Dienstag, 17. Juli 2018

Online-Kauf: Wer haftet für Verlust oder Schaden an der Lieferung?

Man kauft ein teures Produkt im Internet – und es kommt beschädigt oder sogar überhaupt nie an. Was nun? Die Verbraucherzentrale Südtirol (VZS) erklärt anhand eines praktischen Beispiels, wer in welchem Fall für Verlust oder Schäden an der Ware aufkommt.

Die VZS gibt Tipps, um unangenehme Überraschungen beim Online-Kauf zu vermeiden.
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Die VZS gibt Tipps, um unangenehme Überraschungen beim Online-Kauf zu vermeiden. - Foto: © shutterstock

Paul hat online ein Smartphone bestellt. Obwohl der Händler die Ware sofort verschickt hat,lässt die Lieferung auf sich warten. Schließlich wird dem Verbraucher mitgeteilt, dass der Kurierdas Smartphone verloren hat.

Paul wendet sich an das Europäische Verbraucherzentrum (EVZ)in Bozen und möchte wissen, wer für den Verlust des teuren Geräts haftet.Um diese Frage beantworten zu können, muss man zunächst zwischen dem Kauf von einem Unternehmen und dem Kauf von einer Privatperson unterscheiden.

Der Kauf vom Händler 

Beim Kauf von einem Händler wird die Haftung vom Verbraucherkodex (Codice del Consumo) geregelt. Dieser sieht vor, dass das Risiko für den Verlust oder die Beschädigung der Ware erst dann auf den Verbraucher übergeht, wenn dieser oder ein von ihm benannter Dritter die Ware in Empfang genommen hat. Bis zu diesem Zeitpunkt trägt der Verkäufer das Risiko und er muss dem Käufer den Verlust beziehungsweise die Beschädigung der Ware ersetzen. Im Fall von Paul muss der Händler ihm also ein neues Smartphone schicken oder den Kaufpreis erstatten.

Der Kauf von Privatpersonen

Anders ist die Situation beim Warenkauf von einer Privatperson. Da es sich bei diesem Kauf um kein Verbrauchergeschäft handelt, ist nicht der Verbraucherkodex anwendbar, sondern das italienische Zivilgesetzbuch. Dieses sieht vor, dass die Haftung für den Verlust bzw. die Beschädigung der Ware mit der Übergabe derselben vom Verkäufer an den Lieferanten übergeht; letzterer haftet bis zu dem Zeitpunkt, an dem er die Ware beim Empfänger abliefert. Hätte Paul also das Smartphone von einer Privatperson gekauft, müsste diese ihm nicht den Kaufpreis erstatten; er müsste mithilfe des Verkäufers, beim Spediteur ein Beschwerdeverfahren eröffnen, damit dieses ihm den Kaufpreis ganz oder teilweise erstattet.

Fazit: Beim Kauf von einem Unternehmen ist der Verbraucher wesentlich besser geschützt als beim Kauf von einer Privatperson. Was die Lieferzeit anbelangt, so sieht der Verbraucherkodex vor, dass die bestellte Ware innerhalb von 30 Tagen ab der Bestellung geliefert werden muss, sofern kein anderer Liefertermin vereinbart.

Die Verbraucherzentrale rät daher, immer im Voraus abzuklären, ob es sich bei Verkäufer um ein Unternehmen oder eine Privatperson handelt.

Der heikle Punkt zerbrechliche oder teure Waren 

Zerbrechliche und teure Ware sollten Verbraucher außerdem nur mit Vorbehalt akzeptieren, auch wenn die auch wenn die Verpackung von außen in einem perfekten Zustand erscheint:  Manchmal sind durch die Lieferung verursachte Schäden von außen nicht sichtbar. Außerdem sollte man in diesem Fall auch einen versicherten versand in Erwägung ziehen. Er ist zwar teurer, erspart den Verbraucher aber nervenauftreibende Auseinandersetzungen mit dem Verkäufer.

Ist die Ware bereits bereits bei der Lieferung beschädigt, so sollte man es sich schriftlich bestätigen lassen oder die Annahme verweigern.

Das Öffnen der Verpackung, gerade bei zerbrechlichen und teuren Waren, sollte anhand von Fotos beziehungsweise einer Videoaufzeichnung dokumentiert werden, rät die VZS. So verfügt man im Streitfall über Beweismaterial. Waren sollten stets auf Vollständigkeit, Funktionsfähigkeit und Richtigkeit geprüft werden. Wurde nicht alles, etwas Falsches oder eine mangelhafte Ware geliefert, können Verbraucher  sofort schriftlich beim Verkäufer reklamieren.

stol

 

 

stol