Mittwoch, 11. Mai 2016

Outlet-Chef packt aus: „Ein Protest kostet uns 200.000 Euro“

Seit 1. April 1998 wird am Brenner nicht mehr kontrolliert. Seitdem haben viele das Dorf verlassen. Mit seiner Neuerfindung als Einkaufsparadies zog wieder Leben und Geld in die Gemeinde. Nun verhageln die Demonstranten das Geschäft.

Mehr als die geplanten Grenzkontrollen machen die Demonstrationen Maximilian Wild Sorgen. Seit April verhageln sie ihm das Geschäft. - Foto: D
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Mehr als die geplanten Grenzkontrollen machen die Demonstrationen Maximilian Wild Sorgen. Seit April verhageln sie ihm das Geschäft. - Foto: D

1,7 Millionen Besucher pro Jahr zählt laut Management das 2012 neu durchgestartete „Outlet Center“ mit seinen 60 Shops, die bald auf 70 aufgestockt werden sollen. 45 Millionen Euro haben Unternehmer aus Österreich und Italien in das Projekt investiert.

Die Umsätze sieht Outlet-Geschäftsführer Maximilian Wild wegen der geplanten Grenzkontrollen nicht in Gefahr. „Das werden reine Sichtkontrollen, die machen uns keine Sorge“, sagt er in einem Bericht der deutschen Presseagentur dpa. Die Mautstation in Sterzing sei die viel größere Geduldsprobe für die Autofahrer, meint der Manager in dem Artikel.

Seit Anfang April drei Demos

Weniger entspannt ist der 60-Jährige angesichts der nun häufigen Demonstrationen gegen die Grenzkontrollen. Schon dreimal seit Anfang April verhagelte der von italienischen Demonstranten organisierte Protest das Geschäft – erst am Wochenende gab es wieder gewalttätige Randale. „Ein Protesttag kostet uns 200.000 Euro Minimum“, sagt Wild.

Foto: DLife

 

„Italiener kommen nicht mal mehr zum Tanken“

Auch andere Geschäftsleute sind wenig erbaut – über die Proteste wie über das mediale Scheinwerferlicht. „Der Brenner wird schlecht geredet“, meint der Shop-Besitzer Christian Stecher. Seit 15 Jahren betreibt er sein Sportgeschäft und sieht aktuell einen Tiefpunkt erreicht. „Nicht einmal zum Tanken kommen die Italiener noch.“

Critelli: Zaun als Demonstranten-„Magnet“

Aus Sicht von Luca Critelli, Leiter der Abteilung Soziales, wäre ein Zaun in jeder Hinsicht töricht. „Die meisten Flüchtlinge versuchen, mit der Bahn über die Grenze zu kommen. Da hilft ein Zaun gar nichts.“ Und: „Eine solche Befestigung wäre ein Magnet für jeden Protest.“

Südtirol will nicht kalt erwischt werden, sollte es zu Kontrollen und Zurückweisungen von Flüchtlingen kommen. „Wir haben Pläne in der Schublade“, sagt Critelli. Dabei gehe es um die Verteilung von Flüchtlingen auf Gemeinden in Grenznähe aber auch im Raum Trient, heißt es im dpa-Artikel. Wie berichtet, werden in Südtirol aktuell 700 Plätze in Unterkünften für neue Asylbewerber gesucht.

dpa/stol

stol