem 94-Fachen des Jahresumsatzes. „Das ist selbst für ein stark wachsendes Technologieunternehmen sehr hoch.“<BR /><BR />Weissenegger nennt SpaceX deshalb „in jedem Fall eine spekulative Wette“. Das Unternehmen habe enorme Zukunftschancen, erwirtschafte derzeit aber keine Gewinne. Zudem stelle sich die Frage, wie stark eine Aktie kurz- bis mittelfristig noch steigen könne, wenn sie bereits mit einer derart hohen Marktkapitalisierung startet. Langfristig könne das freilich niemand seriös vorhersagen.<BR /><BR /><embed id="dtext86-75123641_quote" /><BR /><BR />Auch der gebürtige Meraner Christoph Kaserer, Professor für Finanzmanagement und Kapitalmärkte an der Technischen Universität München, rät zur Nüchternheit. Grundsätzlich sei es „keine gute Idee, IPO-Aktien an den ersten Tagen nach Börsenstart zu kaufen“. „Viele Studien zeigten, dass Anleger mit einer solchen Strategie im Schnitt Geld verlieren, weil sie häufiger über- als unterbewertete Aktien erwischen.“<BR /><BR />Anders sei die Lage, wenn Anleger tatsächlich zum Ausgabepreis einsteigen können. Bei vielen Börsengängen liegt dieser unter dem ersten Börsenkurs – das sogenannte Underpricing. „Wer Aktien zum Ausgabepreis erhält, hat statistisch oft einen Vorteil“, betont Kaserer. Genau hier liegt bei SpaceX der Haken: Die Zuteilung dürfte trotz eines ungewöhnlich großen Anteils für Privatanleger begrenzt bleiben. Reuters zufolge ist die Emission zwei- bis dreimal überzeichnet. Wer keine oder nur eine kleine Zuteilung erhält und erst nach dem Börsenstart kauft, zahlt den Marktpreis – und hat den möglichen Zeichnungsvorteil verpasst.<h3> „Technologische Veränderungen werden oft überschätzt“</h3>Selbst wenn Zeichnen laut Kaserer statistisch oft besser ist als Hinterherkaufen, bleibt nach seiner Ansicht bei Technologie-Börsengängen aber die Bewertungsfrage offen. Der Ökonom verweist hier auf eine Lehre aus der Dotcom-Blase zu Beginn der 2000er-Jahre: Märkte neigen dazu, technologische Veränderungen zu überschätzen – vor allem die Geschwindigkeit, mit der sie umgesetzt werden. „Die Technologie kann also real und bedeutend sein, während die Aktie trotzdem zu teuer ist.“<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1322277_image" /></div> <BR />Für Anleger heißt das: Wer abwartet, verpasst vielleicht den ersten Kurssprung – reduziert aber auch das Risiko, in einen überhitzten Start hineinzukaufen. Wer gar nicht investiert, schläft dafür ruhiger.<BR /><BR />Sicher ist nur: Der Börsengang wird ein Ereignis – nicht nur für die Märkte, sondern auch für Elon Musk selbst. Der SpaceX-Chef hält laut den vorliegenden Angaben rund 42 Prozent am Unternehmen. Sollte die Aktie nach dem Börsenstart deutlich zulegen, könnte Musk als erster Mensch überhaupt die Marke von einer Billion Dollar Vermögen erreichen. In Euro wären das rund 860 Milliarden.