Nur auf den ersten Blick. Der Leitzins bestimmt, zu welchen Konditionen sich Banken kurzfristig Geld beschaffen können. Die Zinsen für Kredite an Haushalte entstehen jedoch am Markt – und folgen eigenen Regeln. <BR /><BR />Entscheidend sind dabei vor allem Laufzeit, Risiko und die Refinanzierungskosten der Banken.<h3>Entspannung bei variabler Verzinsung</h3>Bei variabel verzinsten Krediten zeigt sich derzeit eine vorsichtige Entspannung. Laut Berechnungen von „Facile.it“ ist die monatliche Rate eines variabel verzinsten Musterkredits im Jahresverlauf um rund 50 Euro gesunken – von etwa 666 auf rund 617 Euro. „Facile.it“ legt dabei einen typischen Standardkredit zugrunde; die tatsächlichen Raten können je nach Kredithöhe, Laufzeit und Bonität deutlich davon abweichen. Ursache für die Entlastung ist der Euribor, der sich – je nach Laufzeit – zuletzt stabilisiert hat und aktuell bei etwas über zwei Prozent liegt.<h3>Fixzinsen steigen – trotz ruhiger Geldpolitik</h3>Ganz anders die Lage bei neuen Krediten mit fixer Verzinsung. Diese orientieren sich nicht am Euribor, sondern am sogenannten IRS, einem Referenzzinssatz für langfristige Fixfinanzierungen. Und genau dieser ist zuletzt deutlich gestiegen. Der IRS mit 25 Jahren Laufzeit lag zu Jahresbeginn bei rund 2,4 Prozent, zuletzt bereits bei etwa 3,1 Prozent. Diese Entwicklung hat sich direkt auf neue Kreditverträge übertragen.<BR /><BR />Nach Berechnungen von „Facile.it“ zahlen neue Fixzinskreditnehmer heute im Schnitt rund 40 Euro mehr pro Monat als noch zu Jahresbeginn. Auch die Verbraucherschützer von Codacons bestätigen den Trend steigender Finanzierungskosten. „Laut Daten der Banca d’Italia sind die effektiv angewendeten Hypothekenzinsen von 3,50 Prozent im Jänner auf 3,73 Prozent im Oktober gestiegen. Bei einem Kredit über 150.000 Euro mit 30 Jahren Laufzeit entspricht das einer Mehrbelastung von rund 222 Euro pro Jahr. Bei 120.000 Euro über 25 Jahre sind es etwa 187 Euro jährlich“, so Codacons. Die konkrete Mehrbelastung hängt dabei stets von Kredithöhe, Laufzeit und Zinssatz ab.<h3>Der Blick nach vorne verteuert das Geld</h3>Ein zentraler Treiber steigender Fixzinsen sind veränderte Erwartungen an den Kapitalmärkten. Zwar hält die EZB den Leitzins stabil. Doch der Markt rechnet kaum noch mit weiteren Zinssenkungen. Gleichzeitig wird das Risiko künftiger Zinserhöhungen wieder stärker eingepreist.<BR /><BR />Langfristige Zinsen reagieren weniger auf den heutigen Leitzins als auf die Frage, wo dieser in fünf oder zehn Jahren stehen könnte. Diese veränderte Erwartungslage führt dazu, dass Investoren für langfristig gebundenes Kapital höhere Erträge verlangen.<h3>Steigende Anleiherenditen schlagen auf Kredite durch</h3>Konkret zeigt sich das an den Renditen europäischer Staatsanleihen, die zuletzt gestiegen sind. Sie gelten als Referenz für langfristiges, vergleichsweise sicheres Geld. Steigen diese Renditen, verteuert sich die Refinanzierung der Banken – und das schlägt direkt auf den IRS, den maßgeblichen Referenzzins für Fixzinskredite, durch.<h3>Was Kreditnehmer daraus lernen sollten</h3>Die aktuelle Lage verlangt nüchternes Abwägen. Variable Kredite starten günstiger, reagieren jedoch direkt auf künftige Zinsbewegungen. Fixzinsen kosten derzeit etwas mehr, bieten dafür langfristige Planungssicherheit. Eine allgemeingültige Empfehlung gibt es nicht – wohl aber die Notwendigkeit, die eigene finanzielle Belastbarkeit realistisch einzuschätzen und nicht allein auf den Leitzins zu schauen.