Mittwoch, 16. Januar 2019

Nach Hochwasser: Fische sind widerstandsfähig

Wie haben sich die Hochwasserereignisse vom 29. und 30. Oktober mit enormen Mengen an Wasser und Geschiebe auf die Fischbestände ausgewirkt? Die Mitarbeiter im Landesamt für Jagd und Fischerei in der Abteilung Forstwirtschaft haben dazu im vergangenen Monat 18 Probestrecken in 8 Fließgewässern des östlichen Pustertales befischt: in Rienz und Gader, im Gsieser Bach, Pragser Bach und Sextner Bach, in der Drau, im Silvesterbach und im Antholzer Bach.

Den Fischen geht es gut: Auch juvenile bis adulte Bachforellen (im Bild) wurden im Rahmen der Befischungen in den Bächen des oberen Pustertales im Dezember eingefangen, klassifiziert und freigelassen. - Foto: Amt für Jagd und Fischerei
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Den Fischen geht es gut: Auch juvenile bis adulte Bachforellen (im Bild) wurden im Rahmen der Befischungen in den Bächen des oberen Pustertales im Dezember eingefangen, klassifiziert und freigelassen. - Foto: Amt für Jagd und Fischerei

Ziel war nicht die Erhebung der gesamten Fischmenge bestimmter Gewässerflächen, sondern ein allgemeiner Überblick über den Zustand der Bestände in den vom Unwetter besonders betroffenen Gewässern.

Widerstandsfähigkeit der Wildfische

Das Gesamtergebnis ist positiv, zeigt es doch - bei einigen lokalen Unterschieden - das Fortbestehen von Fischvorkommen in allen untersuchten Gewässern des östlichen Pustertales.

Die überwiegende Mehrheit der nachgewiesenen Fische sind als Wildfische zu klassifizieren, offensichtliche Besatzindividuen wurden nur in einer der 18 Probestrecken erhoben. Insgesamt belegen die aktuellen Ergebnisse die erstaunliche Widerstandsfähigkeit der Wildfischbestände.

„Der eingeschlagene Weg der naturnahen Fischereibewirtschaftung ist demnach auch hinsichtlich zunehmender Extremereignisse als zukunftsweisende Strategie einzustufen", unterstreicht Amtsdirektor Spagnolli. Die Widerstandsfähigkeit der Fischbestände im Falle von Hochwasser ist vom Strukturangebot der Gewässer abhängig.

Erhebungen mit Elektrofischfanggeräten

Die Erhebungen erfolgten mittels tragbarem Elektrofischfanggerät an ausgewählten strukturreichen Abschnitten auf einer Länge zwischen 20 und 80 Metern. „Bei kleineren Gewässern wurde versucht, die gesamte Gewässerfläche zu befischen, in größeren Gewässern haben wir uns speziell auf die strukturreichen Uferbereiche konzentriert", erklären die Mitarbeiter Hannes Grund und Andreas Meraner.

Elektrofischen ermöglicht es, Fischbestände schnell und schonend zu erfassen. Dabei wird mit Hilfe eines Elektrofanggerätes Gleichstrom oder Impulsstrom durch das Wasser geleitet, die im Stromkreis befindlichen Fische schwimmen zur Anode, wo sie mit Keschern aufgefangen, gezählt und klassifiziert werden können.

Ergebnisse im  Einzelnen

In allen untersuchten Gewässern und an allen Probestandorten haben die Mitarbeiter im Amt für Fischerei Vorkommen von Fischen einer Art oder mehrerer Arten festgestellt, von Marmorierten Forellen oder Hybriden, Bachforellen, Regenbogenforellen, Bachsaiblingen, Äschen und Mühlkoppen.

Dies gilt auch für die besonders von der Hochwasserflut betroffene Gader, den Sextnerbach und die Drau: In den meisten Fällen wurden hier mehrere Altersklassen nachgewiesen, zumeist auch Jungfische.

Bestandseinbußen besonders in der Gader, im Sextnerbach und in der Drau

Während in der Rienz, im Antholzerbach, Gsieserbach und Silvesterbach von nur geringen Ausfällen am Fischbestand ausgegangen werden kann, deuten die vorliegenden Ergebnisse auf gewisse Bestandseinbußen in der Gader, im Sextnerbach und in der Drau hin, fassen die Mitarbeiter des Amtes für Jagd und Fischerei ihre Erhebungen zusammen.

Als besonders gering wird der Fischbestand am untersuchten Abschnitt des Pragserbaches eingestuft: Dort war bereits im August 2017 Hochwasser eingetreten, sodass die derzeit sehr schwache Bestandssituation nicht primär auf die Ereignisse des vergangenen Herbstes zurückzuführen ist.

stol/lpa

stol