Donnerstag, 31. März 2022

Preisanstiege und Versorgungsengpässe belasten Verarbeitendes Gewerbe

Das Geschäftsklima im Südtiroler Verarbeitenden Gewerbe bleibt eher positiv. Zum Zeitpunkt der Erhebung Ende Februar erwarteten fast 9 von 10 Unternehmen eine zufriedenstellende Ertragslage im Jahr 2022. Das Geschäftsvolumen dürfte heuer weiter zunehmen, aber die Kostenexplosion bei Rohstoffen, Halbfertigprodukten und Energie bringt große Ungewissheit. Dies geht aus dem Wirtschaftsbarometer des WIFO – Institut für Wirtschaftsforschung der Handelskammer Bozen hervor.

Das Verarbeitende Gewerbe war 2021 von Schwierigkeiten bei der Materialbeschaffung betroffen - Foto: © Shutterstock / shutterstock

Das Geschäftsklima im Verarbeitenden Gewerbe bleibt weitgehend positiv: 85 Prozent der Unternehmer sind mit der Ertragslage im Jahr 2021 zufrieden.

Die rasche Erholung dieses Sektors im vergangenen Jahr war durch ein wachsendes Geschäftsvolumen geprägt, sodass fast 2Drittel der Unternehmen ihren Umsatz steigern konnten. Die aktuellen Daten zeigen für den Monat Dezember einen Anstieg des Geschäftsvolumens von mehr als 10 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat.

Die Nachfragedynamik war vor allem auf dem Südtiroler Markt und auf den ausländischen Märkten positiv: 2021 betrug der Gesamtwert der Südtiroler Exporte, ohne landwirtschaftliche Produkte, rund 5,1 Milliarden Euro und somit 17,9 Prozent mehr als im Vorjahr und 12,3 Prozent mehr als im Jahr 2019. Allerdings war der Sektor von Schwierigkeiten bei der Materialbeschaffung betroffen, die in vielen Fällen zu Lieferverzögerungen und höheren Kosten führten. Die Investitionen erholten sich nur teilweise und wurden durch die Ungewissheit aufgrund der steigenden Rohstoff- und Energiepreise gebremst.



Diese Schwierigkeiten werden sich auch im laufenden Jahr fortsetzen. Kurzfristig wird die rasche Zunahme der Kosten zu weiteren Anpassungen der Verkaufspreise führen, um die Gewinnspannen zu halten. Die Umsätze dürften auch infolge dieser Preiserhöhungen weiter zunehmen. Ende Februar, als die Erhebung abgeschlossen wurde, waren 89 Prozent der Südtiroler Betriebe im Verarbeitenden Gewerbe zuversichtlich, heuer ein zumindest befriedigendes Betriebsergebnis zu erzielen.
Die Beschäftigung im Verarbeitenden Gewerbe dürfte im Einklang mit der Nachfrageentwicklung weiter steigen: Im Januar 2022 lag die Zahl der unselbstständig Beschäftigten bei über 34.100 und damit um 1,2 Prozent höher als im Vorjahresmonat.

Das Geschäftsklima im Verarbeitenden Gewerbe ist jedoch sehr heterogen, mit deutlichen Unterschieden zwischen den einzelnen Branchen. Optimismus herrscht vor allem im Textil- und Bekleidungssektor: Fast alle Unternehmen erwarten eine zumindest zufriedenstellende, in 40 Prozent der Fälle sogar eine gute Ertragslage. In der Lebensmittelproduktion bleiben die Aussichten hingegen verhalten und über ein Fünftel der Unternehmen geht auch 2022 von einem unbefriedigenden Betriebsergebnis aus. Die Rentabilitätserwartungen sind auch bei den Druckereien und in der Herstellung von Baumaterialien eher zurückhaltend.



Michl Ebner, Präsident der Handelskammer Bozen, unterstreicht die große Ungewissheit, mit der die Südtiroler Unternehmer einmal mehr rechnen müssen: „Die ständigen Schwankungen der Energiepreise, die in letzter Zeit durch den Ausbruch des Krieges zwischen Russland und der Ukraine noch verschärft wurden, sind ein erheblicher Unsicherheitsfaktor für die Unternehmen. Das Verarbeitende Gewerbe ist davon besonders betroffen und ist zusätzlich mit Lieferverzögerungen und Engpässen bei Rohstoffen und Halbfertigprodukten konfrontiert.“

Stellungnahmen der Vertreter der Wirtschaftsverbände

Claudio Corrarati, Präsident CNA-SHV Trentino-Südtirol: „Das Verarbeitende Gewerbe ist mit am stärksten von der derzeitigen Ungewissheit betroffen. Die vorrangigen Bedürfnisse der Unternehmen sind niedrigere Energiekosten und die Beschaffung von Rohstoffen. Die wesentliche Herausforderung in den kommenden Monaten betrifft aber den Zugang der Unternehmen zu Krediten, denn die aktuelle schwierige Situation stellt die Firmen auf eine harte Probe.“

Martin Haller, lvh-Präsident: „Rohstoffengpässe, Lieferverzögerungen und der enorme Anstieg der Energiepreise beeinträchtigen die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen, besonders die der kleinen Familienbetriebe. Zudem bremst die Planungsunsicherheit die Investitionsbereitschaft der Betriebe. Die Wirtschaftstreibenden benötigen unbedingt einen verlässlichen Planungsrahmen.“

Heiner Oberrauch, Präsident Unternehmerverband Südtirol: „Krieg, steigende Energiepreise, Mangel an Rohstoffen, Pandemie, Klimawandel: Wir müssen gleich mehrere Krisen bewältigen. Dabei müssen wir wettbewerbsfähig bleiben und brauchen dafür Lösungen auf europäischer Ebene und eine Industriepolitik, welche die Abhängigkeit in der Energieversorgung und in der Produktion von strategischen Rohstoffen reduziert. Als Unternehmen können wir mit Investitionen und innovativen Lösungen dazu beitragen.“

stol

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