Freitag, 11. Juni 2021

OECD ortet ungleiche Wirtschaftserholung in USA und EU

Die deutlich schnellere Wirtschaftserholung nach der Coronakrise in den USA im Vergleich zur EU sorgt bei der Industriestaaten-Organisation OECD für Besorgnis.

Die Wirtschaft erholt sich in den USA deutlich schneller als in der EU..
Die Wirtschaft erholt sich in den USA deutlich schneller als in der EU.. - Foto: © APA (dpa) / Klaus-Dietmar Gabbert
Die USA wird das Vorkrisenniveau bereits heuer im zweiten Quartal erreichen, der Großteil der EU-Staaten erst im Laufe des Jahres 2022. „Wenn die Zinsen in den USA steigen, wird es auch Spillover-Effekte auf Europa haben“, sagte die OECD-Chefökonomin Laurence Boone am Freitag bei einer Online-Diskussionsrunde.

Die Ökonomin forderte die EU-Länder auf, sich stärker mit der eigenen Budgetpolitik und der Staatsverschuldung auseinanderzusetzen. Nachdem der Höhepunkt der Coronakrise überschritten sei, gehe es nun darum, wie man in einer Übergangsperiode die Wirtschaftshilfen mehr fokussieren könne. Auch durch die Alterung der Bevölkerung gebe es mehr finanziellen Druck auf die öffentlichen Finanzen.

Für die OECD-Chefökonomin gibt es 3Hauptgründe, warum es in vielen Ländern zu einer deutlich höheren Staatsverschuldung gekommen ist: Vor Wahlen wurden oftmals die öffentlichen Ausgaben erhöht und je nach Wahlausgang dann gesenkt oder auch nicht. Weiters würde die Fragmentierung der politischen Landschaft es einflussreichen Wirtschaftsgruppen erleichtern, ihre Interessen - etwa Steuersenkungen oder Subventionen - durchzusetzen. Außerdem ortet Boone eine „fiskalische Illusion“ bei den Wählern, weil sie nicht die Langzeitkosten ihren Präferenzen berücksichtigen.

Als Vorbild nannte die Ökonomin die Niederlande und Neuseeland, wo die Budgetpolitik von einer unabhängigen öffentlichen Stelle analysiert wird. Das Niederländische Büro für wirtschaftspolitische Analysen (CPB) prüft etwa geplante politische Maßnahmen auf ihre Budgetwirksamkeit und Verteilungswirkung.



apa