Mittwoch, 15. April 2020

Plexiglas-Boxen am Strand von Rimini: Wie finden Sie die Idee?

Die Italiener suchen nach Lösungen, um den Strandurlaub trotz Coronavirus zu retten und zeigen sich erfinderisch. Eine Firma in Modena sorgt für Aufsehen mit dem Vorschlag, Badeanstalten mit Plexiglas-Boxen auszustatten, in denen sich Menschen sonnen können, ohne mit anderen in Kontakt zu treten. Tourismusminister Dario Franceschini kündigte unterdessen Hilfsmaßnahmen an. Auch Urlaubsvoucher für meerwillige Italiener sind im Gespräch.

Wenn es denn einen Strandurlaub geben sollte in diesem Sommer, dann wird er etwas anders ausfallen als gewohnt. Im Bild: Der Strand von Rimini
Wenn es denn einen Strandurlaub geben sollte in diesem Sommer, dann wird er etwas anders ausfallen als gewohnt. Im Bild: Der Strand von Rimini - Foto: © shutterstock
Die Boxen aus Plexiglas und Aluminium sind 2 Meter hoch, 4,5 Meter breit und mit einer Eingangstür ausgestattet, berichtete die Firma „Nuova Neon Group 2“. Der Raum genüge für 2 Liegestühle und einen Sonnenschirm. Damit sollen die Menschen getrennt entspannen können und Covid-19-Infektionen vermieden werden.



Der Vorschlag löste eine erzürnte Reaktion der Bademeister in Rimini aus. „Das ist ein unannehmbarer Vorschlag. Jeder, der den Strandtourismus kennt, weiß, dass man Menschen bei 40 Grad unmöglich in einer Plexiglas-Box einschließen kann“, protestierte Mauro Vanni, Präsident der Genossenschaft der Bademeister von Rimini.



Die Badeanstalten forschen weiter nach Lösungen, um die Sommersaison zu retten. So denken einige an Tunnels, durch die die Badegäste zum Strand gehen müssen – und in denen sie mit Desinfizierungsmittel besprüht werden. „Wir werden uns an die Vorschriften halten und zugleich nach Lösungen suchen, die den Tourismus fördern können“, sagte Vanni.

Bangen um die Sommersaison

Die Badeanstalten an den italienischen Stränden sehen mit Bangen der kommenden Sommersaison entgegen. Es sei wegen des bis 3. Mai laufenden „Lockdown“ nicht möglich, die Instandhaltungsarbeiten vor Saisonbeginn durchzuführen. Sollte die Ausgangssperre über Anfang Mai hinaus bis Juni verlängert werden, wäre die Sommersaison verloren, warnte Vanni. „Strände sind normalerweise bevölkert. Im Urlaub sucht man Kontakt. Wenn man Vorbeugungsmaßnahmen am Strand respektieren muss, dann überlegt man es sich, überhaupt Urlaub zu machen“, klagte Vanni.

Die Staatssekretärin im Tourismusministerium, Lorenza Bonaccorsi, versicherte, wie berichtet, dass die Italiener im Sommer nicht auf den Strand verzichten müssen. Sie arbeite gemeinsam mit Wissenschaftern zur Ergreifung von Maßnahmen, die soziale Distanz garantieren können.

Tourismusminister Dario Franceschini betonte, dass die italienische Regierung noch im April ein Dekret mit Hilfsmaßnahmen für den Tourismus erlassen wolle. Der Minister schlug die Einrichtung eines europäischen Sonderfonds zur Stützung des von der Krise schwer getroffenen Tourismus vor. Franceschini meinte, die Branche solle sich gut vorbereiten, um Urlauberströme im Sommer aufnehmen zu können, die vor allem aus Italienern bestehen werden, und dabei gleichzeitig Anti-Covid-Maßnahmen zu berücksichtigen.

400 Euro-Voucher

Diskutiert wird in Italien auch über den Vorschlag einiger Touristikverbände, an die Italiener „Urlaubsvoucher“ zu verteilen. Mit einem Bonus von bis zu 400 Euro sollen Italiener nach Ende des Lockdown bei der Buchung eines Sommerurlaubs in Italien unterstützt werden.


apa/stol

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