Montag, 11. Oktober 2021

Projekt „Matilde“: Was Migranten bieten und Arbeitgeber suchen

Ausländische Bürger sind heute nicht mehr aus der Südtiroler Arbeitswelt wegzudenken. Dennoch ist ihr Berufseinstieg nach wie vor mit großen Herausforderungen verbunden – sowohl für die Jobsuchenden selbst als auch für potentielle Arbeitgeber. Die Caritas sucht daher im Rahmen des EU-Forschungsprojekts „Matilde“ nach neuen Lösungen.

Wer in einem neuen Land eine Zukunft sucht, sieht sich mit enormen Herausforderungen konfrontiert. Im Bereich Arbeitsintegration greift nun das Forschungsprojekt „Matilde“ ein.
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Wer in einem neuen Land eine Zukunft sucht, sieht sich mit enormen Herausforderungen konfrontiert. Im Bereich Arbeitsintegration greift nun das Forschungsprojekt „Matilde“ ein. - Foto: © APA/afp / JORGE GUERRERO
Besonderes Augenmerk liegt auf den sozialen und persönlichen Kompetenzen. Zu diesem Thema wurde in den vergangenen Wochen intensiv gearbeitet, um zu untersuchen, wie die Kompetenzen von Migranten für die Arbeitgeber sichtbarer gemacht werden könnten, teilt die Caritas in einer Aussendung mit. Auch in den kommenden Monaten werden die Aktivitäten des Projekts in enger Zusammenarbeit mit öffentlichen Einrichtungen, Betrieben und Forschungspartnern weitergehen.

Der Schwerpunkt des europäischen Forschungsprojektes „Matilde“ liegt in Südtirol auf der Arbeitsintegration und auf Methoden und Instrumenten, die ausländischen Mitbürgern und potentiellen Arbeitgebern den Zugang zueinander erleichtern sollen: Zum einen sollen sie den Migranten helfen, sich der Arbeitswelt bewusster zu nähern und ihre Ressourcen besser zu nutzen, zum anderen sollen sie Arbeitgeber unterstützen, sich ein besseres Bild von den Fähigkeiten der Arbeitssuchenden zu machen und diese zu bewerten. Dazu wurde eine Fokusgruppe mit Vertreterinnen von Sozialgenossenschaften, lokalen Unternehmen, Gewerkschaften, Caritas-Diensten, Arbeitsvermittlungs- und Weiterbildungsämtern gebildet, die sich im Sommer getroffen hat. „Das erste Treffen hat passenderweise im Haus Noah stattgefunden, einem Flüchtlingshaus, das wir als Caritas in Tisens führen“, sagt Marion Rottensteiner vom Caritas-Bereich „Aufnahme“.

Ein Qualifikationsprofil erstellen

Eine der untersuchten Methoden zur Förderung der Arbeitsintegration von Migranten ist das so genannte „Qualifikationsprofil“. Dieses stand erst kürzlich im Zentrum eines ganztägigen Trainingsworkshops unter dem Dach des Landes Südtirol für Mitarbeiter verschiedener Caritas-Dienste, die in der Begleitung ausländischer Mitbürger tätig sind. Daran teilgenommen haben auch Alessandro Cench, Leiter der Abteilung Personalauswahl, -organisation und -projekte des Unternehmens Markas in Bozen, Ivonne Travaglini, Mitarbeiterin der Landeskoordinierungsstelle für Integration, sowie Silvia Gretter, Koordinatorin des Bereichs Integration und Flüchtlingsarbeit der Bezirksgemeinschaft Burggrafenamt.

„Die Anwendung des Qualifikationsprofils kann nicht nur für Berater hilfreich sein, die mit Migranten arbeiten, sondern auch für Arbeitgeber, die geeignete Arbeitskräfte suchen oder bestehende Mitarbeiter weiter fördern möchten. Daher freuen wir uns sehr über das Interesse und die Unterstützung der öffentlichen Dienste und der lokalen Unternehmen“, unterstreicht der wissenschaftliche Koordinator des Projekts „Matilde“, Andrea Membretti von der Universität Ostfinnland.

Im Herbst sind im Rahmen des Projektes noch weitere Diskussionsrunden, aber auch öffentliche Veranstaltungen geplant, in denen unter anderem eine erste Bilanz aus den bisherigen Forschungen gezogen werden soll. „Dank der breiten Zusammenarbeit erhalten wir fundierte Ergebnisse, auf deren Grundlage nicht nur die Situation von Migranten verbessert, sondern auch die lokale Entwicklung in Südtirol gefördert werden kann“, sind Rottensteiner und Membretti überzeugt.

„Matilde“ ist ein dreijähriges EU-Projekt mit dem Ziel, die wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen von Migration auf die lokale Entwicklung und den territorialen Zusammenhalt in ländlichen Gebieten und Bergregionen in 10 europäischen Ländern zu analysieren. Die Forschungspartner in Italien sind die Caritas Diözese Bozen-Brixen, die Stadt Turin und das Institut für Kultur, Politik und Gesellschaft der Universität Turin.

stol