Laut einem Verordnungsentwurf der EU-Kommission sollen öffentliche Auftraggeber Angebote aus Europa künftig bevorzugen können, wenn mindestens 50 Prozent der Wertschöpfung innerhalb der Europäischen Union entstehen.<BR /><BR />Beim lvh stößt diese geplante Reform des EU-Vergaberechts auf breite Zustimmung. Der Verband sieht darin einen entscheidenden Schritt für faire Wettbewerbsbedingungen und eine spürbare Stärkung der heimischen Wirtschaft.<h3> Qualität und Nachhaltigkeit statt „Billigstpreisprinzip“</h3>Bislang scheitern lokale Betriebe bei öffentlichen Ausschreibungen oft am Preisdruck durch internationale Großanbieter. Der neue Entwurf sieht nun eine deutliche Abkehr vom reinen Billigstpreisprinzip vor. Stattdessen sollen Qualitätskriterien, Innovation, Nachhaltigkeit und soziale Aspekte spürbar stärker in die Bewertung einfließen.„Unsere Betriebe stehen für Qualität, kurze Lieferketten, hohe Sozial- und Umweltstandards sowie verlässliche Dienstleistungen“, betont lvh-Direktor Walter Pöhl. Diese Faktoren müssten bei der Vergabe endlich das nötige Gewicht bekommen. „Wer auf Qualität, Nachhaltigkeit und regionale beziehungsweise europäische Wertschöpfung setzt, schafft langfristig einen Mehrwert für die Gesellschaft und stärkt zugleich die Wettbewerbsfähigkeit unserer Unternehmen.“<h3> Fokus auf Resilienz und Versorgungssicherheit</h3>Die Diskussion über die Neuausrichtung des Vergabewesens gewinnt derzeit europaweit an Fahrt. Pöhl nimmt aktuell an der Versammlung des staatlichen Handwerksverbandes Confartigianato in Rom teil, wo das Thema ganz oben auf der wirtschaftspolitischen Agenda steht.<BR /><BR />Neben den wirtschaftlichen Vorteilen für den Mittelstand spiele auch die geopolitische Lage eine Rolle. Um strategische Abhängigkeiten zu reduzieren und die Resilienz Europas zu stärken, sei eine stärkere Unabhängigkeit bei Produkten und Dienstleistungen unverzichtbar.<h3> Chancen für Südtirols Betriebe</h3>Sollte die Reform wie geplant umgesetzt werden, verspricht sich der lvh handfeste Vorteile für den lokalen Markt. „Wenn öffentliche Investitionen verstärkt in europäische Unternehmen fließen, profitieren davon Beschäftigung, Innovation und die Versorgungssicherheit innerhalb der EU. Davon können auch viele Südtiroler Handwerks- und Dienstleistungsbetriebe profitieren“, erklärt Pöhl.<BR /><BR />Der lvh kündigt an, die weiteren Verhandlungen auf europäischer Ebene intensiv zu begleiten, und drängt auf eine rasche Umsetzung der neuen Richtlinien.