Der amtierende Landesrat für Landwirtschaft, Luis Walcher, begrüßte bei der Pressekonferenz im Anschluss ans Votum der Bergmilch-Mitglieder vergangene Woche das Ja zur Fusion ( <a href="https://www.stol.it/artikel/wirtschaft/mila-und-brimi-fusion-ist-perfekt" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">wir haben berichtet</a>). Politisch gewünscht war dieser Vorstoß schon länger. Bereits vor fast 20 Jahren hatte der damalige Landesrat Hans Berger auf ein engeres Zusammenrücken der Südtiroler Milchwirtschaft gedrängt. „Ich war immer überzeugt, dass es für alle besser ist, gemeinsam stark gegen die Konkurrenz von außen aufzutreten, statt sich im eigenen Land Marktanteile streitig zu machen“, sagt Berger gegenüber diesem Medium.<BR /><BR /><embed id="dtext86-74700418_quote" /><BR /><BR />Die Fusion der beiden großen Milchgenossenschaften nimmt er mit Genugtuung zur Kenntnis. „Der Zusammenschluss kommt genau zur richtigen Zeit. Der Druck im Lebensmitteleinzelhandel in Italien und Europa nimmt ständig zu. Da hat man bessere Karten, wenn man eine bestimmte Größe erreicht – und diese Größe haben Mila und Brimi gemeinsam eindeutig.“<BR /><BR />Auch Arnold Schuler spricht von einem „enorm wichtigen Schritt“. Der direkte Amtsvorgänger von Walcher und heutige Landtagspräsident sieht vor allem Vorteile in der Vermarktung: „Genossenschaften haben viele Vorteile, aber sie haben auch Nachteile: Einer der größten ist, dass es nicht leicht ist, genügend Mittel fürs Marketing freizubekommen. Man kann nicht einfach hergehen wie ein privates Unternehmen in der Molkereibranche und zehn Prozent oder mehr dafür bereitstellen. Das würde man nie durchbekommen.“ Durch den gemeinsamen Weg sei es nun aber möglich, „ausreichend Gelder und Synergien zu nutzen“. „Das erhöht die Schlagkraft deutlich“, so Schuler.<BR /><BR /><embed id="dtext86-74700681_quote" /><BR /><BR />Zudem begrüßt Schuler, dass künftig stärker auf die Herkunft gesetzt werden soll. „Im Lebensmittelbereich steckt noch viel Potenzial, wenn man das positive Image Südtirols außerhalb des Landes konsequenter nutzt.“ Auch der Name „Milchhof Südtirol“ sei deshalb zu begrüßen.<BR /><BR /> Universitätsprofessor Matthias Gauly war einer der ersten aus der Wissenschaft, der sich für größere Strukturen in der Milchwirtschaft in Südtirol aussprach. Der frühere Prodekan für Forschung an der Fakultät für Agrar-, Umwelt- und Lebensmittelwissenschaften der Uni Bozen, mittlerweile Rektor der Veterinärmedizinischen Universität Wien, hatte bereits vor mehr als zehn Jahren für mehr Zusammenschlüsse plädiert. „Das kam damals wohl zu früh“, sagt Gauly heute. „Wenn die Menschen für etwas nicht bereit sind, hilft auch das beste wissenschaftliche Argument wenig.“<BR /><BR />Nun sei der Zeitpunkt offenbar gekommen. „Mila und Brimi gehen auf Augenhöhe in die Zukunft – mit einer ganz anderen Marktmacht als alleine. Zudem ergänzen sich die beiden Unternehmen sehr gut.“<BR /><BR /><embed id="dtext86-74700686_quote" /><BR /><BR />Ob die Fusion weitere Zusammenschlüsse auslösen könnte, beurteilt Gauly vorsichtig. „Mit dem Milchhof Sterzing gibt es eine starke Nummer zwei mit klarer Positionierung im Joghurtsegment. Dazu kommt der Milchhof Meran. Man wird sehen müssen, wie sich der Markt entwickelt und wer sich langfristig eigenständig behaupten kann.“<BR /><BR />Auch kleinere Milchhöfe müssten ihre Zukunftsstrategie laufend hinterfragen. „Es wird sich zeigen, ob Nischen dauerhaft erfolgreich besetzt werden können oder ob Zusammenschlüsse im Einzelfall sinnvoller wären.“<h3> Das sagen die Mitbewerber</h3>Dass die Fusion auch ein Signal an die Konkurrenz sendet, ist offensichtlich. Beim Milchhof Meran gibt man sich dennoch gelassen. „Für uns dürfte sich dadurch nichts Wesentliches ändern. Wir hoffen, dass auch künftig genügend Raum für alle bleibt“, sagt Geschäftsführer Florian Baumgartner. <BR /><BR /><embed id="dtext86-74700791_quote" /><BR /><BR />„Wir stehen gut da. Es ist der ausdrückliche Wunsch unserer mehr als 500 Mitglieder, eigenständig zu bleiben.“ Seit Jahren arbeite man an einer neuen Strategie, zu der auch der geplante Neubau des Firmensitzes gehöre.<BR /><BR />Deutlicher wird Rainer Marschall, Geschäftsführer des Milchhofs Sterzing. Er verweist auf die „ausgesprochene Markenstärke“ seines Unternehmens: „Wir sind Spezialist für Löffeljoghurt und haben in Italien eine sehr gute Marktposition. Im Biobereich sind wir der Marktführer.“ Einen Bedarf nach Fusionspartnern sieht er aktuell deshalb nicht. <BR /><BR /><embed id="dtext86-74700796_quote" /><BR /><BR />Kritisch bewertet er allerdings die Verwendung des Begriffs „Südtirol“ durch den neuen Milchhof Südtirol. Zunächst soll lediglich ein Hinweis auf den Verpackungen angebracht werden. Perspektivisch könnte jedoch eine eigene Marke entstehen. „Spätestens dann könnte es problematisch werden, weil dies einer Monopolisierung der Marke Südtirol gleichkommen würde.“ Ein solcher Alleinvertretungsanspruch könne anderen Milchhöfen schaden, so Marschall.<BR /><BR />Trotz teils unterschiedlicher Interessen betonen sowohl Meran als auch Sterzing die gute Zusammenarbeit innerhalb des Sektors. Im Raum steht weiterhin die von Berger und Schuler mehrfach geforderte Idee einer gemeinsamen Frischmilch aus Südtirol. Baumgartner und Marschall formulieren es diplomatisch: „Es gibt bereits gemeinsame Projekte – und es kann gut sein, dass morgen weitere dazukommen.“