Donnerstag, 04. Juni 2020

Pinzger: „Sind von Österreichs Entscheidung schwer enttäuscht“

Am gestrigen Mittwoch hat Italien seine Grenzen für ausländische Touristen geöffnet. Auch zwischen den Regionen herrscht wieder Reisefreiheit. Nur Österreich hält die Grenzen zu Italien weiter geschlossen. STOL hat bei HGV-Präsident Manfred Pinzger nachgefragt, welche Auswirkungen diese Entscheidung auf den Südtiroler Tourismus hat.

Manfred Pinzger: „Der Tourismus wird nur zaghaft hochgefahren.“
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Manfred Pinzger: „Der Tourismus wird nur zaghaft hochgefahren.“ - Foto: © DLife/DF
Interview: Philipp Trojer

STOL: Südtirols Hotels durften vor 10 Tagen wieder ihre Tore öffnen. Was hat sich seitdem in den Gastbetrieben getan und wie kommen sie mit den Sicherheitsmaßnahmen zurecht?

Manfred Pinzger: Die Tourismusbranche in Südtirol wird nur zaghaft nach oben gefahren: Nach wie vor haben nur rund 20 Prozent der Beherbergungsbetriebe geöffnet. Von unseren Mitgliedern bekommen wir die Rückmeldung, dass die Sicherheitsvorkehrungen gewissenhaft umgesetzt werden. Die Hotels sind gut vorbereitet, haben sich mit Schutzausrüstung und Desinfektionsmittel eingedeckt und für die Einhaltung der Sicherheitsabstände gesorgt. Damit sind sie für den Neustart bestens gerüstet.

STOL: Seit dem gestrigen Mittwoch darf man sich in Italien wieder frei zwischen den Regionen bewegen und auch ausländische Touristen dürfen wieder nach Italien einreisen. Wie hat sich das auf die Buchungslage in den Südtiroler Hotels ausgewirkt?

Pinzger: Man hat gemerkt, dass das Interesse an der Tourismusdestination Südtirol angestiegen ist, als der 3. Juni von Premier Conte als Öffnungsdatum festgelegt wurde. Seitdem gibt es deutlich mehr Anfragen von Touristen. Das effektive Buchungsverhalten ist aber weiterhin verhalten.

STOL: Werden auch Gäste aus der Lombardei aufgenommen?

Pinzger: Im HGV gibt es keine prinzipielle Handhabe für Gäste aus der Lombardei. Wir gehen davon aus, dass Touristen auch im eigenen Interesse ihren Urlaub nur dann antreten, wenn sie sich abgesichert haben, dass sie nicht mit dem Coronavirus infiziert sind und sich schon vor der Abreise testen lassen. Trotzdem empfehlen wir unseren Mitgliedern im HGV, Touristen aus Regionen wie der Lombardei, in denen es noch immer vergleichsweise viele Neuinfektionen gibt, einen freiwilligen Gratistest anzubieten. Flächendeckende Tests für alle Touristen, wie sie der Landeshauptmann angekündigt hatte, werden hingegen nur sehr schwierig umsetzbar sein.

STOL: Für Hotels, die eine „Covid-Protected-Area“ einrichten, sollte es auch möglich sein, ihren Spa-Bereich zu öffnen. Wie haben sich die Hotels darauf vorbereitet?

Pinzger: Aktuell hoffen wir darauf, dass es demnächst auch bei uns möglich sein wird Saunen und Hallenbäder unter strengen Sicherheitsmaßnahmen zu öffnen, ohne dass alle Kriterien für eine „Covid-Protected-Area“ eingehalten werden müssen. Zu diesen Kriterien würde auch ein serologischer Test für die Gäste gehören, was sich kaum umsetzen ließe. Wir hoffen nun also, dass die Spa-Bereiche bald unter den „normalen“ Corona-Vorschriften öffnen dürfen. Die Gespräche dazu mit den Entscheidungsträgern sind im Gange.

STOL: Was erhoffen Sie sich vom Sommertourismus in diesem Jahr?

Pinzger: Sicherlich wird dieses kein einfaches Jahr für den Tourismus. Wir gehen davon aus, dass die Buchungen vor allem in der Anfangsphase, also Juni und Juli, noch verhalten ausfallen werden. Wir hoffen darauf, dass der Tourismus dann mit Mariä Himmelfahrt wieder durchstarten kann.


STOL: Was halten Sie vom österreichischen Weg?

Pinzger: Wir sind schwer enttäuscht von der Entscheidung, die Bundeskanzler Kurz gestern (Mittwoch) getroffen hat. Aufgrund der Gespräche zwischen der Südtiroler und der österreichischen Politik hatten wir uns eine Öffnung auch für Südtirol erwartet. Dass Österreich nun seine Grenzen für alle öffnet, außer für Italien und damit auch nicht für Südtirol, stößt auf völliges Unverständnis im HGV. Besonders, weil Südtirol deutlich bessere Corona-Zahlen vorweisen kann als manch andere Alpenregion. Daher ist es völlig unverständlich, dass keine Lösung für Südtirol gefunden werden kann, wir halten die ewigen Vertröstungen von Seiten Österreichs für eine katastrophale Ausrede.

pho

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