Sonntag, 29. Januar 2017

Plose: Vom Ende kein Anfang in Sicht

Ein Mann strahlte am Samstag mit der Sonne auf der Plose um die Wette: Alessandro Marzola. Der Geschäftsführer der Plose Ski AG eröffnete zusammen mit Landesrat und Bürgermeister die neue Kabinenbahn Pfannspitze ein. Kommt jetzt noch das Speicherbecken, ist der Skibetrieb gesichert, sagt jener Mann, der noch vor zwei Jahren meinte: „Aus unserer Sicht ist der Skiberg Plose gestorben.“ Was ist geschehen?

Die Plose in einem Winter vor mehreren Jahren. Naturschnee fehlt auch heuer. Mit Winter 2018/2019 soll ein neues Wasserspeicherbecken für die Produktion von Kunstschnee in Betrieb gehen.
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Die Plose in einem Winter vor mehreren Jahren. Naturschnee fehlt auch heuer. Mit Winter 2018/2019 soll ein neues Wasserspeicherbecken für die Produktion von Kunstschnee in Betrieb gehen. - Foto: © D

Einen Landesbeitrag von 75 Prozent für den Bau einer Bahn finde er falsch, sagt Marzola. Eine interessante Aussage für einen Mann, der in diesem Winter genau so eine Bahn in Betrieb genommen hat. Die 10er-Kabinenbahn auf die Pfannspitze ersetzt zwei alte 3er-Sessellifte, 24 Stützen, 229 Sessel. Statt in 15 Minuten in windiger und kalter Lage geht’s jetzt in knapp 5 Minuten bis knapp unter den Gipfel, bequem eingepackt in einer der 35 Kabinen. Am Samstag wurde die Bahn eröffnet und Alessandro Marzola ist zufrieden: Genau so eine Bahn habe die Plose gebraucht.

Die neue Kabinenbahn Pfannspitze wurde am Samstag eingeweiht. 

 

2015 schien das Ende des Skibergs nah

Vor zwei Jahren klang das noch anders. Zu Beginn des Februars 2015 hatte der Verwaltungsrat der Plose Ski AG die weiße Flagge gehisst: Wir bauen nicht mehr, wir investieren nicht mehr, wir können nicht mehr. Es brauche so vieles auf der Plose – Beschneiungsanlagen, Wasserspeicherbecken, Schneekatzen – und überall fehle das Geld. 23 Millionen Euro müsse man investieren, rechnete Marzola damals vor. Geld, das, „unter den aktuellen Rahmenbedingungen“ niemand investieren wollte. „Der Zug wurde verpasst“, sagte Marzola deshalb zu STOL. Das Ende des Skibergs Plose – laut dem Geschäftsführer nur noch eine Frage der Zeit.

Geldspritze für die Pfannspitz-Bahn

Die Zeit kam, doch sieht die Antwort auf die Frage heute anders aus als damals befürchtet: Seit dem Hilfeschrei 2015 setzten sich Land und Gemeinde massiv für die Plose ein. Während Marzola auf Gemeindeebene den Stadtrat und die nunmehrige gute Zusammenarbeit zwischen Regierungskoalition und Opposition lobt, kann das Wort „massiv“ auf Landesseite beziffert werden. Im September 2015 beschloss die Landesregierung, die Errichtung der Kabinenbahn Pfannspitz mit einer ordentlichen Geldspritze zu befeuern: 75 Prozent – mehr ist per Gesetz nicht möglich.

Strahlende Gesichter bei der Pfannspitz-Bahn-Einweihung. Im Bild unter anderem: Brixens Bürgermeister Peter Brunner, LR Florian Mussner und Alessandro Marzola 

 

Neue Bahn für Sommer- und Wintertourismus wichtig

Baubeginn war im Frühling 2016, seit Winter dreht die Pfannspitz-Bahn nun ihre ersten Runden. „Die Kabinenbahn ist deshalb so wichtig, weil so die Pfannspitze für Skifahrer und für Wanderer gleichermaßen aufgewertet wird“, sagt Plose-Geschäftsführer Marzola. Wintersportler erreichen den 2500 Meter hohen Gipfel nun schneller und bequemer, für den Sommer habe man das unberührte Wandergebiet um den Gabler und zum Würzjoch zugänglich gemacht, sagt Marzola und ergänzt: „Wenn wir jetzt noch das Speicherbecken hinkriegen, dann hat die Plose Top-Voraussetzungen.“

Neues Speicherbecken ab Winter 2018/19

Der Standort für jenes einst umstrittene 70.000 Kubikmeter fassende Wasserspeicherbecken für die Beschneiung der Plose ist mittlerweile gefunden: auf der Rossalm, am Wanderweg „WoodyWalk“. Innerhalb Spätsommer soll die Genehmigung vorliegen, knapp ein Jahr später soll das Speicherbecken dann erstmals seinen Dienst tun. Mit dem Wasser könne man die wichtigsten Pisten der Plose innerhalb von 100 Stunden grundbeschneien, freut sich Marzola, der die Kosten der Gesamtbeschneiung und Pistenpräparierung nur grob schätzen kann – auf circa 1 Million Euro.

„Wir haben ein Gesamtkonzept“

Eine Summe, die künftig wohl nicht kleiner werden wird. Aus schneetechnischer Sicht erlebt die Plose, so nennt es Marzola, „den sechsten schlechten Winter“. Ist eine Aufrüstung – teilweise mit Steuergeld – überhaupt zukunftsträchtig? Ja, sagt Marzola und erklärt: 80 Prozent der Plose-Skipisten liegen über 2000 Meter Meereshöhe, nur die Talabfahrt Trametsch geht tief ins Tal. Im Mai 2018 eröffne zudem „My Arbor“ in St. Andrä, ein Hotel mit 105 Zimmern, das gebe zusätzliche wirtschaftliche Schlagkraft. Eine 75-prozentige Bezuschussung vom Land für eine Kabinenbahn finde er zwar falsch, aber an der Plose stimme nun das Gesamtkonzept, sagt er. Die Stimmung sei viel besser als vor zwei Jahren, es sei viel getan worden, das gebe allen an der Plose viel positive Energie. Energie, die auch alte Ideen neu entfachen könnte. „Die Verbindung Brixen-Plose“, sagt Marzola, „ist sicher ein Thema, das wir in Zukunft, wenn die Plose wieder gesund dasteht, wieder angehen wollen.“

stol/pg

stol