Dienstag, 09. März 2021

Offener Brief von Hoteliers: „Lasst uns endlich wieder arbeiten“

Die Coronakrise bringt Südtirols Hoteliers an ihre Grenzen: In einem Offenen Brief an die Landesregierung fordern die Belvita- und die Familienhotels „das Ende des Lockdowns und des ständigen Wechselkurses“. Heute wird die Landesregierung über eine Verlängerung des Lockdowns entscheiden.

Leider geschlossen: Die Hotels befinden sich im Lockdown.
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Leider geschlossen: Die Hotels befinden sich im Lockdown. - Foto: © dpa-tmn / Jens Büttner
Die aktuelle Lage sei katastrophal, viele Betriebe und mit ihnen unzählige Mitarbeiter würden um ihre Zukunft bangen, schreiben Paul Zimmerhofer, Obmann der Belvita-Hotels, und Wolfgang Holzner, Obmann der Familienhotels, stellvertretend für ihre Mitglieder. Sie vertreten 54 Hotelbetriebe, 29 gehören der Kooperationsgruppe Belvita, 25 den Familienhotels an.

In ihrem Brief weisen Zimmerhofer und Holzner darauf hin, dass die rigorosen Maßnahmen der Vergangenheit mittlerweile Wirkung zeigen würden, und die italienische Regierung Südtirol wahrscheinlich demnächst als gelbe Zone einstufen werde. Deshalb wollen die Familien- und die Belvita-Hotels eine weitere Verlängerung des Lockdowns nicht mehr mittragen und bestehen auf einer „schnellen Öffnung“ der Betriebe. „Nach dieser langen Zeit des Stillstands – die uns entgegen der staatlichen Regelung, die eine Öffnung der Hotels in orangen Zonen vorsieht – einfach auferlegt wurde, fordern wir die Landesregierung dazu auf, ihren Sonderweg der Beschränkungen zu verlassen und uns endlich wieder arbeiten zu lassen“, heißt es in dem Offenen Brief.

Unterstützung von der öffentlichen Hand dürftig

Zumal die Unterstützung von der öffentlichen Hand dürftig sei. „Während Beherbergungsbetriebe in anderen Ländern Ausfallszahlungen in Höhe von 30 bis 70 Prozent ihres Umsatzes erhalten, werden Südtiroler Betriebe mit Beiträgen im Ein-Prozent-Bereich abgespeist. Aufgrund dieser bescheidenen Entschädigungszahlungen seitens des Staats, bei dem Betriebe mit einem Umsatz von über 5 Millionen Euro unter den Rost fallen, und den enttäuschenden Ausgleichszahlungen des Landes, die mit 100.000 Euro gedeckelt sind, können wir nur durch die Wiederaufnahme unserer Arbeit die Zukunft unserer Betriebe und unserer Mitarbeiter sichern“, heißt es weiter.

In puncto Sicherheit verweisen die Hoteliers auf das deutsche Robert-Koch-Institut, wonach die klassischen Reisen in beliebte Urlaubsländer kaum zum Infektionsgeschehen beigetragen hätten. „Die Experten bestätigen in ihrem Strategiepapier, dass Hotels zu den Orten mit dem niedrigsten Risiko zählen. Nur Parks und Spielplätze gelten als noch sicherer.“ Zudem hätte die Branche bereits im Vorjahr gezeigt, dass sie bereit sei, in „ausgeklügelte Sicherheits- und Hygienemaßnahmen“ zu investieren.

„Krise wird auf Rücken des Tourismus ausgetragen“

„Es kann daher nicht sein, dass andere Wirtschaftszweige wie Industrie und Handwerk trotz nachweisbarer Infektionen am Arbeitsplatz unbehelligt weiterarbeiten dürfen, und die Bewältigung der Krise auf dem Rücken der Hotellerie und Gastronomie ausgetragen wird“, kritisieren Zimmerhofer und Holzner. „Sollte das Infektionsgeschehen wieder steigen, so fordern wir, diese Zweige zu schließen, um die Zahlen zu senken.“

Gleichzeitig verweisen die Obmänner darauf, dass die Branche in Vergangenheit stets mit der Politik kooperiert und alle Maßnahmen mitgetragen habe, dies nun aber nicht mehr könne. „Nach einem Jahr des ständigen Kurswechsels und Vertröstens ist nun Schluss damit. Was wir und unsere Mitarbeiter brauchen, ist endlich eine klare Perspektive.“

Und weiter: „Entgegen der landläufigen Meinung vieler lässt sich ein Hotelbetrieb nicht wie ein Lichtschalter ein- und ausschalten. Es ist unmöglich, von einem Tag auf den anderen ohne entsprechende Vorlaufzeiten, in denen wir Einkäufe tätigen, Ressourcen planen, Mitarbeiter anstellen und vieles mehr erledigen, unsere Hotels aufzusperren.“

Deshalb fordern die Hoteliers von der Politik eine klare Zusage, dass man die Hotels wieder aufsperren dürfe. Selbst wenn man vorerst wohl nur Einheimische beherbergen könne, wäre dies „ein erster wichtiger Schritt“, heißt es in dem Schreiben.

stol

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