Die jüngsten Flüchtlingswellen und tragischen Bootsunglücke haben die Regierung in Rom dazu veranlasst, den nationalen Notstand auszurufen und schärfere Maßnahmen zur Bekämpfung der illegalen Einwanderung auszuarbeiten.<h3> Sinkt die Einwanderung, wächst der Schuldenberg </h3>Gleichzeitig zeigen aber gerade die jüngsten Berechnungen der italienischen Regierung auf, wie Migranten zur Stabilisierung des Staatshaushaltes beitragen. In ihrem kürzlich vorgelegten Dokument zur Finanzplanung (DEF) haben die Experten des Wirtschaftsministeriums die Entwicklung des Schuldenberges, der aktuell rund 144 Prozent des Bruttoinlandsproduktes ausmacht, bis 2070 prognostiziert.<BR /><BR />Ergebnis: Wenn die Zuwanderung in etwa auf dem heutigen Niveau bleiben würde (mit einem Nettozufluss von im Schnitt rund 213.000 Einwanderern im Jahr), würde die Staatsschuldenquote bis 2070 um 30 Prozent steigen; würde die Zuwanderung um 33 Prozent reduziert, würden die Schulden mehr als 200 Prozent des BIP erreichen. Wenn hingegen die Einwanderung um 33 Prozent zunehmen würde, würde die Schuldenquote um 30 Prozent sinken. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="888683_image" /></div> <h3> Renten: „Einwanderer werden mehr einzahlen, als sie herausbekommen“</h3>Dazu kommen die Auswirkungen der Einwanderung auf das Rentensystem. „In der Diskussion über restriktivere Maßnahmen gegen die illegale Einwanderung und der Berichterstattung über Gewalttaten und Übergriffe seitens von Migranten gehen die vielen Menschen ausländischer Herkunft unter, die sich in unsere Gesellschaft integrieren, arbeiten gehen und ihre Beiträge korrekt einzahlen“, betont Rentenexperte Helmuth Renzler. <BR /><BR /><embed id="dtext86-59251803_quote" /><BR /><BR />Und diese Sozialbeiträge seien für die Gesellschaft bzw. das gesamte Pensionssystem von entscheidender Bedeutung: „Die von Nicht-EU-Bürgern eingezahlten Beiträge werden in den nächsten Jahrzehnten die beantragten Leistungen immer mehr übersteigen. Das heißt, dass diese Menschen bis 2040 immer mehr Geld erwirtschaften, im Gegenzug aber weniger Leistungen in Anspruch nehmen werden.“ <BR /><BR />Denn viele Ausländer, vor allem jene aus nicht EU-Ländern, würden sehr spät in Italien eine reguläre Arbeit beginnen und daher auch spät einen Rentenanspruch erreichen – auch wenn sie ordnungsgemäß ihre Rentenversicherungsbeiträge einzahlen. <BR /><BR />„Aber nicht nur: Viele Einwanderer verlassen Italien wieder, bevor sie die Mindestvoraussetzungen für einen Rentenanspruch angereift haben und dadurch ,schenken' sie unserem Rentensystem diese eingezahlten Versicherungsbeträge“, führt der Rentenexperte aus.<h3> Immer weniger Arbeitskräfte, immer mehr Rentner</h3>Renzler verweist zudem auf Hochrechnungen des Renteninstituts INPS. Demnach müsste das italienische Sozialsystem einen Verlust von 38 Milliarden Euro hinnehmen, wenn sich die Anzahl der Einwanderer bis zum Jahre 2040 jährlich um 80.000 Personen reduzieren würde. <BR /><BR />Dazu kommt eine die demografische Entwicklung: Immer weniger Menschen sind im erwerbsfähigen Alter und somit zahlen immer weniger Menschen Rentenversicherungsbeiträge ein. „Zurzeit ist das Verhältnis zwischen Beitragszahler und Rentner 1,4 zu 1. Laut Hochrechnungen wird Mitte dieses Jahrhunderts das Verhältnis zwischen Beitragszahler und Rentner 1 zu 1 sein - und das würde sich besorgniserregend auf unser Rentensystem auswirken“, sagt Renzler. <BR /><BR />Konkret: „Sollten wir aus politischen Gründen dem nicht Rechnung tragen, werden wir in absehbarer Zeit an einen sehr kritischen Punkt gelangen. Denn ohne die Beiträge dieser Menschen würde man beim NISF/INPS bald tiefrote Zahlen schreiben und das Geld für unsere Pensionen würde ausgehen.“ <BR /><BR />Deshalb ist es nach Renzlers Worten wichtig, dass Italien auch weiterhin Menschen aufnimmt – und zwar mindestens 200.000 arbeitsfähige Personen pro Jahr. Die aktuelle Einwanderungsverordnung sieht die Aufnahme von 82.700 Arbeitskräften aus Nicht-EU-Ländern vor. <BR /><BR />Verschärfte Regeln bei der Einwanderpolitik sind laut Renzler deshalb sehr genau zu überlegen und zu prüfen. <BR /><BR /><BR />