Mittwoch, 30. Oktober 2019

Neue Auto-Hochzeit in Europa? Fiat Chrysler spricht mit PSA

Der italienisch-amerikanische Hersteller Fiat Chrysler (FCA) spricht mit dem französischem Opel-Mutterkonzern PSA über die Bildung eines globalen Autogiganten. Falls eine Abmachung gelinge, würde der weltweit viertgrößte Hersteller entstehen, hieß es am Mittwoch aus dem französischen Wirtschafts-und Finanzministerium.

Der italienisch-amerikanische Hersteller Fiat Chrysler (FCA) verhandelt  mit dem französischem Opel-Mutterkonzern PSA über eine Fusion.
Der italienisch-amerikanische Hersteller Fiat Chrysler (FCA) verhandelt mit dem französischem Opel-Mutterkonzern PSA über eine Fusion. - Foto: © APA/afp / HAROLD CUNNINGHAM, DANIEL ROLAND

„Es gibt laufende Diskussionen, die darauf abzielen, eine der führenden Mobilitätsgruppen der Welt zu schaffen“, bestätigte FCA in einer knappen Erklärung. Die Gespräche seien erst am Anfang, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Kreisen in Paris. Einen Termin zum Abschluss gebe es bisher nicht.

Der neue Verbund käme laut Branchenangaben auf einen Absatz von rund neun Millionen Fahrzeugen. Größer seien nur noch Volkswagen, Toyota und der französisch-japanische Renault-Nissan-Verbund. Der französische Staat verfolge als wichtiger PSA-Anteilseigner die Gespräche mit „Aufmerksamkeit und Offenheit“, hieß es aus.

Das „Wall Street Journal“ hatte am Dienstag berichtet, Fiat Chrysler und PSA wären an der Börse zusammen rund 50 Milliarden Dollar (45 Mrd Euro) wert. Peugeot-Chef Carlos Tavares soll den Konzern laut Zeitung als Vorstandsvorsitzender führen. Der FCA-Verwaltungsratsvorsitzende John Elkann – Enkel des langjährigen Fiat-Bosses Giovanni Agnelli – würde diese Rolle auch bei dem neuen Unternehmen einnehmen. Laut Medien wird eine Fusion „unter Gleichen“ debattiert. Die Unternehmen machten zu Details zunächst keine Angaben. Die Aktien von FCA gingen in Mailand kräftig oben, die PSA-Papiere stiegen in Paris.

PSA führt neben Opel die Marken Peugeot, DS und Citroën. Fiat Chrysler hat die Marken Alfa Romeo, Chrysler, Dodge, Jeep, Lancia oder Maserati unter seinem Dach.

Letzte Fusion gescheitert

Fiat Chrysler wollte sich zuvor bereits mit dem französischen Hersteller Renault verbinden und den weltweit drittgrößten Autohersteller formieren. Die Gespräche scheiterten jedoch. Nach monatelangen Verhandlungen zog Fiat Chrysler im Juni seine Offerte für einen Zusammenschluss zurück.

Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer erwartet im Falle einer Fiat-Übernahme zusätzlichen Druck auf die PSA-Tochter Opel. Fiat habe große Überkapazitäten, die in Italien aber sehr schwer abzubauen seien. PSA-Chef Carlos Tavares werde zwangsläufig den Blick auch wieder auf die weiterhin vorhandenen Überkapazitäten bei Opel richten, sagte der Leiter des CAR-Instituts an der Universität Duisburg-Essen. PSA hatte Opel vor gut zwei Jahren übernommen und mit harter Hand wieder in die Gewinnzone geführt – viele Jobs blieben dabei auf der Strecke.

Autobauer stehen unter Druck, denn sie müssen riesige Beträge in autonome Autos und Elektromobilität investieren. Eine mögliche Fusion bietet nach Ansicht des Experten Stefan Bratzel viele Chancen. PSA könnte so auf dem US-Markt Fuß fassen, sagte der Leiter des Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach. PSA sei mit seinen Marken bislang nicht in Nordamerika vertreten. FCA hat hingegen eine starke Marktposition mit Chrysler, Dodge und Jeep.

In der Branche wird immer wieder auf Schwächen von Fiat Chrysler hingewiesen. Denn FCA hatte unter der Führung des mittlerweile verstorbenen Autobosses Sergio Marchionne auf große Investitionen in Elektroantriebe verzichtet. Derzeit ist der Konzern vor allem mit den großen Spritschluckern der Marken Jeep und Ram in den USA erfolgreich. Das hilft in Europa aber nicht beim Einhalten von CO2-Zielen spätestens ab 2021. Im Heimatkontinent von Fiat verliert der Konzern zudem Marktanteile und fuhr zuletzt nur haarscharf an einem operativen Verlust vorbei.

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dpa

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