Dienstag, 25. Februar 2020

Otmar Michaeler: „Es gab keinen Druck“

Nachdem Generaldirektor Johannes Schneebacher im Oktober bekanntgab, dass er mit Ende März die Volksbank verlassen wird, hat nun auch Präsident Otmar Michaeler betont, nicht mehr zu kandidieren. „Es gab aber keinen Druck“, sagt Michaeler im Interview mit den „Dolomiten“, weder von der Banca d'Italia noch von Aktionären.

Otmar Michaeler: „Es gibt nie den idealen Moment eines Wechsels.“
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Otmar Michaeler: „Es gibt nie den idealen Moment eines Wechsels.“ - Foto: © DLife/LO
„Dolomiten“: Herr Michaeler, Ihre Ankündigung, nicht mehr für den Verwaltungsrat anzutreten, kommt wohl für die meisten überraschend. Was ist der Hintergrund?

Otmar Michaeler: Es ist eine Entscheidung, die sich in den letzten Monaten angebahnt hat. Die Volksbank hat sich in den vergangenen Jahren von einer Südtiroler Bank zu einer der führenden Regionalbanken im Nordosten Italiens entwickelt. Gleichzeitig mussten wir die Transformation von einer Genossenschaftsbank in eine Aktiengesellschaft vornehmen. Ich war dabei immer derjenige, der sagte, dass es für die Bank entscheidend ist, dass sich ein Kernaktionariat bildet.


„D“: Und das ist nun passiert?

Michaeler: Ja, das Kernaktionariat hat sich gebildet. Daher bin ich zum Schluss gekommen, dass nach 12 Jahren im Verwaltungsrat und nach 10 Jahren als Präsident ein Zyklus abgeschlossen und für mich und die Bank ein guter Zeitpunkt für einen Wechsel gekommen ist.


„D“: Die Volksbank musste im Geschäftsjahr 2019 einen Verlust von 84,4 Millionen Euro hinnehmen (die „Dolomiten“ haben am 8. Februar berichtet, siehe Digitalausgabe). Sie verstehen, dass die Optik schief ist, gerade jetzt nicht mehr zur Wahl anzutreten?

Michaeler: Es gibt nie den idealen Moment eines Wechsels. Fakt ist, und das ist entscheidend, dass die Volksbank noch nie so stabil und solide aufgestellt war, wie sie es jetzt ist. Das sieht man auch, wenn man sich die Zahlen genau anschaut. Und schlussendlich zählt nur das. Daher bin ich überzeugt, dass es jetzt richtig ist, einen Zyklus zu beenden und mich nicht mehr der Wahl zu stellen. Zudem ist es so, dass ich ein Unternehmen mit rund 2500 Mitarbeitern leite (Falkensteiner Michaeler Tourism Group, Anm. d. Red.), und sich beide Aufgaben vom Arbeitsaufwand her immer schwieriger bewältigen ließen. War ich zu Beginn meiner Präsidentschaft nur einen Wochentag bei der Volksbank tätig, sind es mittlerweile 2 volle Wochentage. Das lässt sich irgendwann nicht mehr vereinen.


„D“: Wie groß war der Druck der Banca d'Italia, dass Sie sich nicht mehr der Wahl stellen?


Michaeler: Es gab überhaupt keinen Druck. Wir hatten in der vergangenen Woche einen Besuch bei der Banca d'Italia, wo ich mitgeteilt habe, mich nicht mehr der Wahl zu stellen.

„D“: Und der Druck von bestimmten Volksbank-Aktionären, die Sie nicht mehr als Präsident sehen wollen?

Michaeler: Diesen Druck gab es ebenfalls nicht.


„D“: Sind Sie nach wie vor überzeugt davon, dass die Übernahme der Banca Popolare di Marostica ein guter Deal war?

Michaeler: Auf jeden Fall. Mit dieser Übernahme haben wir uns außerhalb von Südtirol einen zweiten Heimatmarkt geschaffen. Es ist wirtschaftlich wesentlich sinnvoller eine Bank zu übernehmen, als einzelne Filialen zu kaufen. Die Kennzahlen bestätigen, dass die Bank durch die Übernahme der Banca Popolare di Marostica deutlich gewachsen ist.


„D“: Wie wird die Volksbank in 5 Jahren dastehen?


Michaeler: Die Volksbank ist gut aufgestellt. Ich bin auch überzeugt, dass das Südtiroler Bankensystem insgesamt gut vorbereitet ist für die Zukunft und diese selbst steuern kann. Man muss aber immer gewappnet sein.

„D“: Gewappnet, dass eine Lokalbank nicht von einer Großbank übernommen wird?

Michaeler: Lokalbanken müssen diesbezüglich immer auf der Hut sein, das sieht man derzeit ja bestens am Beispiel UBI Banca. Daher wird man sich aktiv Gedanken machen müssen, wie man das Thema „Finanzplatz Südtirol“ weiterentwickelt.


„D“: Das klingt jetzt wieder nach möglichen, künftigen Fusionen zwischen Südtiroler Banken...

Michaeler: Sowohl die Volksbank als auch die Sparkasse werden die kommenden ein, 2 Jahre ihren eigenen Weg gehen. Gleichzeitig soll man sich aber auch Gedanken über den Südtiroler Finanzplatz der Zukunft machen und in diesen Überlegungen gibt es für mich nicht nur Volksbank und Sparkasse. Man muss sich generell darüber Gedanken machen, wie man den Finanzplatz so sichern kann, wie er heute ist.

stol