Es ist bereits die zweite Zinserhöhung in diesem Jahr. Erst im Juni hatte die Notenbank den Satz von 2 auf 2,25 Prozent erhöht. Was das für Sparer und Kreditnehmer bedeutet.<BR /><BR />Auslöser für die neuerliche Straffung ist vor allem der gestiegene Inflationsdruck. Im August lag die Teuerungsrate im Euroraum laut einer ersten Schätzung bei 3,3 Prozent und damit deutlich über dem Zwei-Prozent-Ziel der EZB. Haupttreiber sind die Energiepreise: Sie lagen um 14,3 Prozent über dem Vorjahresniveau. Die Zinserhöhung war deshalb weitgehend erwartet worden. Spannender ist die Frage, wie es weitergeht: Viele Ökonomen rechnen nach dem September-Schritt vorerst mit einer Pause, weitere Erhöhungen werden aber nicht ausgeschlossen.<h3> Der Euribor ist längst gestiegen</h3>Am Geldmarkt ist die Zinswende längst angekommen. Das zeigt ein Blick auf den Euribor. Der Referenzzinssatz, an den unter anderem viele variabel verzinste Wohnbaukredite gekoppelt sind, ist seit Jahresbeginn deutlich gestiegen. In Südtirol ist das besonders relevant: Laut Banca d’Italia entschieden sich 2025 knapp 60 Prozent der Haushalte bei neu abgeschlossenen Wohnbaukrediten für eine variable Verzinsung.<BR /><BR />Der Drei-Monats-Euribor lag Anfang Jänner noch bei 2,029 Prozent. Zuletzt waren es 2,626 Prozent. Das entspricht einem Anstieg um rund 0,6 Prozentpunkte. Der Sechs-Monats-Euribor stieg von 2,105 auf 2,800 Prozent und damit um knapp 0,7 Prozentpunkte. Noch stärker fiel die Bewegung beim Zwölf-Monats-Euribor aus: Er kletterte seit Jahresbeginn von 2,245 auf 3,138 Prozent – ein Plus von fast 0,9 Prozentpunkten.<BR /><BR />Dass vor allem der Zwölf-Monats-Euribor stärker gestiegen ist, kommt nicht von ungefähr. In den längeren Laufzeiten spiegeln sich auch die Erwartungen über die künftige Entwicklung der Geldmarktzinsen wider. Die erwartete Zinserhöhung der EZB war deshalb bereits vor der Entscheidung zu einem guten Teil eingepreist. Der deutliche Abstand zwischen Drei- und Zwölf-Monats-Euribor spricht zugleich dafür, dass der Markt vorerst mit einem höheren Zinsniveau rechnet.<BR /><BR />Für Kreditnehmer mit variabler Verzinsung ist diese Entwicklung unmittelbar relevant. Bei laufenden Darlehen macht sich der höhere Euribor nach und nach bemerkbar. Wann und wie stark sich die Rate verändert, hängt vom jeweiligen Referenzwert und vom vertraglich vorgesehenen Anpassungstermin ab.<h3> Keine Extremwerte</h3>Historisch betrachtet ist das aktuelle Niveau allerdings noch weit von Extremwerten entfernt. Vor der Finanzkrise 2008 lagen Euribor-Sätze zeitweise über fünf Prozent. Es folgte die jahrelange Null- und Negativzinsphase; noch 2021 notierten die wichtigsten Laufzeiten unter null. Mit der Zinswende ab 2022 änderte sich das Bild schlagartig. 2023 erreichte der Sechs-Monats-Euribor in der Spitze gut 4,1 Prozent, der Zwölf-Monats-Euribor gut 4,2 Prozent. Die heutigen Werte von rund 2,6 bis 3,1 Prozent liegen damit deutlich über der Niedrigzinsphase, aber noch unter den Spitzen der jüngsten Hochzinsphase.<h3> Auf dem Konto: 0,19 Prozent</h3>Und die Sparer? Bei ihnen kommt vom höheren Zinsniveau bislang nur wenig an. Nach den jüngsten Daten der Banca d’Italia erhielten private Haushalte im Juli auf ihren Guthaben auf dem Konto im Schnitt gerade einmal 0,19 Prozent Zinsen. Im Jänner waren es 0,17 Prozent. Auch die Zinserhöhung vom Donnerstag dürfte an diesem Bild wenig ändern: Banken geben höhere Leitzinsen bei täglich verfügbaren Guthaben meist nur verzögert und nicht vollständig an ihre Kunden weiter.<BR /><BR />Deutlich mehr gibt es, wenn das Geld gebunden wird. Für neu vereinbarte Termineinlagen erhielten private Haushalte schon im Juli durschnittlich 2,47 Prozent.