Donnerstag, 14. Dezember 2017

Regierung holt Niki-Passagiere zurück

Die Rückholaktion von rund 5.000 österreichischen Passagiere nach der Niki-Pleite ist angelaufen. In einem ersten Schritt wird versucht, die Passagiere auf Flüge anderer Airlines unterzubringen. Sollten diese Kapazitäten nicht reichen, werde man zusätzliche Charterflüge bei der AUA in Auftrag geben, teilte das Verkehrsministerium mit. Unterdessen fand eine Mitarbeiterveranstaltung bei Niki statt.

Niki folgte Air Berlin in die Insolvenz. - Foto: APA (Archiv)
Niki folgte Air Berlin in die Insolvenz. - Foto: APA (Archiv)

Die Informationsveranstaltung der Geschäftsführung für die Mitarbeiter der insolventen Fluglinie dauerte rund eine Stunde. Details der internen Versammlung drangen nicht an die Öffentlichkeit. Gesprochen haben dem Vernehmen nach Geschäftsführer Oliver Lackmann und der deutsche Insolvenzverwalter Lucas Flöther.

Laut Flöther wollten in den nächsten 14 Tagen 40.000 Menschen mit Niki ihre Heimreise antreten. Davon hatten 15.500 selbst gebucht. Tausende Urlauber - nicht nur aus Österreich, sondern vor allem auch aus Deutschland und der Schweiz - warten auf Mallorca auf alternative Heimflüge.

Airline-Gründer Niki Lauda selbst will inzwischen die Möglichkeiten einer etwaigen Übernahme der insolventen Fluglinie Niki ausloten. „Ich versuche, so schnell wie möglich einen Termin beim Insolvenzverwalter zu bekommen, um weitere Schritte zu besprechen”, sagte der 68-Jährige in Wien. Lauda hatte bereits sein anhaltendes Interesse am Kauf der Airline signalisiert.

Soforthilfe für die Niki-Mitarbeiter bot ausgerechnet der erbitterte Konkurrent am Airport Wien, die AUA, an. An Piloten, Flugbegleiter und Techniker von Niki erging der Aufruf, sich bei der AUA zu bewerben. Von AUA-Chef Kay Kratky wurde ein beschleunigtes Bewerbungsverfahren zugesagt, Niki-Leute können sich sofort melden.

Die zur Lufthansa gehörende österreichische AUA sucht derzeit mehrere hundert Mitarbeiter - vor allem bis zu 200 fertig ausgebildete Piloten und rund 300 Flugbegleiter. Auch 50 bis 100 Techniker werden gesucht, in der Verwaltung sind rund 20 Stellen frei. Hinzugefügt wurde aber, dass nicht alle in Frage kommenden Leute sofort aufgenommen werden können, und dass auch der Bewerbungsprozess selbst Zeit in Anspruch nehmen wird.

Flüge waren von der Mitarbeiterversammlung nicht mehr betroffen. Seit Mitternacht blieben alle Niki-Flieger am Boden. Der letzte Flug unter „HG”-Flugnummer landete am Mittwoch um 23:18 aus Teneriffa kommend in Wien. Mit Einstellung des Flugbetriebs verlieren nach Angaben des Masseverwalters rund 350.000 ausgestellte und bezahlte Einzeltickets ihre Gültigkeit. Dazu kommen 410.000 über Reisebüros und -veranstalter gebuchte - aber in der Regel noch nicht ausgestellte - Tickets.

Wütend zeigten sich derweil Touristen, die über die Weihnachtstage nach Mallorca wollten oder ihren Urlaub für das nächste Jahr bereits gebucht hatten. Es herrsche „Wut und Ratlosigkeit”, schrieb die „Mallorca Zeitung” (online). Das Blatt zitierte eine Touristin mit den Worten: „Wollten am 26. Dezember für zwei Wochen Urlaub machen. Geld weg, Urlaub futsch.”

Eine andere Deutsche schrieb auf der Facebook-Seite der Zeitung: „Hatten für den 23.12. - 1.1.18 gebucht. Müssen jetzt schauen, dass wir unseren Urlaub noch retten und woanders buchen. Geld weg - soviel zu „Niki ist safe”. Frohes Fest!”

”Ich bin fassungslos”, sagte eine Kundin in Berlin-Tegel, der gerade am Schalter mitgeteilt wurde, dass sie erst am nächsten Tag würde fliegen können. „Ich rief gestern noch am Flughafen an”, sagte sie. „Da sagte man mir noch, alles läuft planmäßig.”

apa

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stol