Was es mit der Ernährungsweise „Low-Carb“ auf sich hat und warum er sich entschieden hat, Unternehmer zu werden, darüber spricht er im exklusiven Interview mit s+.<BR /><BR /><b>Vom Gewichtheber zum Lebensmittelproduzenten. Was hat Sie dazu bewogen, plötzlich ein Unternehmen für „Low-Carb“-Produkte aufzubauen?</b><BR />Matthias Steiner: Das „Plötzlich“ müssen wir streichen, denn es war tatsächlich ein langer Prozess, der gut 10 Jahre dauerte. Das Projekt entstand eigentlich aus einem egoistischen Grund heraus: Ich wollte nach meiner Karriere als Gewichtheber meine Kilos reduzieren. Ich suchte also nach Wegen, wie man leichter abnehmen kann, und da sind besonders Produkte mit weniger Kohlenhydraten sinnvoll. Doch es gab auf dem Markt keine fertigen „Low-Carb“-Produkte wie Brot oder Nudeln.<BR /><BR /><embed id="dtext86-65501003_quote" /><BR /><BR /><b>Warum spielen Kohlenhydrate beim Abnehmen eine Rolle?</b><BR />Steiner: Sobald wir Kohlenhydrate essen, schüttet der Körper Insulin aus. Insulin stoppt jedoch die Fettverbrennung. Das heißt: Je mehr Insulin ich brauche, umso weniger Fett kann ich verbrennen.<BR /><BR /><b>Wo nimmt man Kohlenhydrate überall auf?</b><BR />Steiner: Pasta, Pizza, der mit Zucker versüßte Cappuccino oder der Apfelsaft oder ein Schokoriegel: Überall sind Kohlenhydrate drinnen. Und das ist etwas, was der Körper so eigentlich gar nicht braucht. Schon gar nicht, wenn wir uns nur moderat bewegen. Und hier geht es viel weniger um die Hauptmahlzeiten, die das Problem sind, sondern viel mehr um den Snack zwischendurch. Wir futtern einfach zu viel.<BR /><BR /><b>Warum dann nicht einfach die Pasta oder das Brot weglassen, statt „Low-Carb“-Produkte herzustellen?</b><BR />Steiner: Weil der Verzicht das Schwierigste ist. Nur Salat und Fisch zu essen und auf Pizza, Pasta und Co. zu verzichten, um Kohlenhydrate wegzulassen, macht keinen Spaß. Das haben ich und meine Frau auch bei den vielen Lesungen, die wir in ganz Deutschland zu unserem Buch „Das Steiner-Prinzip“ gehalten haben, gemerkt. Überall fragten die Leute dasselbe: Ob sie Cola Light statt Cola trinken dürften oder einen fettarmen Joghurt statt einen normalen. Man hat gemerkt: Die Leute wollen sich gesünder und bewusster ernähren, aber sie wollen nicht auf den Geschmack verzichten, den sie kennen. So simpel ist die Rechnung.<BR /><BR /><b>Warum wollen Menschen nicht gerne verzichten?</b><BR />Steiner: Weil wir so sozialisiert sind, was wir von Klein auf bekommen. Das beginnt bereits mit der Muttermilch. Die Muttermilch ist sehr süß, das heißt, der Mensch wird schon früh darauf abgelernt, dass Süß für uns wichtig ist und wir daraus die Energie bekommen. Das ist der Grund, warum wir bei Süßem ganz gut anspringen.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1047252_image" /></div> <BR /><BR /><BR /><b>Bei Ihnen hat das Abnehmen also funktioniert, obwohl Sie auf Nichts verzichtet haben...</b><BR />Steiner: Dafür aber Produkte gegessen habe, die wenig Kohlenhydrate hatten. Insgesamt habe ich 45 Kilo abgenommen. <BR /><BR /><b>Sie haben also gesehen, dass „Low-Carb“ der richtige Weg ist. Was waren die ersten Schritte, um daraus ein Unternehmen zu starten?</b><BR />Steiner: Ich habe mit einem befreundeten Bäckermeister herumexperimentiert. Und das hat ein paar Jahre gedauert, bis es auch richtig gut geschmeckt hat. Wir hatten die Idee, die Rezeptur. Ich habe auch einen Partner gefunden, der das Ganze mal umsetzen kann. Doch keine 2 Jahre später kam Corona und das hat uns wieder alle Pläne zunichte gemacht. Wir mussten von vorne beginnen.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1047255_image" /></div> <BR /><BR /><BR /><b>Welche sonstigen Herausforderungen haben Sie anfangs erlebt?</b><BR />Steiner: Im Sport ist man Einzelkämpfer und sein eigener Chef. Doch wenn du Unternehmer bist, dann musst du auch Dinge abgeben können, und dafür muss man die richtigen Leute finden. Da brauchst du jemanden fürs Finanzwesen, jemanden für die Planung, für die Zukunft, fürs Marketing. Das kann man nicht alles selber machen. Und das ist die große Kunst, ein gutes Team zu finden.<BR /><BR /><BR /><b>Wie überzeugen Sie Lebensmittelhändler, Ihre Produkte ins Regal aufzunehmen?</b><BR />Steiner: Das ist nach wie vor natürlich schwierig, denn es geht erstmals sowieso immer nur um den Preis. Das ist normal, das ist die Geschäftswelt. Man muss klarmachen, dass man hochwertige Produkte hat, dass man nachhaltige Produkte für den Organismus hat und dass die Menschen, die bewusst essen, auch bereit sind, ein bisschen mehr zu zahlen. Man muss aber trotzdem einen Spagat hinbekommen, dass es für viele leistbar ist und nicht ein Luxusprodukt wird. Das ist ein großer Spagat, und es ist jetzt etwas einfacher als vor 4, 5 Jahren.<BR /><BR /><embed id="dtext86-65504282_quote" /><BR /><BR /><b>Warum?</b><BR />Steiner: Weil vor 4 bis 5 Jahren „Low-Carb“ noch gar kein Thema war. Das war noch wirklich eine absolute Nische. Und jetzt merken wir doch: Es kommt ein gewisses Verständnis davon auf, dass wir möglichst einen stabilen Blutzucker im Alltag brauchen. Ich bin überzeugt, dass „Low-Carb“ keine Modeerscheinung ist, sondern notwendig sein wird, weil die Ernährung momentan in eine falsche Richtung geht. Das sehen wir an den Zahlen der übergewichtigen Menschen. Und die Lösung beim Abnehmen sind keine Wundermittel wie die Abnehmspritzen, die dann doch nicht helfen oder Nebenwirkungen zeigen. Die Lösung muss sein, dass, wenn es schon ein bequemer Weg sein soll, die Lebensmittel schmackhaft und funktional sein müssen.