Die „ProWein“ ist die wichtigste internationale B2B-Messe im Bereich Wein und Spirituosen. Sie wird seit 1994 in Düsseldorf ausgetragen. Südtirol ist fast von Beginn an dabei: Die Weinwerbung der Handelskammer organisierte den ersten Messeauftritt heimischer Produzenten im Jahr 1995. <BR /><BR />Mittlerweile hat diesen Job der Wirtschaftsdienstleister IDM übernommen. Er kümmert sich um die Planung, Koordination und Logistik (dazu zählt auch die Lieferung und Kühlung der Weine) im Zusammenhang mit dem Südtiroler Gemeinschaftsstand. Er ist das Herzstück der Südtirol-Präsenz in Halle 15, einer von 3 Hallen, die dem Weinland Italien gewidmet sind. Die rund 400 Quadratmeter Ausstellungsfläche am Gemeinschaftsstand teilen sich in diesem Jahr 46 Produzenten – darunter kleinere bis größere Betriebe, Genossenschaften ebenso wie Privatkellereien. 10 weitere Südtiroler Produzenten sind außerhalb des Gemeinschaftsstandes angesiedelt, entweder mit einem selbst angemieteten Stand oder unter dem Dach eines Händlers. Insgesamt ist Südtirol also mit 56 Produzenten in Düsseldorf vertreten. Die Teilnahme an der „ProWein“ ist für sie seit vielen Jahren ein Fixpunkt im Weinjahr, neben der Präsenz an Italiens wichtigster Weinmesse „Vinitaly“ in Verona. Diese Tradition wurde durch den coronabedingten Ausfall 2020 und 2021 unterbrochen und sollte 2022 in gewohnter Weise wiederaufgenommen werden.<h3> Comeback halb geglückt</h3>Comeback geglückt? Marc Pfitscher, Exportleiter der Kellerei Girlan, fällt ein eindeutiges Urteil: „Man kann diese ,ProWein' nicht mit jener von 2019 vergleichen.“ Das fange damit an, dass der Austragungstermin wegen der Omikron-Variante von März auf Mai verlegt worden sei, damit sei die „ProWein“ im Messekalender hinter die „Vinitaly“ zurückgefallen, die im April stattgefunden hat. „Das war sicher nicht ideal“, findet Pfitscher. „Für die Präsentation der neuen Jahrgangsweine ist der Mai-Termin einfach zu spät.“ Die Frequenz habe insgesamt schon spürbar abgenommen. Die Kontakte, die es aber gegeben habe, seien durchaus gut gewesen.<BR /><BR />Dass der große Besucheransturm in diesem Jahr nicht zu beobachten sei, bestätigt Dieter Haas, Obmann der Kellerei St. Pauls. „Es ist schon weniger los, das kann man ganz deutlich sehen. Der spätere Termin ist wohl der Hauptgrund dafür, aber vermutlich nicht der einzige: Es kann schon auch sein, dass die 2 messefreien Jahre dazu beigetragen haben, dass sich Muster ein Stück weit verändert haben“, so Haas. Um an einem Ort mehrere potenziell interessante Geschäftsbeziehungen mit Kunden außerhalb Italiens anzubahnen, sei die „ProWein“ aber nach wie vor wichtig. Ein weiterer Vorteil: „Es kommen wirklich nur Leute an den Stand, die ein Interesse an der Region oder konkret an unseren Weinen haben. Dabei handelt es sich ausschließlich um Profis, überwiegend sind es Importeure. Das ist längst nicht bei allen Messen so. Das heißt, die Qualität der Kontakte ist außerordentlich hoch“, so Haas. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="769535_image" /></div> <BR /><BR />Wolfgang Klotz, Vertriebschef bei der Kellerei Tramin, vermisst in diesem Jahr besonders Importeure aus Märkten außerhalb Europas: „Aus dem asiatischen Raum sind kaum Besucher da. Und auch Übersee war so gut wie nicht vertreten. In Vergangenheit nutzten sie die Gelegenheit, um sich vor Ort über die Neuheiten aus Europa zu informieren. Heuer ist dies nicht der Fall.“ <BR /><BR />Generell beobachtet auch er weniger Bewegung: „Dennoch ist die Messe bedeutend für uns, vor allem um Geschäftspartner zu treffen und Kontakte im persönlichen Gespräch aufzubauen oder zu festigen.“<h3> Einige wichtige Zielgruppen ausgeblieben</h3>Verzichten wolle auch er nicht auf die „ProWein“, sagt Christof Tiefenbrunner vom Weingut Tiefenbrunner in Entiklar/Kurtatsch, auch wenn das Besucheraufkommen eher schwach sei. „Dafür ist die Messe einfach zu wichtig fürs internationale Geschäft.“ Zu den Gründen für das geringere Interesse von Besucherseite zählt auch er den Mai-Termin, aber nicht nur: „Ich erinnere mich zurück ans Jahr 2008 als ähnlich wenige Leute da waren. Damals erlebten wir den Höhepunkt der Wirtschafts- und Finanzkrise. Auch jetzt sehen wir viele Unsicherheiten, wirtschaftlich, geopolitisch und die Treibstoffpreise sind ebenfalls deutlich gestiegen. Gut möglich, dass das alles einen Einfluss hat“, vermutet Tiefenbrunner. Bislang war das Weingut zu zweit am Stand vertreten, „heuer hätte wohl einer genügt, wirklich stressig war es selten“, sagt er. <BR /><BR />„Einige wichtige Zielgruppen, darunter die Gastronomen, sind fast völlig ausgeblieben. Für sie kommt die Messe zu spät“, betont Gottfried Pollinger, Geschäftsführer der Kellerei Nals-Margreid. Zudem spricht auch er von einem starken Rückgang bei Besuchern von weiter entfernten Märkten. Dennoch zeigt er sich nicht unzufrieden: „Wir sind gut vorbereitet zur Messe gekommen, haben im Vorfeld Termine mit Importeuren vereinbart und die sind dann auch gut verlaufen. Das hat schon alles gepasst.“ Die künftige Teilnahme an der Messe oder an Messen generell stellt Pollinger nicht infrage: Die „Vinexpo“ in Paris, die „Vinitaly“ Verona und die „ProWein“ seien Pflichttermine für die Kellerei.<BR /><BR />Diese „ProWein“ ist insgesamt keine Ausgabe, die alles übertrifft, das steht schon jetzt fest. Ob es jemals zu einer Rückkehr zu alten Mustern und Rekorden geben wird, dürfte sich spätestens im nächsten Jahr zeigen, wenn die „ProWein“ wieder zur gewohnten Zeit ausgetragen wird, davon gehen zumindest die meisten Produzenten aus. <h3> Mehr Sichtbarkeit für kleine Anbauregionen</h3>Den Mehrwert des Südtiroler Gemeinschaftsstandes schätzen alle Teilnehmer als hoch ein. Hauptsächlich weil er die Sichtbarkeit der vergleichsweise kleinen Anbauregion im internationalen Kontext erhöht. „Darum geht es letztlich ja auch“, erklärt Eduard Bernhart, Direktor des Konsortiums Südtirol Wein. „Wer unseren Stand besucht, bekommt einen Eindruck von der beeindruckenden Vielfalt und dem ausgesprochen hohen Qualitätsniveau Südtirols.“ <BR /><BR />Insgesamt 520 verschiedene Weine wurden am Gemeinschaftsstand zur Verkostung angeboten. „Mit dabei waren in diesem Jahr auffallend viele Winzer und Mitarbeiter der nächsten Generation. Das ist schon deutlich zu beobachten. Viele scheinen die letzten 2 Jahre genutzt zu haben, um den Nachfolge- und Verjüngungsprozess im Betrieb zu beschleunigen“, so Andreas Kofler, Präsident des Konsortiums Südtirol Wein. <BR />