Lesen Sie hier: Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema.<BR /><BR /><BR />1<BR /><BR /><b>Wird die hohe Inflation noch länger dauern?</b><BR />Der starke allgemeine Preisanstieg ist völlig ungewohnt. Eine extrem hohe Inflation gab es in Italien vor allem in den 70er und 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Mit dem Euro war dann eine weitgehende Preisstabilität verbunden. Seit der zweiten Hälfte des abgelaufenen Jahres sind die Preise aber in die Höhe geschossen. Ob die hohe Inflation und die damit verbundene Geldentwertung noch länger andauern wird, lässt sich nur schwer einschätzen. Viel hängt von den Maßnahmen der Europäischen Zentralbank (EZB) und den Regierungen der Eurozone und der EU ab. Dazu kommt, ob Krisen wie der Ukrainekrieg bewältigt und die Verteuerung von wichtigen Rohstoffen gedämpft werden kann. <BR /><BR />Bereits gegen Jahresende wird die Inflation jedenfalls deutlich sinken. Warum? Weil die Inflation ja im Vergleich zum selben Zeitraum des Vorjahres angegeben wird – und Ende 2021 waren die Preise schon deutlich gestiegen.<BR /><BR />2<BR /><BR /><b>Was sind die Gründe für die starken Teuerungen?</b><BR />Ein wichtiger Grund ist die unerwartet starke wirtschaftliche Erholung nach dem Einbruch durch die Corona-Pandemie im Jahr 2020. Das hat die Nachfrage nach Rohstoffen sowie nach Erdöl und Gas angeheizt. Gegenüber 2020 haben sich die internationalen Rohstoffpreise im Durchschnitt verdoppelt. Gleichzeitig kam es zu Engpässen in den weltumspannenden Lieferketten, was zur Knappheit bei wichtigen Produkten wie den Computerchips geführt hat. Zusätzliche Preissteigerungen gibt es im Zusammenhang mit dem Ukrainekrieg und den damit verbundenen Sanktionen. Das gilt besonders für das von der EU beschlossene Ölembargo gegen Russland und die Drosselung russischer Gaslieferungen.<BR /><BR />3<BR /><BR /><b>Gibt es noch andere Gründe?</b><BR />Ein Grund sind die Spekulationen auf den Rohstoffmärkten sowie starke Preiserhöhungen, die nicht mit deutlich gestiegenen Selbstkosten begründbar sind. Ein weiterer Grund für Preissteigerungen ist die Schwächung des Eurokurses gegenüber dem US-Dollar. Im April 2021 erhielt man für einen Euro 1,21 Dollar. Am Montag dieser Woche wurde ein Euro nur mehr um 1,07 Dollar gehandelt. Das entspricht einer Abwertung des Euro gegenüber dem Dollar um 11,5 Prozent. Weil auf den Rohstoffmärkten die Geschäfte hauptsächlich in Dollar abgewickelt werden, haben sich viele Importe deutlich verteuert, was sich ebenfalls preistreibend auswirkt.<BR /><BR /> Schließlich haben die Regierungen wegen der Corona-Pandemie großzügige Unterstützungen für die Familien und die Unternehmen geleistet. Die EU hat die staatlichen Verschuldungsgrenzen aufgehoben und die Staaten konnten so im hohen Ausmaß neue Schulden machen. Die starken Anleihenkäufe der Europäischen Zentralbank bewirkten, dass selbst hoch verschuldete Staaten wie Italien selbst mittelfristige Anleihen sogar mit negativen Renditen auf den Finanzmärkten platzieren konnten. Ziel dieser extrem lockeren Geldpolitik war es, viel Geld zu äußerst günstigen Bedingungen in die Wirtschaft zu pumpen. Das sollte die Investitionen und den Konsum ankurbeln und so auch die sehr niedrige Inflationsrate in Richtung 2 Prozent erhöhen. <BR /><BR />4<BR /><BR /><b>Wie bekämpft die Europäische Zentralbank die Inflation?</b><BR />Die Europäische Zentralbank strebt nach weitgehender Preisstabilität. Ihr Ziel ist mittelfristig eine Inflationsrate von 2 Prozent. Wegen der zurzeit ungewohnt hohen Inflation in der Eurozone (7,4 Prozent im April 2022 gegenüber 1,6 Prozent im April 2021) wird die Zentralbank wie angekündigt die bisherigen Anleihekäufe im Juni einstellen. Außerdem könnte es schon im Juli eine Erhöhung des Leitzinssatzes geben.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="774548_image" /></div> <BR /><BR />Seit März 2016 gilt im Euroraum ein Leitzinssatz von 0,0 Prozent. In den letzten 6 Jahren haben sich so die Banken die kurzfristig benötigte Liquidität zinsfrei bei der Europäischen Zentralbank besorgen können. Die Banken haben so Kredite an Familien und Unternehmen zu äußerst günstigen Bedingungen vergeben können.<BR /><BR />Mit Festlegung des Leitzinssatz auf wahrscheinlich 0,5 Prozent verteuern sich die Kredite und weitere Erhöhungen der Leitzinsen könnten noch heuer folgen. Weil jedoch das Wirtschaftswachstum in der Eurozone schwächelt, sind Zinserhöhungen zwar eine Medizin, um die Inflation zu dämpfen, doch gleichzeitig bremsen steigende Zinsen die Investitionen und den Konsum. Eine Rezession mit steigender Arbeitslosigkeit könnte die Folge sein und das wird die Zentralbank sicher vermeiden wollen. Anders ist die Situation in den USA, wo man sogar eine Rezession in Kauf nimmt, um die äußerst hohe Inflation wirkungsvoll zu bekämpfen.<BR /><BR />5<BR /><BR /><b>Was unternimmt die Regierung, um die Teuerungswelle abzufedern?</b><BR />Die Regierung hat eine Reihe von Maßnahmen ergriffen, um die drastischen Preissteigerungen zu dämpfen. Dazu zählt zum Beispiel die vorübergehende Senkung der Steuer auf Diesel und Benzin (Akzisen) um 25 Cent je Liter bis zum 8. Juli. Ob diese teure Unterstützung fortgesetzt werden kann, hängt von den zusätzlichen Einnahmen ab, die der Staat besonders mit der Besteuerung der Extraprofite der Stromproduzenten und Erdgasversorgungsunternehmen erzielt.<BR /><BR />Weitere Maßnahmen sieht die kürzlich verabschiedete Dringlichkeitsverordnung (decreto Aiuti) vor, die Ausgaben von insgesamt 16,7 Milliarden Euro umfasst. Dazu zählt die Einmalzahlung von 200 Euro für die Arbeitnehmer mit einem monatlichen Bruttoeinkommen von bis zu 2692 Euro. Diese Einmalzahlung erhalten auch die Pensionisten und Selbständigen mit einem jährlichen Bruttoeinkommen von bis zu 35.000 Euro.<BR /><BR />Eine ganze Reihe von Begünstigungen betreffen die Strom- und Gaspreise, die für viele Haushalte aber auch für viele Unternehmen eine schwere Belastung bedeuten.<BR /><BR />6<BR /><BR /><b>Wird die Inflationsentwicklung in den Kollektivverträgen berücksichtigt?</b><BR />In Italien haben die Kollektivverträge, die die Arbeitsverhältnisse in verschiedenen Wirtschaftszweigen regeln, eine Dauer von 3 Jahren. Zur Anpassung der Löhne an die Inflation wird in vielen Fällen der harmonisierte Verbraucherpreisindex (indice dei prezzi al consumo armonizzato – IPCA) aber mit Ausschluss der Preise der importierten Energieträger Gas und Erdöl verwendet. Bei der gegenwärtigen Teuerungswelle spielen aber gerade diese Preise eine große Rolle. Es ist deshalb klar, dass die Gewerkschaften auf stärkere Lohnerhöhungen drängen. Von der Arbeitgeberseite wird jedoch gefordert, dass solche Lohnverbesserungen von der Einkommensteuer und den Sozialabgaben befreit werden sollten. Die Steuer- und Abgabenbelastung der Löhne bewirkt nämlich, dass bei einer Gehaltserhöhung die Lohnkosten für die Unternehmen im Durchschnitt doppelt so hoch sind, wie der Nettobetrag, der tatsächlich beim Arbeitnehmer landet. <BR /><BR />Zu diesem Thema laufen zurzeit Verhandlungen zwischen den Sozialpartnern beim Arbeitsministerium. Ob der Staat hierfür tatsächlich bedeutende Beträge locker machen wird, ist unsicher. Denn Regierungschef Mario Draghi will eine Überschreitung des staatlichen Haushaltsdefizits jedenfalls unbedingt vermeiden. <BR /><BR /><BR />