Mittwoch, 13. Dezember 2017

Niki-Übernahme durch Lufthansa gescheitert

Die Lufthansa hat am Mittwochnachmittag die geplante Übernahme der österreichischen Air-Berlin-Tochter Niki aufgegeben. Als Grund gab sie die kritische Haltung der EU-Wettbewerbsbehörde an. Air Berlin sucht nach dem gescheiterten Lufthansa-Deal nun Alternativen für Niki. In Wien wurden am Mittwochnachmittag mehrere Krisensitzungen zur Zukunft von Niki zusammengetrommelt.

Aus der geplanten Übernahme von Niki wird nichts Foto: APA (dpa)
Aus der geplanten Übernahme von Niki wird nichts Foto: APA (dpa)

Nach dem Scheitern der Übernahme durch die Lufthansa wird in Wien unter hohem Druck beraten, was jetzt passieren soll. In der Gewerkschaft ist man alarmiert: „Es muss um jeden Preis ein Grounding verhindert werden.” Das sagte Johannes Schwarcz, Vorsitzender des Fachbereichs Luftfahrt in der Gewerkschaft vida, am Nachmittag zur APA. Er rief alle Beteiligten auf, sich kurzzuschließen und jedwede Unterstützung zu geben. Angesichts der Gefahr für rund 1.000 Jobs müsse es rasche Lösungen geben, die Flugzeuge in der Luft zu halten.

Auch Verkehrsminister Jörg Leichtfried (SPÖ) drängte nach der gescheiterten Niki-Übernahme auf eine Lösung, „die möglichst viele heimische Arbeitsplätze sichert und gerade jetzt - in der anstehenden Reisezeit rund um Weihnachten - Chaos für die Kundinnen und Kunden vermeidet”, wie er in einer Stellungnahme gegenüber der APA erklärte. Diese Lösung werde in enger Abstimmung mit der Europäischen Kommission und Deutschland zu finden sein. Die SPÖ sei bereit, eine solche Lösung mitzutragen, so Leichtfried.

Kurzfristige Aufregung gab es unterdessen um mehrere Flugstreichungen von Niki ab Wien-Schwechat für den (morgigen) Donnerstag, die auf der Flughafen-Homepage als „cancelled” gelistet sind. Eine Niki-Sprecherin erklärte, diese Flüge standen schon vorher nicht mehr am Flugplan. Plangemäß fliege am Donnerstag in der Früh nur ein Niki-Flug von Wien ab, und zwar nach Marrakesch. Die anderen Flüge - darunter Larnaca, Palma oder Marsa Alam - wären plangemäß nicht durchgeführt worden. Die Sprecherin sprach von einem Fehler auf der Airport-Anzeige. Am Abend wird Niki zu der neuen Entwicklung rund um den geplatzten Verkauf an die Lufthansa informieren.

Weil eine Freigabe des Erwerbs von Niki durch die AUA-Mutter Lufthansa im Fusionskontrollverfahren nicht zu erwarten sei, wurde Air Berlin am Mittwoch von der Lufthansa informiert, „dass der Vollzug des im Oktober 2017 geschlossenen Kaufvertrags im Hinblick auf einen Erwerb der Niki Luftfahrt GmbH gescheitert ist. Die Air Berlin-Gruppe prüft derzeit Verwertungsalternativen für die Niki Luftfahrtgesellschaft GmbH”, schrieb die insolvente Air Berlin in einer Pflichtmitteilung.

Die EU-Kommission hat den Rückzug der AUA-Mutter Lufthansa bei der geplanten Übernahme von Niki „zur Kenntnis genommen”. Die EU-Behörde erklärte am Mittwoch in Brüssel, als Resultat des Lufthansa-Verzichts beschränke sich die EU-Kommission auf die Prüfung der verbleibenden Teile der geplanten Air-Berlin-Übernahme .

Die EU-Kommission betonte, sie habe im Fall Niki keine Entscheidung getroffen. „Die derzeitige Unsicherheit für Niki-Mitarbeiter und Passagiere kommt von der Insolvenz der Air Berlin nach langen Jahren finanzieller Schwierigkeiten, und von der Entscheidung der Lufthansa, Niki von der Transaktion wegfallen zu lassen, indem eine mit Air Berlin verhandelte vertragliche Option genutzt wurde. Das ist bedauerlich, insbesondere weil dies nicht das einzig mögliche Ergebnis seit Start des Verkaufsprozesses war.” Es liege nun an der Insolvenzverwaltung der Air Berlin, die nächsten Schritte zu setzen.

Deutschland rechnet mit Insolvenz

Die deutsche Bundesregierung rechnet indessen mit Insolvenz und Einstellung des Flugbetriebs bei der österreichischen Air-Berlin-Tochter Niki. „Alternative Käufer für Niki standen und stehen bis heute nicht zur Verfügung, trotz allerlei öffentlicher Ankündigungen und intensiven Bemühens des Generalbevollmächtigten von Air Berlin”, erklärte Regierungssprecher Steffen Seibert am Mittwoch. „Insolvenz und Grounding von Niki sind jetzt die Folge”, hieß es vom Regierungssprecher in Berlin.

Am Erwerb der Air-Berlin-Tochter LG Walter soll nach Angaben der Lufthansa hingegen festgehalten werden. Dieser Kauf steht auch noch unter dem Vorbehalt der kartellrechtlichen Zustimmung der EU-Kommission. Der Kaufpreis von 18 Mio. Euro sei noch Gegenstand erneuter Verhandlungen und solle im Wesentlichen zur Tilgung des von der deutschen Förderbank KfW an Air Berlin gewährten Massekredits verwendet werden.

Plan B angekündigt 

Die deutsche Regierung hatte für die 150 Mio. Euro Massekredit an Air Berlin eine Bürgschaft übernommen. Als Besicherung für den Brückenkredit hatten wie berichtet Niki-Teile gegolten.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr hatte für den Fall eines Scheiterns der Niki-Übernahme einen „Plan B” angekündigt. Er sehe vor, die Lufthansa-Tochter Eurowings in der gleichen Größenordnung von rund 20 Flugzeugen aus eigener Kraft wachsen zu lassen, hatten deutsche Medien jüngst berichtet. Nach Angaben der Lufthansa soll Eurowings nun einen Teil des eigentlich vorgesehenen Kaufpreises für Niki zum Ausbau von Kapazitäten aus eigener Kraft nutzen - und zwar genau in den Märkten von Niki.

apa

stol