<b>Herr Renzler, sind die <a href="https://www.stol.it/artikel/chronik/das-sind-die-sorgen-der-suedtiroler-rente-ersparnisse-zu-wenig-hausaerzte" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">Sorgen der Arbeitnehmer</a> berechtigt?</b><BR />Helmuth Renzler: Ja. Man muss sich zwar nicht sorgen, dass man gar keine öffentliche Rente mehr bekommen wird, aber sehr wohl dass sie nicht ausreichen wird, um im Alter gut versorgt zu sein. Allein auf die öffentliche Rente sollte man sich deshalb nicht mehr verlassen und selbst vorsorgen. <BR /><BR /><b>Ein wesentlicher Grund, weshalb die öffentlichen Renten bei vielen nicht mehr für ein angemessenes Leben reichen wird, liegt darin, dass 1995 die beitragsbezogene Berechnung der Renten die bis dahin gültige lohnbezogene Berechnung abgelöst hat.</b><BR />Renzler: Genau. Wer nach 1996 erstmals gearbeitet hat, dessen Rente wird ausschließlich nach dem beitragsbezogenen System berechnet. Und das beitragsbezogene System ist ein reines Kapitalisierungssystem. <BR /><BR /><embed id="dtext86-60494442_quote" /><BR /><BR /><b>Vereinfacht gesagt: Es ist für die Höhe meiner Rente nicht mehr mein Lohn vor der Pensionierung entscheidend, so wie früher, sondern die Summe der Rentenversicherungsbeiträge, die ich im Laufe des gesamten Arbeitslebens eingezahlt habe. Je weniger man einzahlt - weil man zum Beispiel eine Auszeit genommen oder Teilzeit arbeitet - desto weniger kommt am Ende raus.</b><BR />Renzler: So ist es. Was zudem oft unterschätzt wird, ist der Effekt des Umwandlungskoeffizienten (Um die Rente zu berechnen, wird das über die Jahre eingezahlte Beitragskapital, das sind monatlich 33 Prozent des Bruttolohnes, aufgewertet und mit einem Umwandlungskoeffizienten multipliziert, Anm.d.Red.). Dieser Umwandlungskoeffizient ist an die durchschnittliche Lebenserwartung gekoppelt: Wenn die Lebenserwartung in Italien steigt, sinkt der Umwandlungskoeffizient. Und dadurch fällt die Rente mit der Zeit immer geringer aus. Und die Lebenserwartung ist in den vergangenen Jahren ständig gestiegen – eine Ausnahme bilden nur die Coronajahre. Schwierigkeiten bereitet aber noch ein weiterer Aspekt.<BR /><BR /><b>Welcher?</b><BR />Renzler: Wenn man mit der vorzeitigen Altersrente in Pension gehen möchte, also wenn man unabhängig vom Alter als Frau 41 Jahre und 10 Monate an Rentenversicherungszeiten beisammen hat und als Mann 42 Jahre und 10 Monate, dann muss man einen monatlichen Mindestrentenbetrag erreichen, damit man überhaupt eine Rente ausbezahlt bekommt. 2023 waren das 1409,16 Euro. Das bedeutet, dass man - je nach Lebensalter – auf ein Beitragskapital von 280.000 bis 320.000 Euro kommen muss. <BR /><BR /><b>Und das ist eine Summe, die nicht so leicht zu erreichen ist?</b><BR />Renzler: Ein Beispiel: Wenn eine Landesbedienstete 10 Jahre lang eine Teilzeitarbeit von 50 Prozent hat und auf einen Bruttojahresverdienst von 36.000 Euro kommt, dann wird sie die 1409 Euro nur sehr knapp erreichen. Wenn sie ein paar Jahre länger Teilzeit arbeitet, ist sie draußen. Nachdem vor allem Frauen in Teilzeit arbeiten, sind vor allem sie von dem Problem betroffen – und für sie ist die Altersarmut eigentlich schon vorprogrammiert. Auch für die Altersrente, die man ab 67 beziehen kann, muss man auf eine gewisse Rentenhöhe kommen, um überhaupt eine Rente zu erhalten. Für 2023 beträgt dieser Rentenbetrag, den man erreichen muss, 754,90 Euro. Da kommen Geringverdiener nur schwer hin. In beiden Fällen bleibt dann nur, so lange weiterzuarbeiten, bis man die nötige Summe erreicht oder bis man 71 Jahre alt ist.<BR /><BR /><embed id="dtext86-60494441_listbox" /><BR /><BR /><BR /><b>Die Lösung ist dann also für jeden Einzelnen die private Altersvorsorge…</b><BR />Renzler: Es ist sicher vernünftig, sich ein zweites Standbein in der Altersvorsorge aufzubauen. Generell sagt man, dass man mindestens 11 Prozent der Entlohnung darin investieren sollte. Wenn man dann die öffentliche und private Vorsorge zusammenrechnet, bekommt man ungefähr den Betrag als Rente heraus, der früher mit dem lohnbezogenen Rentensystem möglich war. Man könnte auch bei den Löhnen ansetzen und diese erhöhen, denn die Bemessungsgrundlage für die Rente ist ja der Lohn, weil monatlich 33 Prozent der pensionierbaren Bruttoentlohnung als Beitragskapital eingezahlt werden. Und tendenziell niedrigere Löhne führen zu einem niedrigeren Beitragskapital. <BR /><BR /><b>Mit privater Vorsorge meinen Sie einen Zusatzrentenfonds, oder?</b><BR />Renzler: Man kann in einen Zusatzrentenfonds investieren oder auch in eine andere Form der Geldanlage, die man verwenden kann, wenn man in Rente geht, es kann auch eine Immobile sein. Zudem sollte man schauen, dass man im Rentenalter seine eigenen 4 Wände hat, damit man sich zumindest nicht mehr wegen der Miete sorgen muss. Denn wer eine auch nur etwas höhere Rente bezieht, ich rede von 1500 Euro netto, wird beim Mietgeld und Mietzuschuss nicht zum Zug kommen – und dann können beispielsweise Mieten von 800 Euro ein Problem werden. <BR /><BR /><b>Aber eine Immobilie kostet doch auch - Stichwort Instandhaltungskosten...</b><BR />Renzler: Stimmt. Da muss man sich dann im Alter überlegen, wie groß die Wohnung sein muss, die man dann noch braucht. Dann kann man vielleicht in eine kleinere Wohnung wechseln und die größere verkaufen. <BR />