Samstag, 03. September 2016

Oxfam fordert schärferen Kampf gegen Steuertricks großer Konzerne

Die G20-Staaten müssen nach Forderungen der Entwicklungsorganisation Oxfam stärker für Steuergerechtigkeit in der Welt sorgen.

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Das bereits angenommene Programm gegen Steuertricks und Gewinnverlagerungen (BEPS) sei zwar „ein Schritt vorwärts“, doch müssten jetzt auch die Entwicklungsländer eingebunden werden, sagte der Sprecher von Oxfam, Jörn Kalinski, am Samstag vor dem Gipfel führender Industrie- und Schwellenländer (G20) im ostchinesischen Hangzhou in einem Telefongespräch mit der Deutschen Presse-Agentur.

„Die Entwicklungsländer verlieren jedes Jahr mindestens 100 Milliarden US-Dollar (90 Milliarden Euro) durch Steuervermeidung von multinationalen Konzernen“, sagte Kalinski vor dem Treffen der Staats- und Regierungschefs. „Das ist annähernd so viel wie die internationale Entwicklungshilfe in Höhe von 135 Milliarden US-Dollar, was die Dimension des Problems verdeutlicht.“

Oxfam fordere „BEPS Plus“, eine zweite Runde von Reformen, die den für Entwicklungsländer desaströsen internationalen Steuerwettlauf nach unten beende und echte globale Steuergerechtigkeit schaffe. Kalinski kritisierte, dass Bilanzlegungen, aus denen hervorgeht, in welchen Ländern Konzerne Gewinne erwirtschaften und wo sie welche Steuern zahlen, nach dem BEPS-Programm nicht öffentlich seien.

„Genau das ist aber unverzichtbar, um Steuervermeidung von Konzernen tatsächlich zu beenden“, sagte der Oxfam-Sprecher. „Steuerskandale, wie sie durch Whistleblower in den Panama Papers oder den Lux-Leaks aufgedeckt wurden, haben das gerade erst gezeigt.“ Mehr Transparenz könne Steueroasen die Geheimhaltung und damit einen wichtigen Teil ihrer Geschäftsgrundlage entziehen.

Kalinski erwähnte in diesen Zusammenhang öffentliche länderbezogene Berichterstattung sowie frei zugängliche Register über die tatsächlichen Eigentümer von Briefkastenfirmen.

dpa

stol