Freitag, 29. Mai 2015

Prostitution fließt bei BIP-Berechnung mit ein

Die EU verzeichnet einen kräftigen Anstieg des Bruttoinlandprodukts, doch das einmalige Wachstum hat einen rein statistischen Grund: Seit 1. September nämlich sind alle Mitgliedsstaaten verpflichtet, Schmuggel, Drogen und Prostitution in die BIP-Berechnung miteinfließen zu lassen. Ob legal oder illegal ist dabei unerheblich.

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Foto: © LaPresse

Der Hintergrund: Mit September des Vorjahres hat die Europäische Union die volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen der Mitgliedsstaaten einer Generalrevision unterzogen. Das Ergebnis: Um eine höchstmögliche internationale Vergleichbarkeit zu gewährleisten, wurden neue Regeln für die Errechnung des Bruttoinlandprodukts (BIP) eingeführt. So fließt eine neue Unternehmensstatistik (FRAME-SBS) mit ein, zudem werden die Aufwendungen für Forschung und Entwicklung als Investitionen angeführt und werden ebenfalls zur BIP-Berechnung verwendet.

Und drittens – klingt komisch, ist aber so – werden auch die illegalen Aktivitäten einer Volkswirtschaft (wie eben Prostitution, Drogen und Schmuggel) für die Berechnung des Bruttoinlandsprodukts hergenommen.

Einnahmen sind eben Einnahmen

„Für die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung ist es völlig egal, ob es sich bei Einnahmen um steuerlich festgehaltene oder nicht festgehaltene handelt“, erklärte ASTAT-Mitarbeiter Timo Gärtner bei der Vorstellung dieser Neuberechnung am Freitagvormittag auf Nachfrage. Will heißen: Für die BIP-Berechnung zählt nicht, ob es sich um legale oder illegale Einnahmen handelt, getreu nach dem Motto: Einnahmen sind Einnahmen.

Das sieht ja gleich viel besser aus

Aus statistischer Sicht ist dies durchaus verständlich: Nur bei Gesamtbetrachtung einer Volkswirtschaft lässt sich die Leistung eines Landes mit der eines anderen am ehesten vergleichen.

Aber: Man wird das ungute Gefühl nicht los, dass die EU diese Neuberechnung nicht bloß wegen des hehren Vorsatzes der besseren statistischen Vergleichbarkeit zur Regel machte. Sieht man sich die veränderten BIP-Rechnungen an, sticht ein Fakt sofort ins Auge: Mit den neuen Berechnungen werden einige Statistiken plötzlich „besser“. Beispielsweise sinkt das Verhältnis Defizit/BIP in Italien für das Jahr 2013 auf 2,8 Prozent gegenüber den 3,0 Prozent nach bisheriger Methodik, während das Verhältnis Staatsschulden/BIP auf etwa 127,9 Prozent fällt gegenüber dem vorherigen Wert von 132,6 Prozent.

sor/D

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Was diese Neuberechnung des BIP für Südtirol bedeutet, lesen Sie in der Samstag-Ausgabe der „Dolomiten“.

stol