Freitag, 03. Februar 2017

Nach Kritik am BBT: „Zahlen kann man so nicht vergleichen“

Nachdem der österreichische Rechnungshof dem Brennerbasistunnel-Projekt vorgeworfen hatte, rund 10 Jahre später doppelt so viel zu kosten als zu Beginn veranschlagt, meldet sich nun Martin Ausserdorfer von der BBT-Beobachtungsstelle zu Wort.

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Wie berichtet, hatte der Rechnungshof in einem 140-seitigen Bericht erklärt, die Gesamtkosten des BBT-Projektes seien von den anfänglichen 4,5 Milliarden Euro im Jahr 2002 auf 8,66 Milliarden Euro im Jahr 2013 angestiegen.

Martin Ausserdorfer, Direktor der BBT-Beobachtungsstelle, betonte nun in einer Stellungnahme, dass man diese beiden Zahlen so nicht miteinander vergleichen könne.

Bereits 2006 wusste man, dass er mehr kosten würde

„Die geschätzten Kosten im Jahre 2002 wurden auf der Grundlage eines Vorprojektes  - ohne vorherige Baugrunderkundung und ohne Berücksichtigung der Kosten für die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP)-Vorschriften sowie einer adäquaten Risikovorsorge, ohne Kosten der Inbetriebnahme und den Probebetrieb sowie ohne Vorausvalorisierung - mit 4,5 Milliarden Euro angegeben. Damals wurde auch einem geplanten Bauende im Jahre 2015 ausgegangen.“

Das Einreichprojekt inklusive Umweltverträglichkeitsprüfung sei anschließend zwischen 2005 und 2008 erarbeitet worden. Dieses Projekt sei sowohl in der Trassenführung als auch im Ausbau in Bezug auf das Vorprojekt geändert wurde. Im Zuge dessen habe man bereits im November 2006 die Gesamtkosten auf etwa 6-7 Milliarden Euro erhöht, so Ausserdorfer.

„Für die Bewertung der Kostenentwicklung kann daher die Stufe eines Vorprojektes aus dem Jahre 2002 niemals mit einem ausgearbeiteten Projekt aus dem Jahre 2013 verglichen werden.“

Der vom Rechnungshof angestellte Vergleich der Kostenentwicklung des Brenner Basistunnels zwischen den ersten öffentlichen Prognosewerten auf der Stufe des Vorprojektes im Jahre 2002 mit 4,5 Milliarden Euro und den derzeit mit rund 8,66 Milliarden Euro kalkulierten Projektkosten sei daher nicht sachlich.

Kosten bis 2014 jährlich aktualisiert

In  Bezug auf die europäische Finanzierung seien dem BBT für den Zeitraum 2016-2019 von allen eingereichten Projekten die höchste Finanzierung in Europa zugesprochen worden, so Ausserdorfer weiter. Auch seien die Kosten und Bauprogramme bis 2014 jährlich aktualisiert worden.

„Es gab in den vergangenen 2 Jahren Verzögerungen in der jährlichen Aktualisierung der Bauprogramme und der Kosten aufgrund der Ausschreibung der großen Baulose, da man die angebotenen Bauzeiten berücksichtigen wollte. Die Aktualisierung erfolgt nun im Jahre 2017, nachdem auch in Österreich das größte Baulos Pfons –Brenner Ende 2016 ausgeschrieben wurde.“

Zulaufstrecken sollen zeitgerecht fertiggestellt werden

In seinem 140-seitigen Bericht habe der Rechnungshof außerdem empfohlen, die Zulaufstrecken zeitgerecht fertigzustellen, um etwa Qualitätseinbußen oder Kapazitätsengpässe zu verhindern.

„Hier gibt es im Bereich München – Verona eine unterschiedliche Geschwindigkeit in der Planungs – und Realisierungsphase. Der gesamte Korridor wird laufend weiterentwickelt. Die Empfehlung des Rechnungshofs die Zulaufstrecken entsprechend voranzutreiben, kann nur geteilt werden. Ebenso die Hinweise zu Verkehrsverlagerungsmaßnahmen“, schließt Ausserdorfer.

stol

stol