Donnerstag, 19. November 2020

Pinzger: „Wintersaison? Nicht vor Weihnachten“

Die Coronakrise hat Südtirol immer noch fest im Griff. Der Start der Wintersaison rückt damit immer weiter nach hinten, wie der Präsident des Hoteliers- und Gastwirteverbandes (HGV), Manfred Pinzger, sagt. Statt Anfang Dezember werde es wohl eher Weihnachten werden, meint er im Interview mit dem Tagblatt „Dolomiten“.

Manfred Pinzger.
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Manfred Pinzger. - Foto: © DLife/RM
Interview: Arnold Sorg

„Dolomiten“: Herr Pinzger, die aktuelle Verordnung des Landeshauptmanns und damit die Schließung der Hotels und Gastronomiebetriebe ist vorerst bis zum 22. November in Kraft. Viele Betriebe bereiten sich derzeit schon auf den Start der Wintersaison mit Anfang Dezember vor. Wie realistisch ist das angesichts der Infektionszahlen?


Manfred Pinzger: Wenn wir uns die aktuelle Infektionslage in Südtirol anschauen, dann gehe ich davon aus, dass der Start in die Wintersaison, was den Wintersport anbelangt, am 8. Dezember absolut unrealistisch erscheint.

„D“: Wie viel geht den Hotels und Gastronomiebetrieben durch diesen Ausfall an Umsätzen verloren?

Pinzger: Wenn man bedenkt, dass die Christkindlmärkte wegfallen, dann ist das ein schwerer Schlag für die Stadthotellerie und die dortige Gastronomie, also die Restaurants und Bars. Dann muss man bedenken, dass heuer auch die ganzen Weihnachtsessen der verschiedenen Unternehmen wegfallen, zudem finden keine Messen statt. Der Hotellerie und der Gastronomie gehen viele Millionen Euro an Umsatz verloren. Wir fühlen uns derzeit total an den Pranger gestellt. Unsere Betriebe haben viel in die Sicherheit der Gäste investiert, haben versucht alle Regeln einzuhalten, und trotzdem mussten unsere Betriebe am 3. November schließen und müssen gleichzeitig zuschauen, wie andere Sektoren weiterarbeiten können.

„D“: Es herrscht also Neid zwischen den Sektoren?

Pinzger: Ich würde von einem Ungleichgewicht und von Unverständnis sprechen. Unsere Betriebe sind die ersten, die schließen mussten, und wahrscheinlich wohl wieder die letzten, die aufsperren dürfen.

„D“: Werden einige Betriebe diesen zweiten Lockdown nicht überleben?

Pinzger: Wir müssen uns ja dem Wettbewerb mit unseren Mitbewerbern im gesamten Alpenraum stellen. Wenn man sieht, dass es in Österreich oder in Deutschland innerhalb kürzester Zeit Ausfallzahlungen für den entgangenen Umsatz im November von 80 Prozent gibt, dann werden wir uns immer schwerer tun. Bei uns fallen bei den staatlichen Unterstützungsmaßnahmen sehr viele Betriebe durch den Rost.

„D“: Inwiefern?

Pinzger: Was die staatliche Unterstützung anbelangt, so wird der Umsatzrückgang im April 2020 als Bezugsgröße hergenommen – sei es beim „decreto rilancio“, als auch beim jüngsten „decreto ristori“. Der April ist in Südtirol aber nun einmal ein Übergangsmonat, in dem viele Gastronomie- und Beherbergungsbetriebe geschlossen haben und damit null Umsatz aufweisen können. Das bedeutet, dass diese Betriebe, und das sind nicht wenige, bis heute keinen einzigen Cent an öffentlicher Unterstützung bekommen haben, während viele Bürger meinen, der Tourismus und die Wirtschaft insgesamt werden mit öffentlichen Hilfsgeldern zugeschüttet. Für viele Betriebe gibt es bis heute keine Unterstützung, die ihnen irgendeine Perspektive bieten würde.

„D“: Das Land hat vielen Betrieben im Frühjahr aber einen Verlustbeitrag gewährt...

Pinzger: Das stimmt zwar, aber das hat nur die Betriebe von bis zu 5 Mitarbeitern betroffen. Die mittelgroßen Betriebe, wie sie in Südtirols Tourismus üblich sind, haben bis heute nichts an öffentlichen Hilfsgeldern bekommen. Daher fordern wir nun mit aller Vehemenz, dass die Landesregierung ihr Versprechen hält und die Betriebe entschädigt.

„D“: Von welchem Versprechen reden Sie?


Pinzger: Sowohl der Landeshauptmann, als auch der Wirtschafts- und der Tourismuslandesrat haben letzthin des Öfteren betont, dass diejenigen Betriebe, die bei den staatlichen Hilfen durch den Rost fallen, und das sind gar einige, vom Land entschädigt werden, dass das Land also Ausgleichszahlungen gewährt. Von dieser Forderung gehen wird nicht mehr ab. Wenn es keine Unterstützung gibt, dann stehen viele Gastronomie- und Beherbergungsbetriebe vor existenziellen Problemen.

„D“: Von der Landesregierung hat es aber auch geheißen, dass im Haushalt wenig Geld für weitere Beiträge übrig ist...

Pinzger: Wir verlangen auch nicht neue Beiträge, sondern eine Unterstützung für jene Betriebe, die vom Staat nichts bekommen. Das ist vom Landeshauptmann und den Landesräten so versprochen worden und das fordern wir auch mit aller Vehemenz ein.

„D“: Der Hoteliers- und Gastwirteverband fordert vom Land also Ausfallzahlungen in Höhe von 80 Prozent des Umsatzes wie in Deutschland und in Österreich?

Pinzger: Die 80 Prozent wird das Land Südtirol aufgrund der beschränkten Geldmittel wahrscheinlich nicht schultern können. Aber es braucht Ausfallzahlungen in angemessener Höhe. Zudem muss das Land aufhören, jede Hilfe an Bedingungen zu knüpfen.

„D“: Was meinen Sie?

Pinzger: Im restlichen Staatsgebiet wird die zweite Rate der Gemeindeimmobiliensteuer GIS komplett ausgesetzt. Bei uns wird das an Bedingungen geknüpft. Warum will man unsere Betriebe schlechter stellen, als auf Staatsebene? Das geht nicht und das werden wir auch nicht mehr akzeptieren.

„D“: Herr Pinzger, Sie haben eingangs gesagt, ein Start in die Wintersaison am 8. Dezember ist unrealistisch. Wann glauben Sie, dass es soweit sein wird?

Pinzger: Wir hoffen, dass wir zu Weihnachten starten können.

sor

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