Samstag, 02. Mai 2020

Nach Shutdown alle Geschäfte in Österreich wieder offen

Lange Schlangen bei Elektronikketten, Möbelhäusern und Frisiersalons und teilweise wenig Andrang bei Modehändlern: Nach fast 7 Wochen Corona-Shutdown haben am Samstag auch Einkaufszentren, Friseure sowie alle Geschäfte mit über 400 Quadratmetern Verkaufsfläche in Österreich wieder aufgemacht. Für manche Händler und Geschäfte lief der erste Tag umsatzmäßig gut, für einige eher verhalten.

Teilweise herrschte großer Andrang an Österreichs Einkaufszentren.
Teilweise herrschte großer Andrang an Österreichs Einkaufszentren. - Foto: © ROBERT JAEGER
Der Wiener Wirtschaftskammer-Handelsobmann Rainer Trefelik bestätigte diesen Eindruck. „Bei der Elektronik und bei Ikea hatten wir in Wien heute das Baumarktphänomen“, spielte er auf lange Warteschlangen an, die sich vor 2 Wochen am ersten Öffnungstag von den Heimwerker-Stores gebildet hatten.

„Aber ansonsten ist das Sackerlaufkommen noch sehr ausbaufähig“, beschrieb Trefelik die generell noch gebremste Kauflaune der Hauptstädter.

Der Elektrohändler Mediamarkt/Saturn hatte für den ersten Tag mit eher wenigen Kunden gerechnet. „Doch unsere Vermutungen haben sich nicht bestätigt - wir konnten in all unseren Märkten quer durch Österreich einen sehr starken Kundenandrang registrieren“, sagte eine Sprecherin.

Auf Wiens längster Einkaufsmeile, der Mariahilfer Straße, herrschte am Samstag um die Mittagszeit bereits ordentlich Trubel. Hier liegen viele Geschäfte internationaler Labels, die größer als 400 Quadratmeter sind und deshalb beim ersten Öffnungsschritt des Handels vor zwei Wochen noch geschlossen bleiben mussten. Den großen Ansturm dürften H&M, Peek & Cloppenburg und Co. nach eineinhalb Monaten Schließzeit aber trotzdem noch nicht gehabt haben. In den Filialen war recht viel Platz, Warteschlangen gab es dort nicht.

Umsatzverluste meist uneinholbar

Von großer Kauflust und riesigem Kundenandrang war in der Salzburger Altstadt am Samstag trotz der Wiedereröffnung auch der größeren Geschäfte wenig zu spüren gewesen.

Die Stadt war belebt, die Menschen gingen wieder einkaufen. Von der früheren Dichte an Einheimischen und Touristen war die Altstadt aber weit entfernt. Mit Mund-Nasen-Schutz-Maske fehlt ein bisschen die Leichtigkeit des Flanierens.

Während es einen großen Andrang in der Klagenfurter Innenstadt und reges Treiben in Eisenstadt gab, zeigte sich ein eher durchwachsenes Bild für die Händler in Vorarlberg.

Die Umsatzverluste durch die Corona-bedingte Zwangspause sind für die meisten Händler und Geschäfte in Österreich uneinholbar.

Außerdem fehlen weiterhin die ausländischen Touristen als Umsatzbringer. Mitte April durften bereits kleinere Geschäft mit einer Verkaufsfläche von unter 400 Quadratmetern wieder öffnen. „Man wird dort und da noch Umsatz reinholen“, erwartet WKÖ-Handelsobmann Peter Buchmüller.

„Am Jahresende wird ein Umsatzminus übrig bleiben.“ Finanziell werde es für zahlreiche Handelsbetriebe „sehr knapp“. Bei den Überbrückungskrediten mahnt Buchmüller zu mehr Schnelligkeit bei der Abwicklung. Wenn es mehr Liquidität für die Unternehmen erst in ein paar Monaten gebe, dann sei es vielleicht schon zu spät. „Es wird Händler geben, die es nicht überstehen“, so der WKÖ-Handelsobmann.

Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will ortet einen Umsatz-„Einmaleffekt“ am ersten Tag der kompletten Geschäftsöffnung. „Insgesamt ist die Bilanz aber vorsichtig positiv“, sagte er. Erst mit der Wiedereröffnung der Gastronomie am 15. Mai und einer damit verbundenen Frequenzsteigerung in Innenstädten, Einkaufsstraßen und Shoppingcentern werde es eine Umsatzstabilisierung geben, aber auf niedrigerem Niveau als vor der Krise. Weiterhin fordert der Handelsverband eine vorgezogene Steuerreform, um die Konjunktur und die Konsumausgaben anzukurbeln.

FPÖ-Chef gegen generelle Sonntagsöffnung

Der Kärntner FPÖ-Chef Gernot Darmann forderte am Samstag „faire Löhne“ für Handelsangestellte. Er sprach sich auch gegen eine generelle Sonntagsöffnung aus. Weiterhin will die FPÖ einen 1000-Euro-„Österreich-Gutschein“ einführen, um die Wirtschaft und den Einzelhandel anzukurbeln. Die NEOS übten Kritik an der Gewerkschaftsforderung nach eingeschränkten Öffnungszeiten im Handel bis Mitte Mai. Man dürfe nicht „dahinsiechenden Unternehmen jetzt, da sie endlich etwas Licht am Ende des Tunnels sehen, schon wieder Prügel vor die Füße werfen“, warnte NEOS-Wirtschaftssprecher Sepp Schellhorn.

Die Gewerkschaft will unterdessen, dass die Öffnungszeiten der Geschäfte vorerst noch eingeschränkt bleiben. Zumindest so lange, bis die Gastronomie Mitte Mai wieder aufmacht.

„Gerade bei Handelsangestellten in Einkaufszentren stellt sich die Frage, ob es wirklich notwendig ist, dass sie bis 21 Uhr arbeiten müssen“, sagte die KV-Verhandlerin der GPA-djp, Anita Palkovich, am Samstag zur APA. 19 Uhr hielte Palkovich für ausreichend. In Einkaufszentren würden die Betreiber die Öffnungszeiten vorschreiben.

Mit der Verordnung von Donnerstag sind wieder die ursprünglichen Öffnungszeiten in Kraft. „Es gelten mit 1. Mai wieder die Zeiten von vorher. Die Beschränkungen sind aufgehoben“, bestätigte eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums auf APA-Anfrage.

Zahlreiche Supermarktketten - von Rewe über Spar bis Hofer - haben bereits angekündigt, zu ihren ursprünglichen Öffnungszeiten zurückzukehren. Laut Öffnungszeitengesetz dürfen Geschäfte unter der Woche von 6 bis 21 Uhr und an Samstagen von 6 Uhr bis 18 Uhr offen halten, insgesamt also bis zu 72 Stunden pro Woche.

Per 23. März wurden die Geschäftszeiten in Supermärkten, Drogeriegeschäften, aber auch im Großhandel Coronavirus bedingt eingeschränkt. Ladenschluss war um 19 Uhr. Die verkürzten Zeiten waren Teil eines Pakets zum Schutz der Handelsbeschäftigen, aber auch eine Folge der drastischen Frequenzeinbußen.

apa

Schlagwörter: