Montag, 21. Juni 2021

Neue europäische Plattform will Zahlungsdienste vereinheitlichen

Eine neue europäische Plattform für Zahlungsdienste will aus einer Hand alle Services rund um elektronische Zahlungen anbieten. Im 2. Halbjahr 2022 sollen die ersten Händler damit starten, eine eigene Karte für Zahlungen soll rasch folgen, sagte die Chefin der Projektgesellschaft, Martina Weimert am Montag in einem Pressegespräch. Davor noch sollen Zahlungen zwischen Privatpersonen möglich werden. Der endgültige Namen des Projekts mit den Arbeitstitel „EPI“ ist noch offen.

Der Mehrwert liegt darin, dass „EPI“ eine gesamteuropäische Plattform werden soll, über die Menschen untereinander und im Geschäft unmittelbar Geld überweisen können.
Der Mehrwert liegt darin, dass „EPI“ eine gesamteuropäische Plattform werden soll, über die Menschen untereinander und im Geschäft unmittelbar Geld überweisen können. - Foto: © Shutterstock / maradon 333
Das Projekt ist langfristig angelegt. Im Oktober soll die Entscheidung fallen, die aktuelle Projektgesellschaft in die endgültige Holding überzuführen. Mit schwarzen Zahlen ist eher erst in 10 Jahren zu rechnen, das Startbudget beträgt „mehrere Milliarden“, sagte Weimert. Es sei zwar ein privatwirtschaftlich getragenes Projekt und müsse sich rechnen, Profitmaximierung sei aber nicht das Ziel. Konkurrenten seien sowohl Kreditkartenfirmen als auch Zahlungsanbieter wie Paypal oder die großen Tech-Plattformen wie Apple und Android. Die bisher teilnehmenden Institute sind für 2 Drittel der europäischen Kartenzahlungen verantwortlich.

Der Mehrwert liegt laut Weimert darin, dass „EPI“ eine gesamteuropäische Plattform werden soll, über die Menschen untereinander und im Geschäft unmittelbar, also ohne Zeitverzögerung, Geld überweisen können (instant payment). Anstelle verschiedener Apps für Zahlungen soll es am Handy nur mehr eine einzige geben. EPI will auch keine Konto-Daten selber speichern, alle sensiblen Informationen sollen wie bisher bei der Bank der Kunden bleiben. Für Nutzer wird es wohl nicht mehr kosten als bisherige Systeme.

Zwar orientiere man sich an bestehenden Zahlungssystemen, wolle aber einen Mehrwert bieten. Dazu gehören die Zahlung in Echtzeit, die also „so schnell wie ein Email“ ankommt, die einfache Überweisung zwischen Privatpersonen oder die Möglichkeit, kurz entschlossen im letzten Moment doch per Ratenzahlung zu zahlen. Dank der geplanten Verknüpfung mit einer digitalen Signatur könnte man auf der Plattform einen Vertrag abschließen – und sofort bezahlen, so Weimert. Das sei derzeit ihres Wissens sonst nirgendwo möglich. Auch der von der EZB geplante digitale Euro soll auf der neuen Plattform genutzt werden können.

apa/stol