Montag, 23. Juli 2018

Neuer Fiat-Chrysler-Chef Manley macht sich an die Arbeit

Nach seiner überraschenden Ernennung zum neuen Chef des Autobauers Fiat Chrysler (FCA) macht sich der britische Manager Mike Manley nun in Turin an die Arbeit. Am Montag leitete er ein erstes Treffen des Group Executive Council, dem Gremium aus den Chefs der verschiedenen Gruppenbereiche, berichteten italienische Medien.

Manley blieb nichts als der Sprung ins kalte Wasser Foto: APA (AFP/Getty)
Manley blieb nichts als der Sprung ins kalte Wasser Foto: APA (AFP/Getty)

Rund 20 Topmanager beraten dieser Tage über die Zukunft des Unternehmens nach der Erkrankung Sergio Marchionnes, der nach einem chirurgischen Eingriff in irreversiblem Koma im Zürcher Universitätskrankenhaus liegt. Die in Turin versammelten Manager werden am Mittwoch die Halbjahresergebnisse besprechen. Seit Ende Juni ist der italo-amerikanische Konzern wieder schuldenfrei.

Die Manager wollen über Wege zur geplanten Abspaltung des Zuliefergeschäfts Magneti Marelli beraten. Vorgesehen ist die Ausgliederung der Gesellschaft und deren Börsengang. Magneti Marelli soll in eine neugegründete niederländische Gesellschaft einfließen, die auch mehrere Töchter des Komponentenbauers übernehmen soll.

Manley wird sich auch um die Umsetzung des Entwicklungsplans bis 2022 kümmern müssen, den Marchionne erst im Juni vorgestellt hatte. Demnach will FCA immer mehr auf elektrische Autos setzen. Der Autobauer will 9 Milliarden Euro investieren, um seine Modelle auch in der elektrischen Version anzubieten. Bis Ende 2021 will der Autobauer keine Dieselautos mehr herstellen. Der neue Plan sieht Investitionen in der Höhe von 45 Milliarden Euro vor.

Kooperation mit Hyundai wahrscheinlich 

Manley wird Insidern zufolge auch nach einem industriellen Partner suchen, um die Position auf dem globalen Automarkt zu festigen und der Konkurrenz großer Rivalen standzuhalten. Wegen Manleys Erfahrungen in Asien gilt eine industrielle Kooperation mit der südkoreanischen Gruppe Hyundai als wahrscheinlich. Damit könnte FCA die asiatischen Märkte mehr erschließen. Indes sorgte Marchionnes Zustand in Italien für Bestürzung. Der italienische Präsident Sergio Mattarella telefonierte mit FCA-Verwaltungsratspräsident John Elkann. Premier Giuseppe Conte drückte der Familie Marchionnes sein Mitgefühl aus.

Der Italo-Kanadier Marchionne hätte eigentlich erst im April kommenden Jahres das Zepter an einen internen Nachfolger übergeben sollen. Wegen seines kritischen Zustands ernannte der FCA-Aufsichtsrat den Briten Mike Manley zu Marchionnes Nachfolger. Marchionne saß bei Fiat seit 2004 am Steuer. Ihm wird zugeschrieben, Fiat und Chrysler vor der Pleite gerettet zu haben. Nach dem Chefwechsel am Samstag kommt es indes zu weiteren Turbulenzen. Der Europa-Chef des Konzerns, Alfredo Altavilla, hat am Montag seinen Rücktritt eingereicht und verlässt den Konzern, berichteten italienische Medien. FCA hat dies noch nicht bestätigt.

apa

stol