Mittwoch, 24. Februar 2021

Nachhaltigkeit bestimmt die Themen beim Südtiroler Beratungsring

Nachhaltiger „landwirtschaften“: Dabei unterstützt der Südtiroler Beratungsring für Obst- und Weinbau seine Mitglieder tatkräftig. Das wurde bei der 60. Generalversammlung am Dienstag, die pandemiebedingt digital stattfand, unmissverständlich klar.

Obmann Manuel Santer bei der digitalen Generalversammlung.
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Obmann Manuel Santer bei der digitalen Generalversammlung. - Foto: © Beratungsring
Die Bereichsleiter der weltweit größten privatrechtlichen Beratungsorganisation für Obst- und Weinbau präsentierten der Delegiertenversammlung Projekte, die darauf abzielen, die Landwirtschaft in Südtirol zukunftsfähiger zu gestalten und bei denen der Südtiroler Beratungsring zum Teil federführend mitarbeitet.

„Die Mitarbeit bei der Agenda 2030 ist für uns als Beratungsorganisation mit knapp 3.000 Weinbaumitgliedern absolut essenziell. Wir wollen die Südtiroler Kultur-Wein-Landschaft unbedingt schützen und pflegen und für die nächsten Generationen von Weinbäuerinnen und -bauern erhalten,“ berichtet Hansjörg Hafner, Bereichsleiter Weinbau beim Südtiroler Beratungsring. Er arbeitete für den Südtiroler Beratungsring bei der Entwicklung der Nachhaltigkeitsstrategie der Südtiroler Weinwirtschaft mit dem Namen „Agenda 2030“ mit. Jetzt begleitet er die Umsetzung verschiedener Maßnahmen der Agenda.

Als ein Beispiel für eine Maßnahme der Nachhaltigkeitsstrategie nannte Hafner die Entwicklung eines verbindlichen Pflanzenschutzprogramms für die Weinbauern. Ein bereits seit 2011 in Zusammenarbeit mit verschiedenen Kellereien ständig weiterentwickeltes freiwilliges Pflanzenschutzprogramm, das derzeit knapp 2.000 Betriebe umsetzen, dient dabei als Vorlage. Der verbindlich geregelte Pflanzenschutz sei nicht nur aus Gründen der Nachhaltigkeit ein Muss, sondern auch mit Blick auf das Image des Südtiroler Weinbaus auf den globalen Märkten unbedingt anzustreben, betonte Hafner.




Der Bereichsleiter Weinbau arbeitete nicht nur bei der Agenda 2030 mit, sondern auch beim Projekt „Smart Land Südtirol“. Dieses Projekt ist eine Kooperation zwischen dem Energieversorgungsunternehmen Alperia, dem Versuchszentrum Laimburg und dem Südtiroler Beratungsring. Im Rahmen von Smart Land Südtirol wurden Bodenfeuchtesensoren, Übertragungsmodule und eine App entwickelt.

Die Messdaten der Bodenfeuchtesensoren in den Obst- und Rebanlagen gelangen in Echtzeit auf das Handy der Bauern. Somit weiß der Bauer genau über den Stand der Wasserversorgung seiner Pflanzen Bescheid und kann bedarfsgerecht und effizient bewässern. „Der Verkauf der Sensoren für den Apfelanbau startet in den nächsten Wochen. Die Entwicklung der Datenübertragungsmodule für den Weinbau werden wir im laufenden Jahr abschließen,“ berichtete Hafner den Delegierten bei der Generalversammlung sichtlich erfreut. Wasser sei ein kostbares Gut. Ohne Wasser sei die Produktion von Lebensmitteln nicht möglich. Daher sei es wichtig dieses bedarfsgerecht und somit nachhaltig einzusetzen. „Der Südtiroler Beratungsring hat es als eine sehr wichtige Aufgabe erachtet, beim Projekt Smart Land Südtirol mitzuwirken. Jetzt können wir den Obst- und bald auch den Weinbauern ein geeignetes Werkzeug zur effizienten Wassernutzung in die Hand geben,“ erklärte Hafner.




Auch die Südtiroler Obstwirtschaft hat im Jahr 2020 eine Nachhaltigkeitsstrategie ausgearbeitet. Sie habe den klingenden Namen „sustainapple“, berichtete Robert Wiedmer, Ringkoordinator und Bereichsleiter Obstbau beim Südtiroler Beratungsring. Er hat bei der Ausarbeitung der sustainapple-Strategie mitgewirkt und arbeitet jetzt daran, einzelne Maßnahmen umzusetzen. „Wir als Südtiroler Beratungsring wollen mithelfen, ein Konzept für Kreislaufwirtschaft in der Makroregion Alpen zu entwickeln. Am Ende sollen Ressourcen und Stoffe zwischen den agrarischen Sektoren möglichst im Kreis geführt werden,“ erklärte der Ringkoordinator Wiedmer den Delegierten. Der Südtiroler Beratungsring arbeite an der Nachhaltigkeitsstrategie der Obstwirtschaft mit, da sich für die Mitglieder ein Vorteil daraus ergäbe. „Es geht uns nicht nur um den nachhaltigen Umgang mit der Natur, sondern auch um die ökonomische Nachhaltigkeit des Apfelanbaus. Es soll auch in Zukunft möglich sein, in Südtirol vom Obstbau gut leben zu können,“ meint Wiedmer.

Um Sprühgerätereinigung und Möglichkeiten des Restwassermanagements geht es in einem weiteren Projekt, bei dem der Südtiroler Beratungsring mitgewirkt hat. Erst im Januar hat die Projektgruppe bestehend aus dem Südtiroler Bauernbund, der Fondazione Edmund Mach aus San Michele, der Obstgenossenschaft Roen, dem Versuchszentrum Laimburg und dem Südtiroler Beratungsring eine Broschüre zum Thema herausgegeben. Darin wurden Informationen zum verlustmindernden Umgang mit Pflanzenschutzmitteln, verschiedene Möglichkeiten zur Sprühgerätereinigung und zur umweltschonenden Handhabung des Restwassers aus der Außenreinigung der Sprüher gesammelt. „Die Broschüre enthält Ergebnisse aus drei Jahren Recherche. Die Bauern können darin nachlesen, wie sie Böden und Gewässer nachhaltig vor Verunreinigungen schützen können,“ fasste Wiedmer zusammen.

Ulrich Kiem, Bereichsleiter Bioanbau beim Südtiroler Beratungsring, stellte den „Erhebungsbogen Lebensraum Obstanlage“ vor. Seit 2016 arbeitet der Südtiroler Beratungsring zusammen mit der Bio-Abteilung des Verbands der Vinschgauer Obst- und Gemüseproduzenten (VIP), der Obstgenossenschaft Biosüdtirol und dem Biolandverband Südtirol daran, dieses Werkzeug zur Erfassung der ökologischen Maßnahmen auf den Obstbaubetrieben zu erstellen. Es geht darum zu erfassen, wie sehr ein Obstbaubetrieb Lebensraum für verschiedene Pflanzen- und Tierarten ist und in einem darauffolgenden Schritt, wie der Bauer dies noch verstärken kann. „Wir haben im vergangenen Jahr im Vinschgau knapp 1.000 ha Bio-Obstbauflächen auf diese Weise erhoben. Nachdem wir den Status quo erfasst haben, erarbeiten wir zusammen mit den Bauern unserer Obstbaubetriebe die Grundlage, um deren Betriebsflächen und Hofstellen ökologisch aufzuwerten. Wir loten dabei aus, wie mehr Lebensraum für verschiedene Tier- und Pflanzenarten geschaffen werden kann, ohne die Wirtschaftlichkeit der landwirtschaftlichen Produktion in Frage zu stellen,“ erklärte Kiem.

Grußworte und Ehrungen

Landwirtschaftslandesrat Arnold Schuler dankte dem Südtiroler Beratungsring in seinen Grußworten, dass er die Beratung der Mitglieder trotz der anhaltend schwierigen Situation in Bezug auf die Pandemie aufrechterhalten konnte. „Ich bin vom Südtiroler Beratungsring überzeugter denn je, denn objektive Beratung kann zu einer sachlichen Diskussion mit der Bevölkerung und mit Kritikern beitragen,“ sagte Schuler. Die landwirtschaftliche Praxis würde mittels neuer Vorgaben ständig optimiert. Und auch hier brauche es den Südtiroler Beratungsring als Begleiter für die Obst- und Weinbauern im ganzen Land.

Der Obmann des Südtiroler Beratungsrings, Manuel Santer, ehrte bei der 60. Generalversammlung drei Mitarbeiter, die bereits seit 25 Jahren im Dienst sind: Karin Pallabazzer, Sekretärin im Bezirksbüro Unterland, Michael Unterthurner, Obstbauberater im Bezirk Burggrafenamt und Eugen Tumler, Berater für den Bioapfelanbau im Vinschgau und für den Marillenanbau. Besonders in diesem schwierigen Jahr habe sich gezeigt, welch wertvolle Aufgabe die Mitarbeiter für den Betrieb und besonders für die Mitglieder ausüben würden, meinte Santer und dankte in diesem Zuge auch allen anderen der insgesamt 53 Mitarbeiter für ihren lobenswerten Einsatz.

stol