Mittwoch, 11. Mai 2022

Ökobonus: Kritik und Lob für Neuerung

Das Ukraine-Krisendekret sieht eine Neuerung im Zusammenhang mit den Sanierungsboni vor, die in der heimischen Bauwirtschaft auf geteilte Meinungen stößt: Vom Wirtschaftsverband für Handwerk und Dienstleister (lvh) und der Südtiroler Handwerkervereinigung (CN/SHV) kommt Kritik, während das Kollegium der Bauunternehmer die Änderungen begrüßt.

Ab 2023 brauchen Unternehmen, die Arbeiten im Zusammenhang mit dem Ökobonus ausführen, voraussichtlich eine SOA-Qualifizierung. - Foto: © shutterstock

Geplant ist, dass ab 1. Jänner 2023 Unternehmen, die Arbeiten in Höhe von mehr als 516.000 Euro im Zusammenhang mit dem Ökobonus ausführen, über eine sogenannte SOA-Qualifizierung verfügen müssen. Mit dieser Zertifizierung beweist das Unternehmen, dass es die technischen, finanziellen und wirtschaftlichen Voraussetzungen hat, die Arbeiten durchzuführen. Sie ist für öffentliche Aufträge bereits nötig.

Die lokalen Handwerksverbände sowie der gesamtstaatliche Verband Confartigianato wollen dies nicht akzeptieren. „Dadurch werden neue und unverständliche Hürden bei Gebäudesanierungen eingeführt, die den Ausschluss zahlreicher Kleinbetriebe zur Folge hat“, so lvh-Präsident Martin Haller. Durch diese Auflage würden 80 Prozent der Kleinst- und Kleinbetriebe von vielen Bauaufträgen in Zusammenhang mit dem Ökobonus ausgeschlossen, heißt es vonseiten des lvh und des CNA.

Zahlreiche Kleinbetriebe werden nun ausgeschlossen.
Martin Haller, lvh-Präsident


„Wir wissen alle, dass sich die SOA für die Betrugsvermeidung und -bekämpfung auch im öffentlichen Sektor nicht als besonders wirksam erwiesen hat. Die einzige Auswirkung der neuen Bestimmung ist eine weitere Verlangsamung der Bauausführungen und die Erschließung eines bedeutenden Geschäftsfeldes für Unternehmen, die SOA-Bescheinigungen ausstellen“, ergänzt Claudio Corrati, Präsident des CNA/SHV in Trentino-Südtirol.

Anders bewertet das Baukollegium die Änderung und deren Folgen: „Bei den verschiedenen Steuerguthaben, die für die ökologische Sanierung von Gebäuden vorgesehen sind, handelt es sich ja um öffentliche Gelder. Die Entscheidung des Staates ist für uns also nachvollziehbar“, sagt Präsident Michael Auer. Er räumt allerdings auch ein, dass die SOA-Qualifizierung vielleicht nicht die Ideallösung sei.

Die Entscheidung des Staates ist für uns nachvollziehbar.
Michael Auer, Präsident des Südtiroler Baukollegiums


Laut Auer liegt der Aufragswert für die Sanierung eines Einfamilienhauses meist unter der Schwelle von 516.000 Euro, sodass er keine Änderungen für die Unternehmen erwartet. „Es muss sich schon um ein wirkliches großes Mehrfamilienhaus handeln, damit dieser Wert erreicht wird. Unternehmen, die solche Aufträge stemmen können, verfügen in der Regel aber über die entsprechende SOA-Qualifizierung oder können sich bis zum 1. Jänner 2023 für diese qualifizieren.“

stol

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