Die Verbraucherzentrale Südtirol (VZS) hat die Antworten auf die wichtigsten Fragen. <h3> Was ist überhaupt eine Langzeitpflegeversicherung?</h3> Eine Langzeitpflegeversicherung, auch „Long Term Care“- oder LTC-Versicherung genannt, deckt Kosten ab, die bei dauerhafter Pflegebedürftigkeit entstehen – etwa für die Pflege zu Hause oder in Einrichtungen. Die Auszahlung erfolgt meist in Form einer monatlichen Rente, sobald eine vollständige und dauerhafte körperliche Unfähigkeit diagnostiziert wird. <h3> Ab wann greift die Versicherung konkret?</h3>„Verbraucherinnen und Verbraucher sollten wissen, dass die Versicherung erst bei einem sehr schlechtem Gesundheitszustand zahlt, also erst bei vollständigem Verlust der Selbstständigkeit“, erklärt Stefanie Unterweger von der VZS. <BR /><BR />Denn als pflegebedürftig gelte man dann, wenn man mindestens drei bis vier grundlegende Aktivitäten des täglichen Lebens nicht mehr selbstständig ausführen könne, wie Waschen, Essen, Bewegen oder Ankleiden. <BR /><BR />In Situationen, in denen „nur“ eine Haushaltshilfe als Unterstützung gebraucht werde, würden solche Versicherungen nicht greifen. Die Pflegebedürftigkeit stellt ein medizinischer Gutachter fest. <h3> Ist eine solche Versicherung notwendig?</h3>Aus Sicht der VZS: nein. „So wie die Rahmenbedingungen in Südtirol heute sind, ist eine private Langzeitpflegeversicherung nicht zwingend nötig, auch wenn das vielleicht ab und zu suggeriert wird“, sagt Stefanie Unterweger. <BR /><BR />Das öffentliche Pflegesystem biete hierzulande derzeit eine umfassende finanzielle Unterstützung für Pflegebedürftige, sowohl durch die Auszahlung von Pflegegeld als auch durch Zahlungen an Pflegeeinrichtungen. Zudem seien die Renten aktuell noch vergleichsweise hoch. <BR /><BR />Die Konsumentenschützer räumen aber auch ein, dass sich diese Situation in Zukunft voraussichtlich verändern werde: „Demografische Entwicklungen sowie steigende Pflegekosten werden das öffentliche Versorgungssystem zunehmend belasten. Infolgedessen könnten private LTC-Versicherungen künftig eine sinnvolle Möglichkeit darstellen, um Angehörige finanziell zu entlasten.“<h3> Für wen kann eine solche Versicherung heute dennoch interessant sein?</h3>Private LTC-Versicherungen können eine sinnvolle Ergänzung zur öffentlichen Pflegeabsicherung sein, „wenn man sich das finanziell ohne Probleme leisten kann und will“, sagt Unterweger. <BR /><BR />Sie vergleicht diese Versicherungen mit den sogenannten Sanitätsversicherungen, also den privaten Krankenversicherungen: „Wir haben ein öffentliches Sanitätswesen, das funktioniert: Bei Unfall oder Krankheit wird man behandelt, ohne dass man selbst dafür zahlen muss. Aber es gibt Menschen, die gerne die zusätzliche Sicherheit bzw. die Wahlmöglichkeit hätten, dass sie in eine Privatklinik gehen können, wenn ein chirurgischer Eingriff nötig werden sollte. Und ähnlich ist das bei den ,Long Term Care'-Versicherungen.“ <BR /><BR />In beiden Fällen gelte: Wer über ausreichend finanzielle Mittel verfüge, könne als zusätzliche Sicherheit zur privaten Versicherung greifen. „Problematisch wird es aber, wenn man es sich nur sehr schwer leisten kann. Dann ist es besser, sich auf die wirklich notwendigen Versicherungen, wie die Haftpflicht-, Feuer- sowie die Unfall- und Krankenversicherung zu konzentrieren.“<h3> Worauf muss man achten? Was sind die Risiken privater LTC-Versicherungen?</h3>Hier weisen die Konsumentenschützer vor allem auf den fehlenden gesetzlichen Tarif- oder Kündigungsschutz hin. „Das bedeutet, dass die Versicherungsunternehmen die Prämien nicht nur altersbedingt anpassen dürfen, sondern auch von einem Tag auf den anderen erhöhen können“, so Unterweger. Ebenso bestehe die Möglichkeit, dass die Versicherung den Vertrag ohne Angabe von Gründen kündige. <BR /><BR />Dieses Problem sei bereits von den Sanitätsversicherungen bekannt, bei denen Verbraucherschützer in Vergangenheit Prämienerhöhungen und gleichzeitig eine Verschlechterung der Versicherungsbedingungen beobachtet haben. <h3> Wie teuer sind LTC-Versicherungen?</h3>Die Höhe der Prämien hängt vom Alter und der versicherten Summe ab, sprich wie viel die Versicherung auszahlen soll, wenn sich die Pflegebedürftigkeit einstellt. Eine umfassende Erhebung der gängigen Prämien hat die VZS noch nicht durchgeführt. <h3> Sind Langzeitpflegeversicherungen ein neues Phänomen?</h3>Solche Versicherungen sind schon länger auf dem Markt. Bereits vor zehn Jahren seien sie verstärkt angeboten, aber nicht besonders gut angenommen worden, weiß die VZS-Expertin. Nun stelle man eine erneute Angebotswelle fest – und in der Folge würden sich immer mehr ratsuchende Konsumenten an die Verbraucherzentrale wenden. „Das hängt wohl damit zusammen, dass die Unsicherheit zugenommen hat, ob das öffentliche System in Zukunft die Versorgung noch garantieren kann.“ <h3> Müsste die Politik nachbessern?</h3>Die Verbraucherschützer kritisieren vor allem, dass bei den „Long Term Care“-Versicherungen ebenso wie bei den Sanitätsversicherungen die gesetzlichen Rahmenbestimmungen fehlen, um die Versicherten vor willkürlichen Kündigungen und Prämienerhöhungen zu schützen. Hier brauche es Lösungen auf gesamtstaatlicher Ebene, die den Schutz der Versicherten erhöhten, finanziell tragbar seien und auch Menschen mit Vorerkrankungen berücksichtigten, so die VZS.