130 Euro brutto. So viel Geld verdiente eine Vollzeitkraft in Südtirols Privatwirtschaft 2024 pro Tag – rund zehn Prozent mehr als im staatlichen Durchschnitt. Der Tageslohn schwankt jedoch je nach Position zwischen 112 Euro bei Arbeitern, 142 Euro bei Angestellten und 589 Euro bei Führungskräften, zeigt eine Analyse des Arbeitsförderungsinstituts (AFI). <BR /><BR />Die AFI-Daten offenbaren nicht nur die enorme Lohnschere im Land, sie beziffern Schwarz auf Weiß auch ein weiteres bekanntes Problem: den schleichenden Reallohnverlust. „Die Löhne sind zwischen 2014 und 2024 zwar nominell um 21,5 Prozent gestiegen, im selben Zeitraum sind die Lebenshaltungskosten jedoch um 27,3 Prozent nach oben geklettert“, erklärt AFI-Direktor Stefan Perini. Das bittere Fazit: Die Lohndynamik hat gerade einmal knapp drei Viertel des Preisanstiegs kompensiert. Unter dem Strich bleibt ein Reallohnverlust von 4,56 Prozent. <h3> Italien: Größter Kaufkraftverlust in OECD-Staaten</h3>Das Problem trifft aber auch auf Italien gleichermaßen zu. Ein aktueller OECD-Bericht hebt hervor, dass Italien den größten Kaufkraftverlust unter allen großen OECD-Wirtschaftsnationen verbucht. Dass die Löhne im Stiefelstaat deutlich langsamer steigen als anderswo, hat laut Stefan Perini vielschichtige Gründe: „Dazu zählen die kleinbetriebliche Wirtschaftsstruktur, die unterdurchschnittliche Produktivität, aber auch die kollektivvertraglichen Lohnverhandlungen, die in Italien oft langwierig und träge sind.“<h3> Brain-Drain könnte zunehmen</h3>Die Folgen dieser Stagnation seien fatal. Neben einer schwächelnden Kaufkraft und dem damit einhergehenden Dämpfer für den privaten Konsum droht langfristig ein weitaus schwerwiegenderes Problem auf dem Arbeitsmarkt: „Die starke Lohnzurückhaltung kann dazu führen, dass der Brain-Drain zunimmt“, warnt Perini. Fachkräfte wandern vermehrt in Regionen ab, in denen deutlich mehr zu verdienen ist – ein Phänomen, das Südtirol längst erreicht hat. Dabei lockt gerade der Norden mit einem höheren Lohnniveau. <BR /><BR />Auch Arbeitslandesrätin Magdalena Amhof blickt mit Sorge auf die lahme Lohndynamik und nimmt die Arbeitgeber in die Pflicht: „Mein Appell an die Privatwirtschaft lautet, beim Gehalt nachzubessern. Wer beim Gehalt spart, wird auch im Wettbewerb um Fachkräfte das Nachsehen haben.“