Im Jahr 2024 nahmen exakt 4.703 Arbeitnehmer im Privatsektor in Trentino-Südtirol den obligatorischen Vaterschaftsurlaub in Anspruch. Dabei handelt es sich um die gesetzlich vorgeschriebenen 10 Tage, die der Vater unmittelbar nach der Geburt nehmen muss. Damit lag die Zahl leicht unter den Vorjahren: 2023 waren es 4.897 Väter, 2022 noch 4.979. Dieser Rückgang dürfte laut Afi vor allem mit dem allgemeinen Geburtenrückgang zusammenhängen.<h3> Nur vier Wochen</h3>Gleichzeitig zeigt sich bei der fakultativen Elternzeit der Väter – also der zusätzlichen, freiwilligen Auszeit, die über die ersten 10 Tage hinausgeht – ein klarer Aufwärtstrend. Zwischen 2021 und 2024 stieg der Männeranteil unter den Beziehern dieser freiwilligen Urlaubsmonate von knapp 24 Prozent auf über 38 Prozent. Allerdings bleiben diese „Papi-Zeiten“ überschaubar. Während Frauen durchschnittlich 72 Tage Elternzeit in Anspruch nehmen, kommen Männer im Schnitt auf nur rund 28 Tage.<BR /><BR />Der Hauptgrund für den jüngsten Anstieg dürfte laut Afi der wesentlich attraktivere Lohnausgleich sein. Mit den italienischen Haushaltsgesetzen 2023 und 2024 wurde die Lohnfortzahlung für einen Teil der fakultativen Elternzeit von den üblichen 30 auf 80 Prozent des Gehalts angehoben (für den ersten Monat ab 2023 und seit 2024 teilweise auch für den zweiten Monat, sofern diese innerhalb der ersten sechs Lebensjahre des Kindes genutzt werden). Mit 2025 wurde der 80-Prozent-Ausgleich dann auf drei Monate erhöht. Dieser höhere Einkommensersatz macht es für viele Familien – und insbesondere für Väter – finanziell erst möglich, sich für die Zeit mit dem Nachwuchs zu entscheiden.<BR /><BR />Auch beim Landesfamiliengeld+, einer zusätzlichen Unterstützung des Landes für Väter in der Privatwirtschaft, steigt die Nachfrage. 2025 nutzten 102 Papis diese Möglichkeit, im Jahr zuvor waren es 76 gewesen. In 65 Fällen wurden 800 Euro ausbezahlt, in 37 Fällen 1.200 Euro. Gemessen an rund 4.500 Neugeborenen pro Jahr in Südtirol bleibt die Inanspruchnahme allerdings weiterhin vergleichsweise gering.<h3> Andere Länder machen es vor </h3>„Europäische Erfolgsmodelle zeigen uns klar, worauf es ankommt“, erklärt Afi-Direktor Stefan Perini. Als Beispiele nennt das Institut vor allem die nordischen Länder mit ihren „Use it or lose it“-Regelungen, bei denen exklusive Kontingente für Väter bei Nichtnutzung verfallen. Auch Spanien gilt inzwischen als Vorbild: Dort haben Väter Anspruch auf 19 Wochen Auszeit bei voller Lohnfortzahlung – 2025 beantragten dort laut Afi sogar mehr Männer als Frauen diese Zeit.<BR /><BR />„Daran sieht man, dass in kürzester Zeit sehr viel Veränderung möglich ist“, so Perini zu den „Dolomiten“. Für den Afi-Chef gibt es vier entscheidende „Booster“ für die Elternzeit der Papis: „Erstens exklusive Väter-Monate, zweitens ein hoher Lohnausgleich zwischen 80 und 100 Prozent, um Einkommensverluste abzufedern, drittens Bonus-Wochen für Eltern, die sich die Betreuung teilen, und viertens maximale Flexibilität bei der Inanspruchnahme.“ Ergänzt werden müsse dies um einen Kulturwandel in den Unternehmen.<h3> „Positive Wirkung auf die Gesellschaft</h3> “<BR /><BR />„Wenn Väter von Anfang an Zeit für ihre Kinder haben, stärkt das nicht nur die Familien, sondern wirkt sich auch positiv auf unsere Arbeitswelt und unsere Gesellschaft insgesamt aus. Eine frühe und aktive Rolle von Vätern fördert eine partnerschaftliche Aufteilung von Verantwortung und ist ein wichtiger Schritt hin zu mehr Gleichstellung“, so Familienlandesrätin Rosmarie Pamer. Gleichstellung gelinge dort, wo Fürsorgearbeit nicht als Aufgabe einzelner gesehen werde, sondern als gemeinsame Verantwortung von Eltern, Arbeitswelt und Gesellschaft. „Noch nutzen viele Väter die bestehenden Möglichkeiten jedoch zu wenig. Deshalb ist es mir ein besonderes Anliegen, darauf aufmerksam zu machen und Väter zu ermutigen, diese Zeit bewusst zu nutzen“, sagt Pamer.<BR /><BR />„Aktuelle Studien belegen: Mütter würden gerne mehr arbeiten, Väter hingegen mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen. Beide Seiten würden also von einer Entwicklung in dieser Richtung profitieren – mit dem Ergebnis einer gerechteren und solidarischeren Gesellschaft“, unterstreicht Christa Ladurner, Soziologin beim Forum Prävention und Sprecherin der Allianz für Familie.