Dienstag, 21. April 2020

Ölpreis sackt auf niedrigsten Stand der Geschichte ab

Die Ölpreise sind am Montag kräftig gefallen. Besonders heftig traf es zum Wochenstart US-Rohöl. Der Kontrakt, der eine physische Öllieferung im Mai vorsieht, fiel um deutlich mehr als 10 US-Dollar auf bis zu rund 4 Dollar. Das ist der mit Abstand tiefste Stand eines Terminkontrakts seit Aufnahme des Future-Handels im Jahr 1983.

Angesichts der Corona-Pandemie sinken die Ölpreise immer mehr.
Angesichts der Corona-Pandemie sinken die Ölpreise immer mehr. - Foto: © APA (AFP/Archiv) / GIUSEPPE CACACE
An der New Yorker Börse kostete ein Barrel (159 Liter) der US-Referenzsorte WTI zur Lieferung im Mai am Montag zwischenzeitlich nur noch 4,04 Dollar (3,72 Euro). Dann erholte der Kurs sich leicht und überschritt wieder die Fünf-Dollar-Marke.

Einerseits zeigt dies, wie stark Angebot und Nachfrage derzeit am Ölmarkt auseinanderfallen. Andererseits handelt es sich um ein sehr spezielles Phänomen, bedingt durch den an diesem Dienstag verfallenden Mai-Terminkontrakt auf US-Öl.

Der nachfolgende Terminkontrakt auf amerikanisches Leichtöl (WTI) kostete am Montagabend wesentlich mehr als der Mai-Kontrakt. Ein Barrel (159 Liter) texanisches Leichtöl (WTI) zur Lieferung im Juni notierte am Abend bei 22,30 Dollar. Die Nordseesorte Brent kostete je Barrel 26,50 Dollar. Beide Preise lagen allerdings auch klar in der Verlustzone.

Analysten begründeten den Einbruch auch mit dem starken Einbruch der Erdölnachfrage infolge der Coronakrise als auch mit Zweifeln an der Reaktion großer Ölproduzenten auf die Krise. Als Folge der globalen Ölschwemme drohen zudem knappe Lagerkapazitäten.

Allerdings untermauert der Preisverfall des WTI-Mai-Kontrakts auch die grundlegende Lage am Erdölmarkt. Diese ist gekennzeichnet durch ein viel zu hohes Angebot bei stark fallender Nachfrage. Die Coronakrise sorgt für einen globalen Konjunktureinbruch, was eine rückläufige Öl-, Benzin- und Dieselnachfrage bewirkt.

Zwar haben große Erdölproduzenten wie Russland und Saudi-Arabien unlängst deutliche Förderkürzungen angekündigt. Experten zweifeln aber, ob die Reduzierungen ausreichen, um Angebot und Nachfrage in Einklang zu bringen.

Insbesondere in den USA drohen die Erdöllager, aus allen Nähten zu platzen. Seit Ende Februar sind die Lagerbestände im wichtigen Auslieferungsort Cushing um fast 50 Prozent gestiegen. Infolgedessen fallen in der ölreichen Region Texas die gezahlten Abnahmepreise immer weiter. Mittlerweile geht sogar die Furcht um, dass vereinzelt bald negative Preise bei Rohölabnahme fällig werden, falls die Lagerkapazitäten noch weiter schrumpfen.

apa

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