Mittwoch, 20. März 2019

Rudi Nadalets „Gespür für Schnee“

60 Förster, Techniker und Wissenschaftler aus Südtirol, dem Trentino und dem Aostatal waren am Dienstag mit Sonde, Ausstechzylinder und Federwaage unterwegs, um Schneemessungen vorzunehmen und diese auf den Wasserwert zu untersuchen.

An mehreren Orten wurden Schneemessungen durchgeführt.
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An mehreren Orten wurden Schneemessungen durchgeführt. - Foto: © LPA

Eingeteilt in 14 Mannschaften entnahmen sie auf 29 ausgewählten Flächen im Ski Center Latemar in Obereggen, Pampeago und Predazzo 79 Proben zur Ermittlung der Schneedichten und führten dafür 6952 Schneehöhenerhebungen durch. 

„Ziel dieses mittlerweile fünften Treffens ist der Austausch von Technikern, Beobachtern und Wissenschaftlern, die sich mit dem Thema Schnee-Wasser-Äquivalent(SWE) befassen“, erklärte Rudi Nadalet vom Hydrographischen Amt in der Agentur für Bevölkerungsschutz.

Schneemessungen sind eine wichtige Grundlage für hydrologische und klimatologische Auswertungen. Das Hydrographische Amt der Agentur für Bevölkerungsschutz betreibt ein umfangreiches Messnetz, das aus 20 automatischen und 16 manuellen Stationen besteht. Zudem führen Mitarbeiter des Landesforstkorps wertvolle Schneedeckenuntersuchungen im ganzen Land durch.

Wasserwert bestimmt Wasserverfügbarkeit

Ein sehr wichtiger Parameter ist das Wasseräquivalent der Schneedecke (Snow Water Equivalent SWE), kurz Wasserwert genannt. Der Wasserwert ist die Höhe der Wasserschicht (in Millimetern ausgedrückt), die durch Schmelzen des Schnees auf einer bestimmten Grundfläche entstehen würde. Bei einer mittleren Dichte von 300 Kilogramm pro Kubikmeter, wie dies etwa am Dienstag der Fall war, liefert ein Meter Schnee 300 Millimeter Wasser.

Der Wasserwert hat über die Schneeschmelze einen erheblichen Einfluss auf den Abflussgang der Fließgewässer und bestimmt dadurch den Wasserhaushalt bzw. die Wasserverfügbarkeit in Südtirol. In jüngerer Zeit werden die direkten Messungen vermehrt mit Fernerkundungsdaten ergänzt, um die räumliche Verteilung der Schneebedeckung besser zu bestimmen. Eines der Hauptprobleme, die es dabei zu lösen gilt, ist die Auswirkung des Waldes auf die Verteilung der Schneedecke.

Beim diesjährige Treffen wurden erstmals die Bedeutung und die Schwierigkeiten der Erfassung von SWE-Daten in bewaldeten Gebieten beleuchtet, mit einem kombinierten Einsatz traditioneller Schneedichtemessungen mit Fernerkundungstechniken und Modelldaten. Für den theoretischen Teil wurden Partner der Universitäten Padua, Trient und Bozen miteinbezogen, die am Montagnachmittag in der Agentur für Bevölkerungsschutz in Referaten unterschiedliche Aspekte beleuchteten.

Die auf den Schneeflächen erhobenen Daten wurden noch gestern nach einer ersten Auswertung vorgestellt. „Die Qualität der SWE-Daten bestimmt auch, wie gut die Outputs unseres Hochwassermodells sind. Dieses dient der Vorhersage von Hochwasserereignissen und Wasserknappheitsperioden“, erklärte Nadalet abschließend.

Genauere Analysen werden in den folgenden Wochen durchgeführt.

lpa/stol

stol